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Montag, 15. März 2021

Ich trag in meinem Ranzen der alten Stiefel zwei

 Ich trag in meinem Ranzen der alten Stiefel zwei

´nen schlechten und ´nen ganzen, heißa, juchhei!
Den ganzen trag ich auf dem Dreck,
Den schlechten auf dem trocknen Fleck,
So zieh ich durch die Welt, hei, wie der Würfel fällt.

Ich trag in meinem Schädel der guten Freunde zwei,
´nen Burschen und mein Mädel, heißa, juchhei!
Zur schlechten Zeit den guten Freund,
Das Mädel, wenn die Sonne scheint, –
So geht es durch die Welt, hei, wie der Würfel fällt.

Sind sie einmal zerrissen, die Stiefel alle beid´,
Zum Teufel sie gerissen, heißa, juchhei!
Dann lauf ich auf der nackten Pfot,
Da schreckt mich weder Dreck noch Kot, –
So geht es durch die Welt, hei, wieder Würfel fällt.

Und bin ich einst verraten, von Freunden alle beid´,
Vom Schatz und Kameraden, heißa, juchhei!
Schlag ich den Freund mir aus dem Sinn
Und denk vom Mädel: hin ist hin! –
So geht es durch die Welt, hei, wie der Würfel fällt.

Ich will nichts, wenn ich wandre, als Kopf und Füße frei!
Dann pfeif ich auf das andre, heißa, juchhei!
Hat alles seinen alten Lauf,
Ein frischer Bursch bleibt obenauf, –
So geht es durch die Welt, hei, wie es mir gefällt!

Text : de Nora () – Musik ? – in Volker (ca. 1927) —

Volksliederarchiv.de

Ich kannte bisher nur eine Version, in der es heißt:

[...] der alten Stiefel zwei

´nen halben und ´nen ganzen, heißa, juchhei!

Den ganzen trag ich, wenn es schneit und kracht
und den halben, wenn die Sonn mir lacht.
Und so fahr ich durch die Welt, hei, wie der Würfel fällt.

Ein typisches Beispiel für ein "zersungenes" Lied.


Montag, 10. August 2020

Wir wollen zu Land ausfahren

Wir wollen zu Land ausfahren
wohl über die Fluren weit,
aufwärts zu den klaren
Gipfeln der Einsamkeit.
Woll´n lauschen woher der Sturmwind braust,
lauschen was hinter den Bergen haust
und wie die Welt so weit, und wie die Welt so weit.
Fremde Wasser dort springen,
sie soll´n uns´re Weiser sein,
froh wir wandern und singen
Lieder ins Land hinein.
Und glüht unser Feuer an gastlicher Statt,
so sind wir geborgen und schmausen uns satt
und die Flamme leuchtet darein, und die Flamme leuchtet darein.
Und steigt aus tiefem Tale heimlich und still die Nacht,
und sind vom Mondenstrahle Gnomen und Elfen erwacht.
Dämpfet die Stimme, die Schritte im Wald
so hör’n, so schau’n wir manch Zaubergestalt,
die wallt mit uns durch die Nacht, die wallt mit uns durch die Nacht.
Es blüht im Walde tief drinnen die blaue Blume fein,
die Blume zu gewinnen ziehn wir ins Land hinein.
Es rauschen die Bäume, es murmelt der Fluß,
und wer die blaue Blume finden will, der muß
ein Wandervogel sein, ein Wandervogel sein.
Text: Hjalmar Kutzleb (Horant) (1911)
Musik: Kurt von Burkersroda (1912)
Gesang (Es gibt noch problematischere Interpretationen.)

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Weißt du, warum du mit uns gehst

Weißt du, warum du mit uns gehst
Auf den Weg voller Müh und Gefahr?
Warum du mit uns am Feuer stehst,
Wenn der Sturmwind zaust unser Haar?

Fühlst du, wie in uns die Sehnsucht glüht,
Die immer vorwärts uns treibt?
Siehst du, wie vor uns die Fahne zieht?
Unser Leben verschworen ihr bleibt.

Du weißt nicht, wohin der Weg uns führt.
Nur, daß wir zusammengehn.
Du hast wie wir das Feuer gespürt
Und der starken Winde Wehn.


Dies Lied wurde 1934 in "Wagen rollen auf endlosen Wegen - Neue Lieder der Großfahrt", herausgegeben von Bernhard Sieper, veröffentlicht. Es wird verschiedenen Verfassern und Komponisten zugeschrieben. 

Die Bilder, die hier gebraucht werden, sind ihrerseits ganz unterschiedlichen Haltungen zuzuordnen. Während Sehnsucht, Mühe und Lagerfeuerromantik in der frühen Jugendbewegung hochgehalten wurden, wurden Ausdrücke wie "der Fahne verschworen" gern in der Nazizeit aufgegriffen, gipfelnd in der Behauptung "Die Fahne ist mehr als der Tod."

Die Jugendbewegung hat in der zweiten Hälfte der Weimarer Republik in der Tat weniger Freiheit als die Gemeinsamkeit der Gruppe betont. Das findet in dem Sammelnamen Bündische Jugend einen passenden Ausdruck. 


Donnerstag, 8. November 2012

Wanderlied (Der Mai ist gekommen)


Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,
da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus.
Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,
so steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.

Herr Vater, Frau Mutter, daß Gott euch behüt'!
Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht.
Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert,
es gibt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.

Frisch auf drum, frisch auf drum im hellen Sonnenstrahl,
wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all;
mein Herz ist wie 'ne Lerche und stimmt ein mit Schall.

Und abends im Städtchen, da kehr ich durstig ein.
Herr Wirt, mein Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein!
Ergreife die Fiedel, du lust'ger Spielmann du!
Von meinem Schatz das Liedel, das singe ich dazu.

Und find' ich keine Herberg, so lieg' ich zur Nacht
wohl unterm blauen Himmel, die Sterne halten Wacht.
Im Winde die Linde, die rauscht mich ein gemach,
es küsset in der Frühe das Morgenrot mich wach.

O Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust!
Da wehet Gottes Odem so frisch in der Brust.
Da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!

Text: Emanuel Geibel (1815-1884)
Melodie: Justus Wilhelm Lyra (1822-1882)