Samstag, 21. März 2026

Winde wehn, Schiffe gehn

 

Winde wehn, Schiffe gehn
weit in fremde Land´
Nur des Matrosen allerliebsten Schatz
bleibt weinend stehn am Strand.

Wein doch nicht, lieb Gesicht,
wisch die Tränen ab!
Und denk an mich und an die schöne Zeit,
bis ich dich wieder hab.

Silber und Gold, Kisten voll,
bring ich dann mit mir.
Ich bringe Seiden, schönes Sammetzeug,
und alles schenke ich dir.

Text und Musik: Erich Spohr und Hermann Gumbel um 1925 nach einem Volkslied der in Finnland ansässigen Schweden (Musikalischer Ursprung ist das Lied "Vinden drar, skeppet far", das in Finnlands Norden beheimatete Schweden sangen.)

Chorgesang

Donnerstag, 5. März 2026

Wollt im Winter ein Brieflein schreiben

 1. Wollt im Winter ein Brieflein schreiben,

habs in Schnee geschrieben.
Warmer Wind ist kommen,
Brieflein ist zerronnen,
nichts ist übrig bliebn.

2. Wollt im Sommer ein Brieflein schreiben,
habs in Sand geschriebn.
Regen ist gekommen,
Brieflein ist verschwommen,
nichts ist übrig bliebn.

3. Und so schlag ich das Brieflein schreiben
wieder aus dem Sinn.
Brauch nicht lang mich zanken,
weil ich in Gedanken
immer bei dir bin.


Der Schubert- Chor Rheine hat eine erste Strophe "Wollt im Frühjahr ein Brieflein schreiben" vorausgestellt. 

Dies Lied habe ich aus meiner frühen Jugend in Erinnerung. Das Volksliedhafte leicht Melancholische hat mir gefallen, andererseits das Spiel mit Vergänglichkeit und Vergeblichkeit. Im Studium haben wir Motive aus dem Lied aufgegriffen. Eine Schwester schrieb, sie habe mir im Traum geschrieben, der Brief sei aber am Morgen nicht mehr dagewesen. "Darum verschieb ich das Briefleinschreiben lieber auf den Tag. ..." Die andere griff  das Bild der Spuren im Sand auf, die bei ihr aber sehr dauerhaft waren.  Über einen Urlaub am Meer hieß es bei ihr:

Jede Welle läßt im Sand

eine Spur zurück,

leise wie im Menschenherz

jeder Tag voll Glück.

Im Alter erlebt man stärker die Flüchtigkeit. Ein Bekannter formulierte es so: Am Anfang lebt man zusammen, dann besucht man sich, dann schreibt man Briefe, dann telefoniert man miteinander, dann denkt man an sich. Heute gäbe es dazwischen noch Mails und Chats von eigener Flüchtigkeit bzw. Auffindbarkeit. 

Länger schon war mir das Ambivalente bei Baumann:  Innigkeit verbunden mit stürmerhaftem Kampfgeist der Nationalsozialismus bekannt. Aber erst heute, wo ich mit Hilfe von KI etwas Einblick in die Textgeschichte des vorliegenden Liedes bekam, erfuhr ich, dass der Volksliedton erst in einer recht späten Fassung des Gedichtes auftritt. Weit entfernt davon, eine textkritische Fassung des Gedichtes vorlegen zu wollen, deute ich hier nur an, wie groß die Bandbreite der Versionen ist. (Die verschieden Arbeitsmodi - fast und thinking - der KI Gemini ließen dabei unterschiedliche Versionen als Erstfassung des Gedichtes gelten):

https://antworteneinerki.blogspot.com/2026/03/hans-baumann-wollt-im-winter-ein.html

https://antworteneinerki.blogspot.com/2026/03/baumann-wollt-im-winter-vergleich.html

https://antworteneinerki.blogspot.com/2026/03/hans-baumann-wollt-im-winter-mehrere.html



Andere Version von Hans Baumann

Wollt im Winter ein Brieflein schreiben, wollt' es keinem Menschen zeigen, hab’s dem Nordwind anvertraut, der hat’s mir vom Tisch geklaut.

Hat’s getragen über die Heide, hat’s getragen weit in die Weite, hat’s getragen bis ans Meer, dort gabs keine Briefe mehr.

Kam ein Fischlein angeschwommen, hat mein Brieflein mitgenommen, hat’s getragen tief hinab, wo es keine Briefe gab.

Kam ein Sternlein am Himmel oben, hat mein Brieflein aufgehoben, hat’s getragen hoch hinauf, schrieb den Namen Gottes drauf.

Hans Baumann ist zu Recht "umstritten", eine Formel, mit der manches abqualifiziert wird, was wie vieles ambivalent ist, aber durchaus normalen Ansprüchen genügt. 

Bei ihm ist das Problem, dass er seine hohe Begabung als Komponist eingängiger Lieder im Volkston und nicht ganz so begabter Lyriker  ganz in den Dienst der NSDAP gestellt hat. Ohne diese Vorgeschichte wäre sein Werk schlicht das eines produktiven begabten Jugendschriftstellers. So aber ist es schwer, die beiden Teile seines Werks gegeneinander aufzurechnen. So erfreulich ist, was er später geschrieben hat, eine Wiedergutmachung kann man es kaum nennen.