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Freitag, 26. Juni 2026

Nun sich der Tag geendet hat

 

Nun sich der Tag geendet hat

und keine Sonn mehr scheint,

schläft alles, was sich abgematt'
und was zuvor geweint.


Nur ich, ich gehe hin und her

und suche, was mich quält.

Ich finde nichts als ohngefähr

das, was mich gar entseelt.


Du Schönste liegst in Schlaf gebracht

und liegst in stiller Ruh.

Ich aber geh die ganze Nacht

und tu kein Auge zu.

Melodie: Adam Krieger (1656)

Text: Adam Krieger (1665)


Geistliche Kontrafaktur:

Johann Friedrich Herzog (1692), Leipzig (1693)

1) Nun sich der Tag geendet hat

und keine Sonn mehr scheint,
schläft alles, was sich abgematt'
und was zuvor geweint.

2) Nur du, mein Gott, hast keine Rast,
du schläfst noch schlummerst nicht;
die Finsternis ist dir verhasst,
weil du bist selbst das Licht.

3) Gedenke, Herr, doch auch an mich
in dieser schwarzen Nacht
und schenke du mir gnädiglich
den Schutz von deiner Wacht.

4) Zwar fühl ich wohl der Sünden Schuld,
die mich bei dir klagt an;
ach, aber deines Sohnes Huld
hat g'nug für mich getan.

5) Den setz ich dir zum Bürgen ein,
wenn ich muss vors Gericht;
ich kann ja nicht verloren sein
in solcher Zuversicht.

6) Weicht, nichtige Gedanken, hin,
wo ihr habt euren Lauf,
ich baue jetzt in meinem Sinn
Gott einen Tempel auf.

7) Drauf tu ich meine Augen zu
und schlafe fröhlich ein,
mein Gott wacht jetzt in meiner Ruh;
wer wollt doch traurig sein?

8) Soll diese Nacht die letzte sein
in diesem Jammertal,
so führ mich, Herr, in' Himmel ein
zur Auserwählten Zahl.

9) Und also leb und sterb ich dir,
du Herre Zebaoth;
im Tod und Leben hilfst du mir
aus aller Angst und Not.

Mittwoch, 3. Juli 2024

Mir ist ein feins, brauns Maidelein

 Mir ist ein feins, brauns Maidelein

gefallen in mein Sinn.
Wollt Gott, ich sollt heut bei ihr sein,
mein Trauern wär dahin.
Kein Tag und Nacht hab ich keine Ruh:
Das macht ihr schön Gestalt.
Ich weiß nicht, was ich fürder tu,
mein Feinslieb macht mich alt.


Dem Maidlein ich gern dienen wollt,
wenn ich es fügen könnt.
Darum hab ich der Neider viel,
weil mir's nit wird vergönnt.
Ich hoff, sie soll's erfahren bald
wie ich's so treulich mein.
Auf Erd ich mir nichts wünschen wollt,
als bei ihr sein allein.


Damit will ich dem Maidelein gesungen haben frei
zur guten Nacht ein Liedelein,
alls gut wünsch ich dabei.
Damit, dass sie gedenk an mich,
wenn ich nit bei ihr bin.
Behüt dich Gott im Himmelreich,
ade, ich fahr dahin.

Originaltext und Quelle: 

https://de.wikisource.org/wiki/Feins,_Brauns_Maidelein

Noten des Chorsatzes: 

https://www.stretta-music.de/author-caspar-othmayr

Gesang:

Chor: Rundfunk-Jugendchor Wernigerode

Swingle II

LiederTach 

Sologesang: Peter Schreier

mit traditionellen Instrumenten Joculatores Upsalienses

Ohrenfreut

Sonntag, 26. Mai 2024

Rose Marie, Rose Marie (Hermann Löns)

 Rose Marie, Rose Marie

Sieben Jahre mein Herz nach dir schrie
Rose Marie, Rose Marie
Aber du hörtest es nie

Jedwede Nacht, jedwede Nacht
Hat mir im Traume dein Bild zugelacht
Kam dann der Tag, kam dann der Tag
Wieder alleine ich lag

Jetzt bin ich alt, jetzt bin ich alt
Aber mein Herz ist noch immer nicht kalt
Schläft wohl schon bald, schläft wohl schon bald
Doch bis zuletzt es noch hallt

Rose Marie, Rose Marie
Sieben Jahre mein Herz nach dir schrie
Rose Marie, Rose Marie
Aber du hörtest es nie

VolksliederarchivVolksliederarchiv

Text: Hermann Löns
Musik: Hermann Engel (in Das Löns-Liederbuch, 1920) — Fritz Jöde (1917) —  Alfons Renard

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Ach wie ist's möglich dann

Ach wie ist's möglich dann,                       
daß ich dich lassen kann!                        
Hab dich von Herzen lieb,
das glaube mir.
Du hast die Seele mein
so ganz genommen ein,
daß ich kein Andre lieb,
als dich allein.
                                                                    
Blau ist ein Blümelein,                              
das heißt Vergißnichtmein;
dies Blümlein leg ans Herz
und denk an mich!
Stirbt Blüt und Hoffnung gleich,
wir sind an Liebe reich,
denn die stirbt nie bei mir,
das glaube mir!

Wär ich ein Vögelein,
wollt ich bald bei dir sein,                        
scheut Falk und Habicht nicht,
flög schnell zu dir;
schöß mich ein Jäger tot,
fiel ich in deinen Schoß;
sähst du mich traurig an,
gern stürb ich dann.

:
Obschon das Glück nicht wollt´
daß ich dein werden sollt
so lieb ich dennoch dich
glaubs sicherlich
Es soll kein Andrer sein
der mich soll nehmen ein
als du o schönstes Kind
dir ich treu bin

Stoß mir das Herz entzwei
wann eine falsche Treu 
oder nur falsche Lieb
spürest an mir
Dir will ich jederzeit
zu Diensten sein bereit
bis das ich kommen werd
unter die Erd´
Nach meinem Tod alsdann
damit man sagen kann
nimmst auf meiner Totenbahr
die Grabschrift wahr
 Hier liegt begraben ein´
die dich geliebt so fein
die dich geliebet hat
bis an das Grab


Noten
Chorgesang

Wenn jemand weitere Strophen kennt, wäre ich dankbar, wenn er sie im Kommentar vorstellt, möglichst mit Link.

Montag, 26. November 2012

Über den Berg ist mein Liebster gezogen


nach dem finnischen Volkslied:  Tuol on mun kultani

Über den Berg ist mein Liebster gezogen
Weit übers Meer ist mein Falke geflogen
Wenn er gedächte der heimlichen Nächte
Dann kehrte er zurück, dann kehrte er zurück

Hinter dem Berge im goldenen Schlosse
tränkt er dem König die stampfenden Rosse*
Wenn er gedächte der heimlichen Nächte
Dann kehrte er zurück, dann kehrte er zurück

Schön wie der Morgen auf waldigen Auen,
strahlt er hervor aus den Rittern und Frauen.
Wenn er gedächte der heimlichen Nächte,
dann kehrte er zurück, dann kehrte er zurück.

Herrlichste Jungfrau, was lacht ihr dem Schönen?
Nie wird sein Herz sich an eures gewöhnen.
Wenn er gedächte der heimlichen Nächte
Dann kehrte er zurück, dann kehrte er zurück.

Ach, ich vergehe vor Kummer und Schmerzen
Möchte mit tausend Armen ihn herzen
Doch er gedenkt nicht der heimlichen Nächte
Und kehrt auch nicht zurück, und kehrt auch nicht zurück.

* andere Version:
Kämmt er des Königs edle Rosse

Gesang (Einzelstimme)

Rundfunk-Judendchor Wernigerode

Bettina Wegner

Finnische Version von Nordens Tone
Finnische Version mit Brita Koivunen

mit der Strophe:
Lang schön erzählen die Leute das Märchen,
er hätte ein Liebchen, sie wären ein Pärchen.
Wenn er gedächte der heimlichen Nächte
Dann kehrte er zurück, dann kehrte er zurück.

Ich kann kein Finnisch und kann nicht entscheiden, welche Version die richtige ist.
Wer will, kann die finnische Version heranziehen.
Stilistisch gefällt mir die Nachdichtung von Gisela Tietge am besten.

Montag, 10. September 2012

Guter Mond, du gehst so stille


Guter Mond, du gehst so stille durch die Abendwolken hin;
deines Schöpfers weiser Wille hieß auf jener Bahn dich ziehn.
Leuchte freundlich jedem Müden in das stille Kämmerlein,
und dein Schimmer gieße Frieden ins bedrängte Herz hinein.

Guter Mond, du wandelst leise an dem blauen Himmelszelt,
wo dich Gott zu seinem Preise hat als Leuchte hingestellt.
Blicke traulich zu uns nieder durch die Nacht aufs Erdenrund.
Als ein treuer Menschenhüter tust du Gottes Liebe kund.

Guter Mond, so sanft und milde glänzest du im Sternenmeer,
wallest in dem Lichtgefilde hehr und feierlich einher.
Menschentröster, Gottesbote, der auf Friedenswolken thront,
zu der schönsten Morgenröte führst du uns, o guter Mond!

Der Text von Karl Enslin (1819-1875)  ist eine 1851 entstandene Kontrafaktur eines Volkslieds aus dem 18. Jahrhundert*
übliche Melodie: vermutlich Anton Neyer (Anfang des 19. Jahrhunderts)
Bearbeitung für Bariton und Klavier: Engelbert Humperdinck

Fassung der Comedian Harmonists
Einzelgesang 

*Liebeslied (um 1780, 1805 erste Veröffentlichung)
(gesungen vom Motettenchor Speyer)
Guter Mond, du gehst so stille
in den Abendwolken hin
bist so ruhig, und ich fühle
daß ich ohne Ruhe bin
Traurig folgen meine Blicke
deiner stillen, heitern Bahn
O wie hart ist mein Geschicke
daß ich dir nicht folgen kann

Guter Mond, dir darf ich´s klagen
was mein banges Herze kränkt
und an wen mit bittern Klagen
die betrübte Seele denkt
Guter Mond, du sollst es wissen
weil du so verschwiegen bist
warum meine Tränen fließen
und mein Herz so traurig ist

Dort in jenem kleinen Tale
wo die dunklen Bäume stehn
nah bei jenem Wasserfalle
wirst du eine Hütte sehn
Geh durch Wälder, Bach und Wiesen
Blicke sanft durch´s Fenster hin
so erblickest du Elisen
aller Mädchen Königin

Nicht in Gold und nicht in Seide
wirst du dieses Mädchen sehn
nur im schlichten netten Kleide
pflegt mein Mädchen stets zu gehn
Nicht vom Adel, nicht vom Stande
was man sonst so hoch verehrt
nicht von einem Ordensbande
hat mein Mädchen seinen Wert

Nur ihr reizend gutes Herze
macht sie liebenswert bei mir
gut im Ernste, froh im Scherze
jeder Zug ist gut an ihr
Ausdrucksvoll sind die Gebährden
froh und heiter ist ihr Blick
kurz, von ihr geliebt zu werden
scheinet mir das größte Glück

Mond, du Freund der reinen Triebe
schleich dich in ihr Kämmerlein
sage ihr, daß ich sie liebe
daß sie einzig und allein
mein Vergnügen, meine Freude
meine Lust, mein alles ist
daß ich gerne mit ihr leide
wenn ihr Aug´ in Tränen fließt

Daß ich aber schon gebunden
und nur leider zu geschwind
meine süßen Freiheitsstunden
schon für mich verschwunden sind
und daß ich nicht ohne Sünde
lieben könne in der Welt
Lauf und sag´s dem guten Kinde
ob ihr dieses Lieb gefällt.


Mischfassung (Enslin mit Versen aus dem Volkslied)
Guter Mond, du gehst so stille
Durch die Abendwolken hin.
Deines Schöpfers weiser Wille
Hieß auf jene Bahn dich zieh'n.

Leuchte freundlich jedem Müden
In das stille Kämmerlein
Und dein Schimmer gieße Frieden
Ins bedrängte Herz hinein!

Guter Mond, o gieße Frieden
In das arme Menschenherz.
Wende von dem Schmerz hienieden
Uns're Seele himmelwärts.

Mild und freundlich schaust du nieder
Von des Himmels blauem Zelt,
Und es tönen unsre Lieder
Hell hinauf zum Herrn der Welt.

Guter Mond du wandelst leise
An dem blauen Himmelszelt,
Wo dich Gott zu seinem Preise
Hat als Leuchte hingestellt

Blicke traulich zu uns nieder
Durch die Nacht aufs Erdenrund.
Als ein treuer Menschenhüter
Tust du Gottes Liebe kund.

Guter Mond, du gehst so stille
In den Abendwolken hin,
Bist so ruhig, und ich fühle,
Daß ich ohne Ruhe bin.

Traurig folgen meine Blicke
Deiner stillen, heitern Bahn.
O wie hart ist mein Geschicke,
Daß ich dir nicht folgen kann.

Guter Mond, dir will ich's sagen,
Was mein banges Herze kränkt,
Und an wen mit bittren Klagen
Die betrübte Seele denkt!

Guter Mond, du kannst es wissen,
Weil du so verschwiegen bist,
Warum meine Tränen fließen
Und mein Herz so traurig ist.

Ach, daß auch in uns're Herzen
Himmelsruhe zöge ein,
Daß wir immer frei von Schmerzen,
Stets zufrieden möchten sein!

Sanft umströmet uns dein Schimmer,
Klarer milder Mondenschein
Menschenherz, o daß du immer
Wärst wie dieses Licht so rein!

Vermutlich, weil es die Melodie so eingängig ist und das Lied daher als Leierkastenlied so beliebt war, wohl auch, weil die Anfangszeile für die verschiedensten Fortsetzungen offen ist, gibt es von diesem Lied ungezählte Parodien.
Ein Beispiel:
Guter Mond, du gehst so stille
Über Deutschlands Fluren hin!
Vetter Michel rückt die Spille,
Greift sein Weibchen unter's Kinn;
Nimmt das Amtsblatt, streckt die Glieder
Und spricht gähnend: 's ist schon Zehn!
Morgen kochst du Klöße wieder;
Laß' uns jetzt zu Bette gehn.
 
Guter Mond, du gehst so stille
Über Deutschlands Fluren hin!
Doctor Bos legt ab die Brille,
Denkt des Tages Hochgewinn;
Einer Ode von Horazen
Gab er neuen Commentar;
Froh bringt er, nach den Strapatzen,
Morpheus nun sein Opfer dar.
 
Guter Mond, du gehst so stille
Über Deutschlands Fluren hin!
Vor der alten Hauspostille
Sitzt die fromme Kupplerin;
Von Theater-Liebsgeschichtchen
Kehret heim der Intendant;
Drüben ist das Dreierlichtchen
Beim Studenten abgebrannt.
 
Guter Mond, du gehst so stille
Über Deutschlands Fluren hin!
Des Ministers letzter Wille
Zeugt von höchst loyalem Sinn:
Hundert Schriften sind verboten,
Sagt das neue Abendblatt;
Auch find't künftighin bei Todten
Nur censirtes Reden [s]tatt.
 
 Guter Mond, du gehst so stille
Über Deutschlands Fluren hin!
Seine Durchlaucht liest Pasquille
Auf Höchst Ihre Buhlerin;
Dafür macht er null und nichtig,
Was die Stände woll'n und thun;
Denkt noch der Parade flüchtig,
Und geruhet dann zu ruhn.
 
Guter Mond, du gehst sehr stille
Übers stille Deutschland hin!
Zirpen hört man schon die Grille;
Stumm ist jeder Lebenssinn.
Selbst die Orgeltöne rasten,
Weil ihr Herr nicht drehen will,
Und der deutsche Leierkasten
Steht auf ein'ge Stunden still.
(Adolf Glaßbrenner)

Das Liederlexikon führt eine Reihe weiterer Parodien auf. Ich bin aber überzeugt, dass noch eine Vielzahl weniger bekannter Parodien umgehen, die ich gern hier sammeln möchte.
Eine primitive Version, die mir seit meiner Kindheit bekannt ist, lautet:

Guter Mond, du gehst so stille durch die Abendwolken hin.
Sag, hast du nicht eine Pastille in deinem Mondsgesicht drin.

Eine ausführlichere lautet so:


Guter Mond, du gehst in Schlumpen
durch die Abendwolken hin.
Würd dir gerne ein Paar Schuhe pumpen,
wenn ich selber welche hinn.
Aber leider hab ich keine
brauche selber erst noch neue.
Guter Mond so geh in Schlumpen
durch die Abendwolken hin.


Bitte teilt andere euch bekannte Versionen in den Kommentaren mit.

Mehr zu diesem Lied im Liederlexikon und im Wikipediaartikel

Das Lied in der Literatur:
Heinrich Oppermann: Hundert Jahre, Zum ewigen Frieden
"Wenn es zu dunkeln begann und ehe die Lampe angesteckt werden durfte – was nach einer gewissen Hausordnung geschah – pflegte Therese die Harfe aus dem Fremdenzimmer zu holen, um ihr Accorde zu entlocken. Nach unzähligen Versuchen war das geglückt und es ihr sogar gelungen, das einzige weltliche Lied, was die Schwestern singen konnten: »Guter Mond, du gehst so stille«, zu begleiten. Obwol der Stiefvater die Gemächer der Schwestern noch nie betreten hatte, wurden solche musikalische Versuche doch nie angestellt, als wenn sie wußten, daß derselbe ausgeritten oder ausgefahren war. Dieser »Vater«, so mußten sie auf Geheiß der Mutter sagen, war eigentlich das einzige, was das ruhig-harmonische Leben der jungen Mädchen störte, das Wort Vater war ihnen verhaßt, sie hatten nur mit Mühe sich daran gewöhnen müssen."