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Samstag, 9. Mai 2026

’s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre

 Kriegslied

’s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre,

Und rede Du darein!
’s ist leider Krieg – und ich begehre,
Nicht schuld daran zu sein!

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten und mir fluchten
In ihrer Todesnot?

Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?

Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich' herab?

Was hülf mir Kron' und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
’s ist leider Krieg – und ich begehre,
Nicht schuld daran zu sein!

[Schlussstrophe des Erstdrucks:]
Doch Friede schaffen, Fried' im Land' und Meere:
Das wäre Freude nun!
Ihr Fürsten, ach! wenn's irgend möglich wäre!!
Was könnt Ihr Größers thun?

Samstag, 30. Januar 2016

Die Geschichte von Goliath und David

Die Geschichte von Goliath und David in Reime bracht. 
von Matthias Claudius

 1. War einst ein Riese Goliath  
Gar ein gefährlich Mann!
Er hatte Tressen auf dem Hut  
Mit einem Klunker dran,  
Und einen Rock von Drap d'argent  
Und alles so nach advenant.

2. An seinen Schnurrbart sah man nur  
Mit Gräsen und mit Graus,
Und dabei sah er von Natur  
Pur wie der – aus.  
Sein Sarras war, man glaubt es kaum.  
So groß schier als ein Weberbaum.

3. Er hatte Knochen wie ein Gaul,  
Und eine freche Stirn.
Und ein entsetzlich großes Maul,  
Und nur ein kleines Hirn;  
Gab jedem einen Rippenstoß,  
Und flunkerte und prahlte groß.

4. So kam er alle Tage her,  
Und sprach Israel Hohn.
»Wer ist der Mann?
Wer wagt's mit mir?  
Sei Vater oder Sohn,  
Er komme her der Lumpenhund,  
Ich bax 'n nieder auf den Grund.«

5. Da kam in seinem Schäferrock  
Ein Jüngling zart und fein;
Er hatte nichts als seinen Stock,  
Als Schleuder und den Stein,  
Und sprach: »Du hast viel Stolz und Wehr,  
Ich komm im Namen Gottes her.«

6. Und damit schleudert' er auf ihn,  
Und traf die Stirne gar;
Da fiel der große Esel hin  
So lang und dick er war.  
Und David haut' in guter Ruh  
Ihm nun den Kopf noch ab dazu.

7. Trau nicht auf deinen Tressenhut,  
Noch auf den Klunker dran!
Ein großes Maul es auch nicht tut:  
Das lern vom langen Mann;  
Und von dem kleinen lerne wohl:  
Wie man mit Ehren fechten soll.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Der Mond ist aufgegangen

Der Mond ist aufgegangen
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
und in der Dämmrung Hülle
so traulich und so hold
als eine stille Kammer,
wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost belachen,
weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolzen Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel.
Wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, lass dein Heil uns schauen,
auf nichts Vergänglichs trauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
lass uns einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein.

Wollst endlich sonder Grämen
aus dieser Welt uns nehmen
durch einen sanften Tod;
und wenn du uns genommen,
lass uns in’ Himmel kommen,
du unser Herr und unser Gott.

So legt euch denn, ihr Brüder,
in Gottes Namen nieder;
kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen
und lass uns ruhig schlafen.
Und unsern kranken Nachbarn auch!

Text: Matthias Claudius
Melodie: Johann Abraham Peter Schulz (sieh: ZEIT)