Freitag, 11. Januar 2013

O du mein ...


Aus meiner Erinnerung kenne ich: "O, du mein Jeschkental ..."

Im Internet finde ich unter Liebe-Lose-Gedichte:


Ich bin ein armes Mädchern 

Ich bin ein armes Mädchen,
hab ganz zerriss'ne Schuh
und angestrickte Strümpfe -
was sagst denn du dazu?
Meine Mutter hat geschrieben,
ich soll gehorsam sein
und keine andre lieben
als Ella* nur allein.

Ella fuhr zum ersten Mal
mit der Bahn nach Wupperrtal.
Wuppertal war wunderschön,
sowas hat sie nie gesehn.

O du mein Wuppertal,
da blüht der Flieder -
und wo der Flieder blüht,
da kehr ich wieder.

O du mein Wuppertal,
da blüht der Flieder -
und wo der Flieder blüht,
da kehr ich heim....

* Name der "Erwählten"...

Eine Leserin dieses Blogs teilt mir die Version des Liedes mit, die sie kennt. 
Sie besinnt sich auch noch an Tanzfiguren und Gestik, die den Gesang begleiteten:


Ich bin 'ne schicke Dame
mit ganz zerrissnen Schuhn
und angestrickten Strümpfen,
was sagt ihr nun dazu?                                                    

Tanz: Alle stehen im Kreis und strecken abwechselnd rechtes und linkes Bein vor.

Mein Mann, der hat geschrieben,
ich soll vernünftig sein
und keinen andern lieben als (Jungenname) nur allein.                                                  

Alle erheben mahnend den Zeigefinger.

 | : Ja, ja im Jeschkental, da blüht der Flieder
 und wenn der Flieder blüht (der Frühling kommt ?),
dann kommt er wieder! : |        

Alle fassen sich an und tanzen wild im Kreis .....

Der "Witz" der Sache war, dass eine bekannte, vermutete oder unterstellte Freundschaft auf diese Weise publik gemacht wurde.

Im Kommentar von Thomas wird uns eine weitere Version geboten. Offenbar ein richtiges Volkslied.

Donnerstag, 29. November 2012

Ich hab mir mein Weizen am Berg gesät

2. 
Böhmischer Wind, ich bitt dich schön,
laß mir mein Weizen am Berge stehn,
laß mir mein Weizen am Berge stehn.

3. 
Der Apfel ist sauer, ich mag ihn nicht,
's Mädel ist falsch, ich trau ihr nicht,
's Mädel ist falsch, ich trau ihr nicht.

4. 
Wenn ich kein Geld im Beutel hab,
geh ich ins Holz, schneid Reiser ab,
geh ich ins Holz, schneid Reiser ab.

5. 
Geh ich nach Haus, mach Besen draus,
krieg ich bald wieder Geld ins Haus,
krieg ich bald wieder Geld ins Haus.

6. 
Wenn ich den Besen gebunden hab,
geh ich die Straßen wohl auf und ab:
Leute, wer kauft mir Besen ab?

Gesang


Montag, 26. November 2012

Über den Berg ist mein Liebster gezogen


nach dem finnischen Volkslied:  Tuol on mun kultani

Über den Berg ist mein Liebster gezogen
Weit übers Meer ist mein Falke geflogen
Wenn er gedächte der heimlichen Nächte
Dann kehrte er zurück, dann kehrte er zurück

Hinter dem Berge im goldenen Schlosse
tränkt er dem König die stampfenden Rosse*
Wenn er gedächte der heimlichen Nächte
Dann kehrte er zurück, dann kehrte er zurück

Schön wie der Morgen auf waldigen Auen,
strahlt er hervor aus den Rittern und Frauen.
Wenn er gedächte der heimlichen Nächte,
dann kehrte er zurück, dann kehrte er zurück.

Herrlichste Jungfrau, was lacht ihr dem Schönen?
Nie wird sein Herz sich an eures gewöhnen.
Wenn er gedächte der heimlichen Nächte
Dann kehrte er zurück, dann kehrte er zurück.

Ach, ich vergehe vor Kummer und Schmerzen
Möchte mit tausend Armen ihn herzen
Doch er gedenkt nicht der heimlichen Nächte
Und kehrt auch nicht zurück, und kehrt auch nicht zurück.

* andere Version:
Kämmt er des Königs edle Rosse

Gesang (Einzelstimme)

Rundfunk-Judendchor Wernigerode

Bettina Wegner

Finnische Version von Nordens Tone
Finnische Version mit Brita Koivunen

mit der Strophe:
Lang schön erzählen die Leute das Märchen,
er hätte ein Liebchen, sie wären ein Pärchen.
Wenn er gedächte der heimlichen Nächte
Dann kehrte er zurück, dann kehrte er zurück.

Ich kann kein Finnisch und kann nicht entscheiden, welche Version die richtige ist.
Wer will, kann die finnische Version heranziehen.
Stilistisch gefällt mir die Nachdichtung von Gisela Tietge am besten.

Donnerstag, 8. November 2012

Wanderlied (Der Mai ist gekommen)


Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,
da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus.
Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,
so steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.

Herr Vater, Frau Mutter, daß Gott euch behüt'!
Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht.
Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert,
es gibt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.

Frisch auf drum, frisch auf drum im hellen Sonnenstrahl,
wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all;
mein Herz ist wie 'ne Lerche und stimmt ein mit Schall.

Und abends im Städtchen, da kehr ich durstig ein.
Herr Wirt, mein Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein!
Ergreife die Fiedel, du lust'ger Spielmann du!
Von meinem Schatz das Liedel, das singe ich dazu.

Und find' ich keine Herberg, so lieg' ich zur Nacht
wohl unterm blauen Himmel, die Sterne halten Wacht.
Im Winde die Linde, die rauscht mich ein gemach,
es küsset in der Frühe das Morgenrot mich wach.

O Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust!
Da wehet Gottes Odem so frisch in der Brust.
Da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!

Text: Emanuel Geibel (1815-1884)
Melodie: Justus Wilhelm Lyra (1822-1882)

Donnerstag, 1. November 2012

In einem kleinen Apfel


1.
In einem kleinen Apfel,
da sieht es lustig aus:
es sind darin fünf Stübchen,
grad' wie in einem Haus.

2.
In jedem Stübchen wohnen
zwei Kernchen schwarz und fein,
die liegen drin und träumen
vom lieben Sonnenschein.

3.
Sie träumen auch noch weiter
gar einen schönen Traum,
wie sie einst werden hängen
am schönen Weihnachtsbaum.

Noten

Gesang

Samstag, 6. Oktober 2012

Walthers Kreuzfahrerlied


Nû lebe ich mir alrêrst werde,
sît mîn sündic ouge sihet
daz hêre lant und ouch die erde,
der man vil der êren gihet.
Nû ist geschehen, des ich ie bat:
ich bin komen an die stat,
dâ got mennischlîchen trat.


Schœniu lant rîch unde hêre,
swaz ich der noch hân gesehen,
sô bist dûz ir aller êre.
Waz ist wunders hie geschehen!
Daz ein maget ein kint gebar,
hêre über aller engel schar,
was daz niht ein wunder gar?


Hie liez er sich reine toufen,
daz der mensche reine sî.
Dô liez er sich hie verkoufen,
daz wir eigen wurden frî.
Anders wæren wir verlorn.
Wol dir, sper, kriuze unde dorn!
Wê dir, heiden, daz ist dir zorn!

Dô er sich wolte übr uns erbarmen,
hie leit er den grimmen tôt,
er vil rîche durch uns armen,
daz wir kœmen ûz der nôt.
Daz in dô des niht verdrôz,
dast ein wunder alze grôz,
aller wunder übergenôz.


Kristen, juden unde heiden
jehent, daz diz ir erbe sî:
got müeze ez ze rehte scheiden
durch die sîne namen drî.
Al diu werlt diu strîtet her.
Wir sîn an der rehten ger:
reht ist, daz er uns gewer.


Erläuterungen, weitere Strophen und eine Übersetzung bietet der Wikipediaartikel Palästinalied.

Eine etwas ins Landsknnechthafte verschobene Version bietet die Gruppe In Extremo.

Es freit ein wilder Wassermann


Es freit ein wilder Wassermann
in der Burg wohl über dem See.
Des Königs Tochter wollt er han,
Die schöne junge Lilofee.

Sie hörte drunten Glocken gehn
Im tiefen, tiefen See,
Wollt' Vater und Mutter wiedersehn,
Die schöne, junge Lilofee.

Und als sie vor dem Tore stand
Auf der Burg wohl über dem See,
Da neigt sich Laub und grünes Gras
Vor der schönen, jungen Lilofee.

Und als sie aus der Kirche kam
Vor der Burg wohl über dem See,
Da stand der wilde Wassermann
Vor der schönen, jungen Lilofee.

"Sprich, willst du hinuntergehn mit mir
Von der Burg wohl über dem See?
Deine Kindlein unten weinen nach dir,
Du schöne, junge Lilofee."

"Und eh ich die Kindlein weinen laß
Im tiefen, tiefen See,
Scheid ich von Laub und grünem Gras,
Ich arme, junge Lilofee."


zur Guitarre gesungen

Noten

Nach anderen Versionen sind hinter der ersten Strophe drei weitere einzufügen:


Er ließ eine Brücke mit Gold beschlag'n
von der Burg bis über die See.
Darauf sollt' sie spazieren gahn,
die schöne Lilofee.

Sie ging darüber wohl manchen Gang
von der Burg wohl über die See,
bis daß sie unter das Wasser sank,
die schöne Lilofee.

Darunter war sie sieben Jahr
von der Burg bis über die See,
bis daß sie ihm sieben Söhne gebar,
die schöne Lilofee.

Die hieraus sich ergebenden Interpretationen gehen wohl alle in die Richtung, dass die Frau gekauft wird und dann in das Reich des Mannes verschleppt wird, eine feministische Interpretation der patriarchalischen Ehe.

Ganz konkret kann man von da ausgehend versuchen, für den Wassermann Ackermann einzusetzen und für die Lilofee Angela Merkel. Ihre Rückkehr auf die Burg wäre dann die Rückkehr zur sozialen Marktwirtschaft mit der entsprechenden Regulierung der Banken. Die weinenden Kinder wären die Euroländer, ihre Rückkehr in den See wäre dann der Abschied von der Demokratie und ihre Anpassung an den Markt. 

Von der männlichen Seite aus gesehen erscheint der "wilde" Wassermann als die feministische Verzerrung des Mannes zum brutalen Macho. Jede Weise, sich auf den Mann einzulassen, wird danach zum Verzicht auf die Menschlichkeit der Frau durch Unterwerfung unter die männliche Gewaltherrschaft aus Mitgefühl für die Kinder, die ihm sonst völlig schutzlos ausgeliefert wären.
Die Kinder als Mittel der Fesselung, als Bleikugel am Bein der in den Kerker der Ehe eingeschlossenen Frau.

Oder gehe ich mit meinen Interpretationen zu weit?

Hier Gesang und Text von Faun: 
Gesang und Text sind eine freie Verarbeitung beider Versionen.