1. Wollt im Winter ein Brieflein schreiben,
habs in Schnee geschrieben.Warmer Wind ist kommen,
Brieflein ist zerronnen,
nichts ist übrig bliebn.
2. Wollt im Sommer ein Brieflein schreiben,
habs in Sand geschriebn.
Regen ist gekommen,
Brieflein ist verschwommen,
nichts ist übrig bliebn.
3. Und so schlag ich das Brieflein schreiben
wieder aus dem Sinn.
Brauch nicht lang mich zanken,
weil ich in Gedanken
immer bei dir bin.
Wollt im Winter ein Brieflein schreiben, wollt' es keinem Menschen zeigen, hab’s dem Nordwind anvertraut, der hat’s mir vom Tisch geklaut.
Hat’s getragen über die Heide, hat’s getragen weit in die Weite, hat’s getragen bis ans Meer, dort gabs keine Briefe mehr.
Kam ein Fischlein angeschwommen, hat mein Brieflein mitgenommen, hat’s getragen tief hinab, wo es keine Briefe gab.
Kam ein Sternlein am Himmel oben, hat mein Brieflein aufgehoben, hat’s getragen hoch hinauf, schrieb den Namen Gottes drauf.
Hans Baumann ist zu Recht "umstritten", eine Formel, mit der manches abqualifiziert wird, was wie vieles ambivalent ist, aber durchaus normalen Ansprüchen genügt.
Bei ihm ist das Problem, dass er seine hohe Begabung als Komponist eingängiger Lieder im Volkston und nicht ganz so begabter Lyriker ganz in den Dienst der NSDAP gestellt hat. Ohne diese Vorgeschichte wäre sein Werk schlicht das eines produktiven begabten Jugendschriftstellers. So aber ist es schwer, die beiden Teile seines Werks gegeneinander aufzurechnen. So erfreulich ist, was er später geschrieben hat, eine Wiedergutmachung kann man es kaum nennen.
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