Donnerstag, 5. März 2026

Wollt im Winter ein Brieflein schreiben

 1. Wollt im Winter ein Brieflein schreiben,

habs in Schnee geschrieben.
Warmer Wind ist kommen,
Brieflein ist zerronnen,
nichts ist übrig bliebn.

2. Wollt im Sommer ein Brieflein schreiben,
habs in Sand geschriebn.
Regen ist gekommen,
Brieflein ist verschwommen,
nichts ist übrig bliebn.

3. Und so schlag ich das Brieflein schreiben
wieder aus dem Sinn.
Brauch nicht lang mich zanken,
weil ich in Gedanken
immer bei dir bin.


Der Schubert- Chor Rheine hat eine erste Strophe "Wollt im Frühjahr ein Brieflein schreiben" vorausgestellt. 

Dies Lied habe ich aus meiner frühen Jugend in Erinnerung. Das Volksliedhafte leicht Melancholische hat mir gefallen, andererseits das Spiel mit Vergänglichkeit und Vergeblichkeit. Im Studium haben wir Motive aus dem Lied aufgegriffen. Eine Schwester schrieb, sie habe mir im Traum geschrieben, der Brief sei aber am Morgen nicht mehr dagewesen. "Darum verschieb ich das Briefleinschreiben lieber auf den Tag. ..." Die andere griff  das Bild der Spuren im Sand auf, die bei ihr aber sehr dauerhaft waren.  Über einen Urlaub am Meer hieß es bei ihr:

Jede Welle läßt im Sand

eine Spur zurück,

leise wie im Menschenherz

jeder Tag voll Glück.

Im Alter erlebt man stärker die Flüchtigkeit. Ein Bekannter formulierte es so: Am Anfang lebt man zusammen, dann besucht man sich, dann schreibt man Briefe, dann telefoniert man miteinander, dann denkt man an sich. Heute gäbe es dazwischen noch Mails und Chats von eigener Flüchtigkeit bzw. Auffindbarkeit. 

Länger schon war mir das Ambivalente bei Baumann:  Innigkeit verbunden mit stürmerhaftem Kampfgeist der Nationalsozialismus bekannt. Aber erst heute, wo ich mit Hilfe von KI etwas Einblick in die Textgeschichte des vorliegenden Liedes bekam, erfuhr ich, dass der Volksliedton erst in einer recht späten Fassung des Gedichtes auftritt. Weit entfernt davon, eine textkritische Fassung des Gedichtes vorlegen zu wollen, deute ich hier nur an, wie groß die Bandbreite der Versionen ist. (Die verschieden Arbeitsmodi - fast und thinking - der KI Gemini ließen dabei unterschiedliche Versionen als Erstfassung des Gedichtes gelten):

https://antworteneinerki.blogspot.com/2026/03/hans-baumann-wollt-im-winter-ein.html

https://antworteneinerki.blogspot.com/2026/03/baumann-wollt-im-winter-vergleich.html

https://antworteneinerki.blogspot.com/2026/03/hans-baumann-wollt-im-winter-mehrere.html



Andere Version von Hans Baumann

Wollt im Winter ein Brieflein schreiben, wollt' es keinem Menschen zeigen, hab’s dem Nordwind anvertraut, der hat’s mir vom Tisch geklaut.

Hat’s getragen über die Heide, hat’s getragen weit in die Weite, hat’s getragen bis ans Meer, dort gabs keine Briefe mehr.

Kam ein Fischlein angeschwommen, hat mein Brieflein mitgenommen, hat’s getragen tief hinab, wo es keine Briefe gab.

Kam ein Sternlein am Himmel oben, hat mein Brieflein aufgehoben, hat’s getragen hoch hinauf, schrieb den Namen Gottes drauf.

Hans Baumann ist zu Recht "umstritten", eine Formel, mit der manches abqualifiziert wird, was wie vieles ambivalent ist, aber durchaus normalen Ansprüchen genügt. 

Bei ihm ist das Problem, dass er seine hohe Begabung als Komponist eingängiger Lieder im Volkston und nicht ganz so begabter Lyriker  ganz in den Dienst der NSDAP gestellt hat. Ohne diese Vorgeschichte wäre sein Werk schlicht das eines produktiven begabten Jugendschriftstellers. So aber ist es schwer, die beiden Teile seines Werks gegeneinander aufzurechnen. So erfreulich ist, was er später geschrieben hat, eine Wiedergutmachung kann man es kaum nennen. 


Montag, 9. Februar 2026

Stimmt an mit hellem, hohem Klang

 1.  Stimmt an mit hellem, hohem Klang,

stimmt an das Lied der Lieder,
des Vaterlandes Hochgesang,
das Waldtal hall´ es wieder.

 

2.  Der alten Barden Vaterland,
dem Vaterland der Treue,
dir, freies unbezwung´nes Land,
dir weih´n wir uns auf´s neue.

 

3.  Zur Ahnentugend wir uns weih´n,
zum Schutze deiner Hütten;
wir lieben deutsches Fröhlichsein
und alte, deutsche Sitten.

 

4.  Die Barden sollen Lieb´ und Wein,
doch öfter Tugend preisen,
und sollen bied´re Männer sein
in Taten und in Weisen.

 

5.  Ihr Kraftgesang soll himmelan
mit Ungestüm sich reißen :
Jeder echte, deutsche Mann
soll Freund und Bruder heißen.


(Matthias Claudius, 1772)


Dies Lied wurde irgendwann der Liste der Lieder, die an unserem Heimatfest gesungen wurden, wohl unter Auslassung der zweiten und dritten Strophe, hinzugefügt. 

Mir kam es als Schüler überholt vor. Jetzt bin ich erstaunt, dass es von Matthias Claudius stammt. Er galt schon zu seiner Zeit als ziemlich altväterlich vor und hat uns doch das zeitlose "Der Mond ist aufgegangen" geschenkt, von dem Thomas Mann bei Benennung seines Lieblingsgedichts (es war von Platen) sagte, dass darüber im Grunde nichts gehe.

"Stimmt an mit hellem, hohem Klang" ist gewiss überholt und war es wohl schon, als es geschrieben wurde.

Donnerstag, 5. Februar 2026

Wildgänse rauschen durch die Nacht

1. Wildgänse rauschen durch die Nacht 
Mit schrillem Schrei nach Norden –
Unstäte Fahrt! Habt acht, habt acht!
Die Welt ist voller Morden.

2. Fahrt durch die nachtdurchwogte Welt,
Graureisige Geschwader!
Fahlhelle zuckt, und Schlachtruf gellt,
Weit wallt und wogt der Hader.

3. Rausch’ zu, fahr’ zu, du graues Heer!
Rauscht zu, fahrt zu nach Norden!
Fahrt ihr nach Süden übers Meer –
Was ist aus uns geworden!

4. Wir sind wie ihr ein graues Heer
Und fahr’n in Kaisers Namen,
Und fahr’n wir ohne Wiederkehr,
Rauscht uns im Herbst ein Amen!

Sieh auch: Maikäfer flieg (Lieder aus dem Ersten Weltkrieg)

Donnerstag, 29. Januar 2026

Fort mit den Grillen, fort mit den Sorgen

 Fort mit den Grillen, fort mit den Sorgen

Lustig ist das Wanderblut
Ja, wir müssen in die Welt hinein fahren
Haben immer frohen Mut

Drum, liebe Eltern, seid nicht betrübet
Weil die Schöne Zeit ist aus
Denn mein Berliner*, der ist schon geschnüret
Und morgen geht´s zum Tor hinaus

Drum, liebes Schätzchen, sei nicht betrübet
Weil ich von dir scheiden muß
Haben wir einander treulich geliebet
So gib mir einen Abschiedskuß

Volksliedarchiv Text und Musik: Verfasser unbekannt –  aus Thüringen 


*Charlottenburger

vgl. Rucksack, Tornister


Gesang



Dienstag, 6. Januar 2026

Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen

Weihnachtsspruch

Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen,
Wie glänzt er festlich, lieb und mild,
Als spräch’ er: wollt in mir erkennen
Getreuer Hoffnung stilles Bild.

Die Kinder stehn mit hellen Blicken,
Das Auge lacht, es lacht das Herz;
O fröhlich’, seliges Entzücken!
Die Alten schauen himmelwärts.

Zwei Engel sind hereingetreten,
Kein Auge hat sie kommen sehn,
Sie gehn zum Weihnachtstisch und beten,
Und wenden wieder sich und gehn:

„Gesegnet seid ihr alten Leute,
Gesegnet sei du kleine Schaar!
Wir bringen Gottes Segen heute
Dem braunen, wie dem weißen Haar.

Zu guten Menschen, die sich lieben,
Schickt uns der Herr als Boten aus,
Und seid Ihr treu und fromm geblieben,
Wir treten wieder in dies Haus!“ –

Kein Ohr hat ihren Spruch vernommen,
Unsichtbar jedes Menschen Blick,
Sind sie gegangen, wie gekommen,
Doch Gottes Segen blieb zurück![1]

Gesang:

 https://www.youtube.com/watch?v=L09BAcnpwe0

Wikipediaartikel

Mittwoch, 8. Oktober 2025

Liebe Liesel

1.Strophe "Wenn der Topp aber nun a Loch hat, lieber Heinrich, lieber Heinrich?" "Stopp es zu, liebe, liebe Liese, liebe Liese, stopp es zu!" 

2. Strophe "Womit soll ich es aber zu stoppe, lieber Heinrich, lieber Heinrich?" "Musst de Stroh nehme, liebe Liese, liebe Liese, nimmst de Stroh!" 

3. Strophe "Wenn's Stroh aber nun zu lang ist, lieber Heinrich, lieber Heinrich?" "Musst du's abhaue, liebe Liese, liebe Liese, haust du's ab!" 

4. Strophe "Womit soll ich's aber abhaue, lieber Heinrich, lieber Heinrich?" "Musst du's Beil nehme, liebe Liese, liebe Liese, nimmst du's Beil." 

5. Strophe "Wenn's Beil aber nu net schneide will, lieber Heinrich, lieber Heinrich?" "Musst du's scharf mache, liebe Liese, liebe Liese, machst du's scharf."

 6. Strophe "Womit soll ich's aber scharf mache, lieber Heinrich, lieber Heinrich?" "Musst e Stein nehme, liebe Liese, liebe Liese, nimmst e Stein." 

7. Strophe "Wenn der Stein aber nun zu trocken ist, lieber Heinrich, lieber Heinrich?" "Musst'n nass mache, liebe Liese,

Ander Strophenfolgen:

Liebe Liesel du sollst Essen kochen, Lieber Heinrich womit denn

Liebe Liesel mach's mit Wasser Lieber Heinrich womit denn

Liebe Liesel hol das Wasser Lieber Heinrich womit denn

Liebe Liesel mit 'nem Kochtopf  

12) Wenn die Schere aber stumpf ist, lieber Heinrich? 

13) Mach sie scharf, du dumme Liesel 

14) Ja, womit denn, lieber Heinrich ...

15) Mit dem Schleifstein, du dumme Liesel!