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Sonntag, 27. Juli 2014

Klinge lieblich und sacht

Klinge lieblich und sacht,
 klinge leis durch die Nacht!
 Klinge, mein Saitenspiel,
 kling für mein Herzgespiel,
 ob es schläft, ob's wacht.

Klinge lieblich und sacht,
 klinge leis durch die Nacht!
 Wacht es, so sing es fein
 sanft in den Schlaf hinein,
 leis in der Nacht.

Klinge lieblich und sacht,
 klinge leis durch die Nacht!
 Schläft es, so töne fein
 zart in den Traum hinein,
 leis in der Nacht.

(Volkslied aus Baden)

Noten

Samstag, 6. Oktober 2012

Es freit ein wilder Wassermann


Es freit ein wilder Wassermann
in der Burg wohl über dem See.
Des Königs Tochter wollt er han,
Die schöne junge Lilofee.

Sie hörte drunten Glocken gehn
Im tiefen, tiefen See,
Wollt' Vater und Mutter wiedersehn,
Die schöne, junge Lilofee.

Und als sie vor dem Tore stand
Auf der Burg wohl über dem See,
Da neigt sich Laub und grünes Gras
Vor der schönen, jungen Lilofee.

Und als sie aus der Kirche kam
Vor der Burg wohl über dem See,
Da stand der wilde Wassermann
Vor der schönen, jungen Lilofee.

"Sprich, willst du hinuntergehn mit mir
Von der Burg wohl über dem See?
Deine Kindlein unten weinen nach dir,
Du schöne, junge Lilofee."

"Und eh ich die Kindlein weinen laß
Im tiefen, tiefen See,
Scheid ich von Laub und grünem Gras,
Ich arme, junge Lilofee."


zur Guitarre gesungen

Noten

Nach anderen Versionen sind hinter der ersten Strophe drei weitere einzufügen:


Er ließ eine Brücke mit Gold beschlag'n
von der Burg bis über die See.
Darauf sollt' sie spazieren gahn,
die schöne Lilofee.

Sie ging darüber wohl manchen Gang
von der Burg wohl über die See,
bis daß sie unter das Wasser sank,
die schöne Lilofee.

Darunter war sie sieben Jahr
von der Burg bis über die See,
bis daß sie ihm sieben Söhne gebar,
die schöne Lilofee.

Die hieraus sich ergebenden Interpretationen gehen wohl alle in die Richtung, dass die Frau gekauft wird und dann in das Reich des Mannes verschleppt wird, eine feministische Interpretation der patriarchalischen Ehe.

Ganz konkret kann man von da ausgehend versuchen, für den Wassermann Ackermann einzusetzen und für die Lilofee Angela Merkel. Ihre Rückkehr auf die Burg wäre dann die Rückkehr zur sozialen Marktwirtschaft mit der entsprechenden Regulierung der Banken. Die weinenden Kinder wären die Euroländer, ihre Rückkehr in den See wäre dann der Abschied von der Demokratie und ihre Anpassung an den Markt. 

Von der männlichen Seite aus gesehen erscheint der "wilde" Wassermann als die feministische Verzerrung des Mannes zum brutalen Macho. Jede Weise, sich auf den Mann einzulassen, wird danach zum Verzicht auf die Menschlichkeit der Frau durch Unterwerfung unter die männliche Gewaltherrschaft aus Mitgefühl für die Kinder, die ihm sonst völlig schutzlos ausgeliefert wären.
Die Kinder als Mittel der Fesselung, als Bleikugel am Bein der in den Kerker der Ehe eingeschlossenen Frau.

Oder gehe ich mit meinen Interpretationen zu weit?

Hier Gesang und Text von Faun: 
Gesang und Text sind eine freie Verarbeitung beider Versionen.

Montag, 10. September 2012

Guter Mond, du gehst so stille


Guter Mond, du gehst so stille durch die Abendwolken hin;
deines Schöpfers weiser Wille hieß auf jener Bahn dich ziehn.
Leuchte freundlich jedem Müden in das stille Kämmerlein,
und dein Schimmer gieße Frieden ins bedrängte Herz hinein.

Guter Mond, du wandelst leise an dem blauen Himmelszelt,
wo dich Gott zu seinem Preise hat als Leuchte hingestellt.
Blicke traulich zu uns nieder durch die Nacht aufs Erdenrund.
Als ein treuer Menschenhüter tust du Gottes Liebe kund.

Guter Mond, so sanft und milde glänzest du im Sternenmeer,
wallest in dem Lichtgefilde hehr und feierlich einher.
Menschentröster, Gottesbote, der auf Friedenswolken thront,
zu der schönsten Morgenröte führst du uns, o guter Mond!

Der Text von Karl Enslin (1819-1875)  ist eine 1851 entstandene Kontrafaktur eines Volkslieds aus dem 18. Jahrhundert*
übliche Melodie: vermutlich Anton Neyer (Anfang des 19. Jahrhunderts)
Bearbeitung für Bariton und Klavier: Engelbert Humperdinck

Fassung der Comedian Harmonists
Einzelgesang 

*Liebeslied (um 1780, 1805 erste Veröffentlichung)
(gesungen vom Motettenchor Speyer)
Guter Mond, du gehst so stille
in den Abendwolken hin
bist so ruhig, und ich fühle
daß ich ohne Ruhe bin
Traurig folgen meine Blicke
deiner stillen, heitern Bahn
O wie hart ist mein Geschicke
daß ich dir nicht folgen kann

Guter Mond, dir darf ich´s klagen
was mein banges Herze kränkt
und an wen mit bittern Klagen
die betrübte Seele denkt
Guter Mond, du sollst es wissen
weil du so verschwiegen bist
warum meine Tränen fließen
und mein Herz so traurig ist

Dort in jenem kleinen Tale
wo die dunklen Bäume stehn
nah bei jenem Wasserfalle
wirst du eine Hütte sehn
Geh durch Wälder, Bach und Wiesen
Blicke sanft durch´s Fenster hin
so erblickest du Elisen
aller Mädchen Königin

Nicht in Gold und nicht in Seide
wirst du dieses Mädchen sehn
nur im schlichten netten Kleide
pflegt mein Mädchen stets zu gehn
Nicht vom Adel, nicht vom Stande
was man sonst so hoch verehrt
nicht von einem Ordensbande
hat mein Mädchen seinen Wert

Nur ihr reizend gutes Herze
macht sie liebenswert bei mir
gut im Ernste, froh im Scherze
jeder Zug ist gut an ihr
Ausdrucksvoll sind die Gebährden
froh und heiter ist ihr Blick
kurz, von ihr geliebt zu werden
scheinet mir das größte Glück

Mond, du Freund der reinen Triebe
schleich dich in ihr Kämmerlein
sage ihr, daß ich sie liebe
daß sie einzig und allein
mein Vergnügen, meine Freude
meine Lust, mein alles ist
daß ich gerne mit ihr leide
wenn ihr Aug´ in Tränen fließt

Daß ich aber schon gebunden
und nur leider zu geschwind
meine süßen Freiheitsstunden
schon für mich verschwunden sind
und daß ich nicht ohne Sünde
lieben könne in der Welt
Lauf und sag´s dem guten Kinde
ob ihr dieses Lieb gefällt.


Mischfassung (Enslin mit Versen aus dem Volkslied)
Guter Mond, du gehst so stille
Durch die Abendwolken hin.
Deines Schöpfers weiser Wille
Hieß auf jene Bahn dich zieh'n.

Leuchte freundlich jedem Müden
In das stille Kämmerlein
Und dein Schimmer gieße Frieden
Ins bedrängte Herz hinein!

Guter Mond, o gieße Frieden
In das arme Menschenherz.
Wende von dem Schmerz hienieden
Uns're Seele himmelwärts.

Mild und freundlich schaust du nieder
Von des Himmels blauem Zelt,
Und es tönen unsre Lieder
Hell hinauf zum Herrn der Welt.

Guter Mond du wandelst leise
An dem blauen Himmelszelt,
Wo dich Gott zu seinem Preise
Hat als Leuchte hingestellt

Blicke traulich zu uns nieder
Durch die Nacht aufs Erdenrund.
Als ein treuer Menschenhüter
Tust du Gottes Liebe kund.

Guter Mond, du gehst so stille
In den Abendwolken hin,
Bist so ruhig, und ich fühle,
Daß ich ohne Ruhe bin.

Traurig folgen meine Blicke
Deiner stillen, heitern Bahn.
O wie hart ist mein Geschicke,
Daß ich dir nicht folgen kann.

Guter Mond, dir will ich's sagen,
Was mein banges Herze kränkt,
Und an wen mit bittren Klagen
Die betrübte Seele denkt!

Guter Mond, du kannst es wissen,
Weil du so verschwiegen bist,
Warum meine Tränen fließen
Und mein Herz so traurig ist.

Ach, daß auch in uns're Herzen
Himmelsruhe zöge ein,
Daß wir immer frei von Schmerzen,
Stets zufrieden möchten sein!

Sanft umströmet uns dein Schimmer,
Klarer milder Mondenschein
Menschenherz, o daß du immer
Wärst wie dieses Licht so rein!

Vermutlich, weil es die Melodie so eingängig ist und das Lied daher als Leierkastenlied so beliebt war, wohl auch, weil die Anfangszeile für die verschiedensten Fortsetzungen offen ist, gibt es von diesem Lied ungezählte Parodien.
Ein Beispiel:
Guter Mond, du gehst so stille
Über Deutschlands Fluren hin!
Vetter Michel rückt die Spille,
Greift sein Weibchen unter's Kinn;
Nimmt das Amtsblatt, streckt die Glieder
Und spricht gähnend: 's ist schon Zehn!
Morgen kochst du Klöße wieder;
Laß' uns jetzt zu Bette gehn.
 
Guter Mond, du gehst so stille
Über Deutschlands Fluren hin!
Doctor Bos legt ab die Brille,
Denkt des Tages Hochgewinn;
Einer Ode von Horazen
Gab er neuen Commentar;
Froh bringt er, nach den Strapatzen,
Morpheus nun sein Opfer dar.
 
Guter Mond, du gehst so stille
Über Deutschlands Fluren hin!
Vor der alten Hauspostille
Sitzt die fromme Kupplerin;
Von Theater-Liebsgeschichtchen
Kehret heim der Intendant;
Drüben ist das Dreierlichtchen
Beim Studenten abgebrannt.
 
Guter Mond, du gehst so stille
Über Deutschlands Fluren hin!
Des Ministers letzter Wille
Zeugt von höchst loyalem Sinn:
Hundert Schriften sind verboten,
Sagt das neue Abendblatt;
Auch find't künftighin bei Todten
Nur censirtes Reden [s]tatt.
 
 Guter Mond, du gehst so stille
Über Deutschlands Fluren hin!
Seine Durchlaucht liest Pasquille
Auf Höchst Ihre Buhlerin;
Dafür macht er null und nichtig,
Was die Stände woll'n und thun;
Denkt noch der Parade flüchtig,
Und geruhet dann zu ruhn.
 
Guter Mond, du gehst sehr stille
Übers stille Deutschland hin!
Zirpen hört man schon die Grille;
Stumm ist jeder Lebenssinn.
Selbst die Orgeltöne rasten,
Weil ihr Herr nicht drehen will,
Und der deutsche Leierkasten
Steht auf ein'ge Stunden still.
(Adolf Glaßbrenner)

Das Liederlexikon führt eine Reihe weiterer Parodien auf. Ich bin aber überzeugt, dass noch eine Vielzahl weniger bekannter Parodien umgehen, die ich gern hier sammeln möchte.
Eine primitive Version, die mir seit meiner Kindheit bekannt ist, lautet:

Guter Mond, du gehst so stille durch die Abendwolken hin.
Sag, hast du nicht eine Pastille in deinem Mondsgesicht drin.

Eine ausführlichere lautet so:


Guter Mond, du gehst in Schlumpen
durch die Abendwolken hin.
Würd dir gerne ein Paar Schuhe pumpen,
wenn ich selber welche hinn.
Aber leider hab ich keine
brauche selber erst noch neue.
Guter Mond so geh in Schlumpen
durch die Abendwolken hin.


Bitte teilt andere euch bekannte Versionen in den Kommentaren mit.

Mehr zu diesem Lied im Liederlexikon und im Wikipediaartikel

Das Lied in der Literatur:
Heinrich Oppermann: Hundert Jahre, Zum ewigen Frieden
"Wenn es zu dunkeln begann und ehe die Lampe angesteckt werden durfte – was nach einer gewissen Hausordnung geschah – pflegte Therese die Harfe aus dem Fremdenzimmer zu holen, um ihr Accorde zu entlocken. Nach unzähligen Versuchen war das geglückt und es ihr sogar gelungen, das einzige weltliche Lied, was die Schwestern singen konnten: »Guter Mond, du gehst so stille«, zu begleiten. Obwol der Stiefvater die Gemächer der Schwestern noch nie betreten hatte, wurden solche musikalische Versuche doch nie angestellt, als wenn sie wußten, daß derselbe ausgeritten oder ausgefahren war. Dieser »Vater«, so mußten sie auf Geheiß der Mutter sagen, war eigentlich das einzige, was das ruhig-harmonische Leben der jungen Mädchen störte, das Wort Vater war ihnen verhaßt, sie hatten nur mit Mühe sich daran gewöhnen müssen."

Freitag, 25. September 2009

Es regnet, es regnet ...

Es regnet, es regnet, die Erde wird nass,
bunt werden die Blumen und grün wird das Gras.
Mairegen bringt Segen, und werden wir nass,
so wachsen wir lustig wie Blumen und Gras.

Dies Kinderlied hat in der hier zitierten (mir mündlich überlieferten) Form bis auf die hier schräg gedruckte Passage dieselbe Melodie wie "Ihr Kinderlein kommet". Es ist ein wahres Volkslied, insofern es in sehr vielen verschiedenen Fassungen existiert, der einzelne Sänger aber als Kind nur "seine" Version gekannt hat, mag sie auch aus verschiedenen zusammengesetzt gewesen sein.

Eine andere Version meiner mündlichen Überlieferung - mit anderer Melodie - lautet:
Es regnet, es regnet, es regnet seinen Lauf.
Lass regnen, was es regnen will,
lass allem seinen Lauf.
Und wenn's genug geregnet hat,
dann hört' auch wieder auf.

Eine Variation der ersten Version wurde im katholischen Kindergarten gesungen:

Es regnet, Gott segnet, die Erde wird nass.
Wir sitzen im Trocknen, was schadet uns das?

Weitere Versionen jeweils mit Fundstelle:

Es regnet, es regnet, die Erde wird nass!
Und wenn's genug geregnet hat,
dann wächst auch wieder Gras!

Es regent, es regnet, es regnet seinen Lauf!
Und wenn's genug geregnet hat,
dann hört's auch wieder auf!

Es regnet, es regnet, was kümmert uns das!
Wir sitzen im Trockenen,
und werden nicht nass!
(http://www.kiwelt.de/detailcontent.php?id=92)

Es regnet, es regnet
der Kuckuck wird naß
Wir sitzen im Trockenen
was schadet uns das?
(http://www.volksliederarchiv.de/text1363.html)

a) Es regnet, es regnet,
es regnet seinen Lauf,
und wenn es genug geregnet hat,
dann hört es wieder auf.

Es regnet, es regnet,
es regnet Tag und Nacht,
und wenn's genug geregnet hat,
die Sonne wieder lacht.


b) Es regnet, es regnet, die Erde wird nass.
Mach mich nicht nass, mach mich nicht nass,
mach nur die bösen Buben nass, mach mich nicht nass!

c) Es regnet, es regnet die Erde wird nass,
mach mich nicht nass, mach mich nicht nass,
mach nur den ..........nass

(Versionen a - c: http://www.netmoms.de/fragendetail/3523795)

Es regnet, es regnet
die Erde wird nass.
Mach mich nicht nass, mach mich nicht nass,
mach nur die bösen Kinder nass!
(http://www.golyr.de/kinderlieder/songtext-es-regnet-es-regnet-575960.html)

Es regnet, es regnet, es regnet seinen Lauf.
Und wenns genug geregnet hat, dann hört es wieder auf.
(http://buen-camino.blog.de/2009/09/04/regnet-regnet-6888308/)

d) Es regnet, es regnet, die Erde wird nass.
Das freu'n sich die Kinder, da wächst auch das Gras.

Es regnet, es regnet, es regnet seinen Lauf.
Und wenn's genug geregnet hat, dann hört es wieder auf.

Es regnet, es regnet, der Kuckuck wird nass.
Wir sitzen im Trocknen, was schadet uns das?


e) es regnet, es regnet,
die erde wird nass,
dann kommen die soldaten
und schießen mit Tomaten
Tomaten sind zu teuer,
dann schießen sie mit Feuer
Feuer ist zu heiß,
dann schießen sie mit eis,
eis ist zu kalt,
dann gehn sie in den Wald,
der Wald ist zu eng,
dann macht die Hose pääääng!!!

(Version d und e: http://www.netmoms.de/fragendetail/3513429)

Es regnet, wenn es regnen will und regnet seinen Lauf,
und wenn's genug geregnet hat, so hört es wieder auf.

(Das große Liederbuch von Anne Diekmann mit Bildern von Tomi Ungerer, Diogenes Verlag 1975, S.147 - Der Kanon von Carl Friedrich Zelter (1758-1832), der für diesen Text geschrieben ist, weist diese Version als eine aus der Goethezeit aus.)

Dass eine so alte Form ohne den Hinweis auf nasse Erde existiert, lässt mich vermuten, dass es zwei getrennte Überlieferungsstränge gibt, deren einer durch "die Erde wird nass" und dessen anderer durch "regnet seinen Lauf" gekennzeichnet ist. Die dritte hier angeführte Textvariation wäre dann eine spätere Verknüpfung zweier bis dahin getrennt existierender Lieder.
Dass Version e) die neuste ist, steht außer Frage. Der Reim kalt und Wald dürfte freilich in der Volksdichtung schon ziemlich alt sein.


Ich bin dankbar für alle Kommentare mit weiteren Versionen, besonders natürlich für Versionen deren Überlieferung schon im 19. Jahrhundert nachgewiesen werden kann.

Andere Fälle von mündlicher Überlieferung