Montag, 9. Februar 2026

Stimmt an mit hellem, hohem Klang

 1.  Stimmt an mit hellem, hohem Klang,

stimmt an das Lied der Lieder,
des Vaterlandes Hochgesang,
das Waldtal hall´ es wieder.

 

2.  Der alten Barden Vaterland,
dem Vaterland der Treue,
dir, freies unbezwung´nes Land,
dir weih´n wir uns auf´s neue.

 

3.  Zur Ahnentugend wir uns weih´n,
zum Schutze deiner Hütten;
wir lieben deutsches Fröhlichsein
und alte, deutsche Sitten.

 

4.  Die Barden sollen Lieb´ und Wein,
doch öfter Tugend preisen,
und sollen bied´re Männer sein
in Taten und in Weisen.

 

5.  Ihr Kraftgesang soll himmelan
mit Ungestüm sich reißen :
Jeder echte, deutsche Mann
soll Freund und Bruder heißen.


(Matthias Claudius, 1772)


Dies Lied wurde irgendwann der Liste der Lieder, die an unserem Heimatfest gesungen wurden, wohl unter Auslassung der zweiten und dritten Strophe, hinzugefügt. 

Mir kam es als Schüler überholt vor. Jetzt bin ich erstaunt, dass es von Matthias Claudius stammt. Er galt schon zu seiner Zeit als ziemlich altväterlich vor und hat uns doch das zeitlose "Der Mond ist aufgegangen" geschenkt, von dem Thomas Mann bei Benennung seines Lieblingsgedichts (es war von Platen) sagte, dass darüber im Grunde nichts gehe.

"Stimmt an mit hellem, hohem Klang" ist gewiss überholt und war es wohl schon, als es geschrieben wurde.

Donnerstag, 5. Februar 2026

Wildgänse rauschen durch die Nacht

1. Wildgänse rauschen durch die Nacht 
Mit schrillem Schrei nach Norden –
Unstäte Fahrt! Habt acht, habt acht!
Die Welt ist voller Morden.

2. Fahrt durch die nachtdurchwogte Welt,
Graureisige Geschwader!
Fahlhelle zuckt, und Schlachtruf gellt,
Weit wallt und wogt der Hader.

3. Rausch’ zu, fahr’ zu, du graues Heer!
Rauscht zu, fahrt zu nach Norden!
Fahrt ihr nach Süden übers Meer –
Was ist aus uns geworden!

4. Wir sind wie ihr ein graues Heer
Und fahr’n in Kaisers Namen,
Und fahr’n wir ohne Wiederkehr,
Rauscht uns im Herbst ein Amen!

Sieh auch: Maikäfer flieg (Lieder aus dem Ersten Weltkrieg)

Donnerstag, 29. Januar 2026

Fort mit den Grillen, fort mit den Sorgen

 Fort mit den Grillen, fort mit den Sorgen

Lustig ist das Wanderblut
Ja, wir müssen in die Welt hinein fahren
Haben immer frohen Mut

Drum, liebe Eltern, seid nicht betrübet
Weil die Schöne Zeit ist aus
Denn mein Berliner*, der ist schon geschnüret
Und morgen geht´s zum Tor hinaus

Drum, liebes Schätzchen, sei nicht betrübet
Weil ich von dir scheiden muß
Haben wir einander treulich geliebet
So gib mir einen Abschiedskuß

Volksliedarchiv Text und Musik: Verfasser unbekannt –  aus Thüringen 


*Charlottenburger

vgl. Rucksack, Tornister


Gesang



Dienstag, 6. Januar 2026

Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen

Weihnachtsspruch

Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen,
Wie glänzt er festlich, lieb und mild,
Als spräch’ er: wollt in mir erkennen
Getreuer Hoffnung stilles Bild.

Die Kinder stehn mit hellen Blicken,
Das Auge lacht, es lacht das Herz;
O fröhlich’, seliges Entzücken!
Die Alten schauen himmelwärts.

Zwei Engel sind hereingetreten,
Kein Auge hat sie kommen sehn,
Sie gehn zum Weihnachtstisch und beten,
Und wenden wieder sich und gehn:

„Gesegnet seid ihr alten Leute,
Gesegnet sei du kleine Schaar!
Wir bringen Gottes Segen heute
Dem braunen, wie dem weißen Haar.

Zu guten Menschen, die sich lieben,
Schickt uns der Herr als Boten aus,
Und seid Ihr treu und fromm geblieben,
Wir treten wieder in dies Haus!“ –

Kein Ohr hat ihren Spruch vernommen,
Unsichtbar jedes Menschen Blick,
Sind sie gegangen, wie gekommen,
Doch Gottes Segen blieb zurück![1]

Gesang:

 https://www.youtube.com/watch?v=L09BAcnpwe0

Wikipediaartikel

Mittwoch, 8. Oktober 2025

Liebe Liesel

1.Strophe "Wenn der Topp aber nun a Loch hat, lieber Heinrich, lieber Heinrich?" "Stopp es zu, liebe, liebe Liese, liebe Liese, stopp es zu!" 

2. Strophe "Womit soll ich es aber zu stoppe, lieber Heinrich, lieber Heinrich?" "Musst de Stroh nehme, liebe Liese, liebe Liese, nimmst de Stroh!" 

3. Strophe "Wenn's Stroh aber nun zu lang ist, lieber Heinrich, lieber Heinrich?" "Musst du's abhaue, liebe Liese, liebe Liese, haust du's ab!" 

4. Strophe "Womit soll ich's aber abhaue, lieber Heinrich, lieber Heinrich?" "Musst du's Beil nehme, liebe Liese, liebe Liese, nimmst du's Beil." 

5. Strophe "Wenn's Beil aber nu net schneide will, lieber Heinrich, lieber Heinrich?" "Musst du's scharf mache, liebe Liese, liebe Liese, machst du's scharf."

 6. Strophe "Womit soll ich's aber scharf mache, lieber Heinrich, lieber Heinrich?" "Musst e Stein nehme, liebe Liese, liebe Liese, nimmst e Stein." 

7. Strophe "Wenn der Stein aber nun zu trocken ist, lieber Heinrich, lieber Heinrich?" "Musst'n nass mache, liebe Liese,

Ander Strophenfolgen:

Liebe Liesel du sollst Essen kochen, Lieber Heinrich womit denn

Liebe Liesel mach's mit Wasser Lieber Heinrich womit denn

Liebe Liesel hol das Wasser Lieber Heinrich womit denn

Liebe Liesel mit 'nem Kochtopf  

12) Wenn die Schere aber stumpf ist, lieber Heinrich? 

13) Mach sie scharf, du dumme Liesel 

14) Ja, womit denn, lieber Heinrich ...

15) Mit dem Schleifstein, du dumme Liesel!

Dienstag, 23. September 2025

Wer hat die schönsten Schäfchen?

Wer hat die schönsten Schäfchen?
Die hat der goldne Mond,
Der hinter unsern Bäumen
Am Himmel drüben wohnt.

Er kommt am späten Abend,
Wenn alles schlafen will,
Hervor aus seinem Hause
Zum Himmel leis’ und still.

Dann weidet er die Schäfchen
Auf seiner blauen Flur;
Denn all die weißen Sterne
Sind seine Schäfchen nur.

Sie thun sich nichts zu leide,
Hat eins das andre gern,
Und Schwestern sind und Brüder
Da droben Stern an Stern.

Und soll ich dir eins bringen,
So darfst du niemals schrei’n,
Mußt freundlich wie die Schäfchen
Und wie ihr Schäfer sein.[2]

In Fünfzig Kinderlieder (1843) findet sich eine abweichende fünfte Strophe:

Wenn ich gen Himmel schaue,
so fällt mir immer ein:
O lasst uns auch so freundlich
wie diese Schäfchen sein![9]


"Hoffmann von Fallersleben greift mit dem Gedicht ein Motiv aus der Barocklyrik auf. Das Bild des Mondes als Himmelsschäfer und Sternenhirt geht auf den Kirchenlieddichter und Jesuiten Friedrich Spee zurück [...]" (Wikipedia)


Es ist ein mutiges Bild von Spee, diese ungeheuren Feuerbälle als Schäfchen auftreten zu lassen, und das als rationaler "Kritiker der Hexenprozesse, durch seine Schrift Cautio Criminalis" (Wikipedia),

Aber er kann an die magischen Vorstellungen die Kinder in frühem Alter haben und wie sie im 17. Jh. wohl auch unter Erwachsenen häufiger verbreitet warn, Grund für die nur sehr verhaltene Kritik am Hexenwahn.