Montag, 20. April 2026

Es klappert der Huf am Stege

 Es klappert der Huf am Stege,

Wir ziehn mit dem Fähnlein ins Feld;
Blut´ger Kampf allerwege,
Dazu sind auch wir bestellt.
Wir reiten und reiten und singen,
Im Herzen die bitterste Not.
Die Sehnsucht will uns bezwingen
Doch wir reiten die Sehnsucht tot.

Dörfer und Städte flogen
Vorüber an unserem Blick.
Wir sind immer weiter gezogen,
Für uns gibt es kein Zurück.
Wir reiten durch Täler und Hügel,
Wo der Sommer in Blüte steht;
Es knirschen Zaumzeug und Zügel,
Der Wimpel hoch über uns weht.

Leis sinkt der Abend nieder,
Uns wird das Herz so schwer
Leiser werden die Lieder
Wir sehn keine Heimat mehr
Wir reiten und reiten und reiten
Und hören von fern schon die Schlacht
Herr, laß uns stark sein im Streiten
Dann sei unser Leben vollbracht.

Text: Hans Riedel
Musik: Robert Götz , 1920
aus Jugendland, eine deutsche Jugendzeitschrift

War das das Lebensgefühl junger Männer nach dem ersten Weltkrieg; „Keine Heimat mehr?“ Wie viele davon waren in den Freikorps und schlugen im März 1920 den ersten Generalstreik in der deutschen Geschichte blutig nieder: „Wir reiten die Sehnsucht tot!“

"Es diente außerdem als Jugenlied und kommt sogar im 1983 erschienenen Liederbuch der Fallschirmjäger vor."

Gesang

Es gibt erschreckend viele Soldatenlieder, und eine der häufigsten Reime ist der auf Tod.

Samstag, 18. April 2026

Morgenrot, Morgenrot

 Morgenrot, Morgenrot

leuchtest mir zum frühen Tod
Bald wird die Trompete blasen,
dann muß ich mein Leben lassen
ich und mancher Kamerad

Kaum gedacht, kaum gedacht
wird der Lust ein End gemacht!
Gestern noch auf stolzen Rossen
heute durch die Brust geschossen
morgen in das kühle Grab!

Ach wie bald, ach wie bald
schwindet Schönheit und Gestalt!
Strahlst du gleich mit deinen Wangen
die wie Milch und Purpur prangen
ach, die Rosen welken all!

Und was ist, und was ist
aller Männer Freud und Lust
Unter Kummer, unter Sorgen
sich bemühen am frühen Morgen
bis der Tag vorüber ist

Darum still, darum still
füg ich mich, wie Gott es will.
Nun, so will ich wacker streiten
und sollt ich den Tod erleiden
Stirbt ein braver Reitersmann!

Text: Wilhelm Hauff (1824)
Musik: schwäbisches Volkslied: „Ach wie bald ach wie bald „

Text: Volksliederarchiv

Gesang  Allerlei Uniformen, in der 1. Strophe: ein zum Tod Verurteilter wird zur Exekution geführt


Zupfgeigenhansel

Samstag, 21. März 2026

Winde wehn, Schiffe gehn

 

Winde wehn, Schiffe gehn
weit in fremde Land´
Nur des Matrosen allerliebsten Schatz
bleibt weinend stehn am Strand.

Wein doch nicht, lieb Gesicht,
wisch die Tränen ab!
Und denk an mich und an die schöne Zeit,
bis ich dich wieder hab.

Silber und Gold, Kisten voll,
bring ich dann mit mir.
Ich bringe Seiden, schönes Sammetzeug,
und alles schenke ich dir.

Text und Musik: Erich Spohr und Hermann Gumbel um 1925 nach einem Volkslied der in Finnland ansässigen Schweden (Musikalischer Ursprung ist das Lied "Vinden drar, skeppet far", das in Finnlands Norden beheimatete Schweden sangen.)

Chorgesang

Donnerstag, 5. März 2026

Wollt im Winter ein Brieflein schreiben

 1. Wollt im Winter ein Brieflein schreiben,

habs in Schnee geschrieben.
Warmer Wind ist kommen,
Brieflein ist zerronnen,
nichts ist übrig bliebn.

2. Wollt im Sommer ein Brieflein schreiben,
habs in Sand geschriebn.
Regen ist gekommen,
Brieflein ist verschwommen,
nichts ist übrig bliebn.

3. Und so schlag ich das Brieflein schreiben
wieder aus dem Sinn.
Brauch nicht lang mich zanken,
weil ich in Gedanken
immer bei dir bin.


Der Schubert- Chor Rheine hat eine erste Strophe "Wollt im Frühjahr ein Brieflein schreiben" vorausgestellt. 

Dies Lied habe ich aus meiner frühen Jugend in Erinnerung. Das Volksliedhafte leicht Melancholische hat mir gefallen, andererseits das Spiel mit Vergänglichkeit und Vergeblichkeit. Im Studium haben wir Motive aus dem Lied aufgegriffen. Eine Schwester schrieb, sie habe mir im Traum geschrieben, der Brief sei aber am Morgen nicht mehr dagewesen. "Darum verschieb ich das Briefleinschreiben lieber auf den Tag. ..." Die andere griff  das Bild der Spuren im Sand auf, die bei ihr aber sehr dauerhaft waren.  Über einen Urlaub am Meer hieß es bei ihr:

Jede Welle läßt im Sand

eine Spur zurück,

leise wie im Menschenherz

jeder Tag voll Glück.

Im Alter erlebt man stärker die Flüchtigkeit. Ein Bekannter formulierte es so: Am Anfang lebt man zusammen, dann besucht man sich, dann schreibt man Briefe, dann telefoniert man miteinander, dann denkt man an sich. Heute gäbe es dazwischen noch Mails und Chats von eigener Flüchtigkeit bzw. Auffindbarkeit. 

Länger schon war mir das Ambivalente bei Baumann:  Innigkeit verbunden mit stürmerhaftem Kampfgeist der Nationalsozialismus bekannt. Aber erst heute, wo ich mit Hilfe von KI etwas Einblick in die Textgeschichte des vorliegenden Liedes bekam, erfuhr ich, dass der Volksliedton erst in einer recht späten Fassung des Gedichtes auftritt. Weit entfernt davon, eine textkritische Fassung des Gedichtes vorlegen zu wollen, deute ich hier nur an, wie groß die Bandbreite der Versionen ist. (Die verschieden Arbeitsmodi - fast und thinking - der KI Gemini ließen dabei unterschiedliche Versionen als Erstfassung des Gedichtes gelten):

https://antworteneinerki.blogspot.com/2026/03/hans-baumann-wollt-im-winter-ein.html

https://antworteneinerki.blogspot.com/2026/03/baumann-wollt-im-winter-vergleich.html

https://antworteneinerki.blogspot.com/2026/03/hans-baumann-wollt-im-winter-mehrere.html



Andere Version von Hans Baumann

Wollt im Winter ein Brieflein schreiben, wollt' es keinem Menschen zeigen, hab’s dem Nordwind anvertraut, der hat’s mir vom Tisch geklaut.

Hat’s getragen über die Heide, hat’s getragen weit in die Weite, hat’s getragen bis ans Meer, dort gabs keine Briefe mehr.

Kam ein Fischlein angeschwommen, hat mein Brieflein mitgenommen, hat’s getragen tief hinab, wo es keine Briefe gab.

Kam ein Sternlein am Himmel oben, hat mein Brieflein aufgehoben, hat’s getragen hoch hinauf, schrieb den Namen Gottes drauf.

Hans Baumann ist zu Recht "umstritten", eine Formel, mit der manches abqualifiziert wird, was wie vieles ambivalent ist, aber durchaus normalen Ansprüchen genügt. 

Bei ihm ist das Problem, dass er seine hohe Begabung als Komponist eingängiger Lieder im Volkston und nicht ganz so begabter Lyriker  ganz in den Dienst der NSDAP gestellt hat. Ohne diese Vorgeschichte wäre sein Werk schlicht das eines produktiven begabten Jugendschriftstellers. So aber ist es schwer, die beiden Teile seines Werks gegeneinander aufzurechnen. So erfreulich ist, was er später geschrieben hat, eine Wiedergutmachung kann man es kaum nennen. 


Montag, 9. Februar 2026

Stimmt an mit hellem, hohem Klang

 1.  Stimmt an mit hellem, hohem Klang,

stimmt an das Lied der Lieder,
des Vaterlandes Hochgesang,
das Waldtal hall´ es wieder.

 

2.  Der alten Barden Vaterland,
dem Vaterland der Treue,
dir, freies unbezwung´nes Land,
dir weih´n wir uns auf´s neue.

 

3.  Zur Ahnentugend wir uns weih´n,
zum Schutze deiner Hütten;
wir lieben deutsches Fröhlichsein
und alte, deutsche Sitten.

 

4.  Die Barden sollen Lieb´ und Wein,
doch öfter Tugend preisen,
und sollen bied´re Männer sein
in Taten und in Weisen.

 

5.  Ihr Kraftgesang soll himmelan
mit Ungestüm sich reißen :
Jeder echte, deutsche Mann
soll Freund und Bruder heißen.


(Matthias Claudius, 1772)


Dies Lied wurde irgendwann der Liste der Lieder, die an unserem Heimatfest gesungen wurden, wohl unter Auslassung der zweiten und dritten Strophe, hinzugefügt. 

Mir kam es als Schüler überholt vor. Jetzt bin ich erstaunt, dass es von Matthias Claudius stammt. Er galt schon zu seiner Zeit als ziemlich altväterlich vor und hat uns doch das zeitlose "Der Mond ist aufgegangen" geschenkt, von dem Thomas Mann bei Benennung seines Lieblingsgedichts (es war von Platen) sagte, dass darüber im Grunde nichts gehe.

"Stimmt an mit hellem, hohem Klang" ist gewiss überholt und war es wohl schon, als es geschrieben wurde.

Donnerstag, 5. Februar 2026

Wildgänse rauschen durch die Nacht

1. Wildgänse rauschen durch die Nacht 
Mit schrillem Schrei nach Norden –
Unstäte Fahrt! Habt acht, habt acht!
Die Welt ist voller Morden.

2. Fahrt durch die nachtdurchwogte Welt,
Graureisige Geschwader!
Fahlhelle zuckt, und Schlachtruf gellt,
Weit wallt und wogt der Hader.

3. Rausch’ zu, fahr’ zu, du graues Heer!
Rauscht zu, fahrt zu nach Norden!
Fahrt ihr nach Süden übers Meer –
Was ist aus uns geworden!

4. Wir sind wie ihr ein graues Heer
Und fahr’n in Kaisers Namen,
Und fahr’n wir ohne Wiederkehr,
Rauscht uns im Herbst ein Amen!

Sieh auch: Maikäfer flieg (Lieder aus dem Ersten Weltkrieg)