Freitag, 11. Juli 2008

Ännchen von Tharau

Ännchen von Tharau ist's, die mir gefällt,
Sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld.

Ännchen von Tharau hat wieder ihr Herz
Auf mich gerichtet in Lieb und in Schmerz.

Ännchen von Tharau, mein Reichthum, mein Gut,
Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut!

Käm alles Wetter gleich auf uns zu schlahn,
Wir sind gesinnet bei einander zu stahn.

Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein
Soll unsrer Liebe Verknotigung sein.

Recht als ein Palmenbaum über sich steigt,
Je mehr ihn Hagel und Regen anficht;

So wird die Lieb' in uns mächtig und groß
Durch Kreuz, durch Leiden, durch allerlei Noth.

Würdest du gleich einmal von mir getrennt,
Lebtest, da wo man die Sonne kaum kennt;

Ich will dir folgen durch Wälder, durch Meer,
Durch Eisen, durch Kerker, durch feindliches Heer.

Ännchen von Tharau, mein Licht, meine Sonn,
Mein Leben schließ' ich um deines herum.

Was ich gebiete, wird von dir getan,
Was ich verbiete, das lässt du mir stahn.

Was hat die Liebe doch für ein Bestand,
Wo nicht ein Herz ist, ein Mund, eine Hand?

Wo man sich peiniget, zanket und schlägt,
Und gleich den Hunden und Katzen begeht.

Ännchen von Tharau, das wolln wir nicht tun;
Du bist mein Täubchen, mein Schäfchen, mein Huhn.

Was ich begehre, begehrst du auch,
Ich lass den Rock dir, du lässt mir den Brauch.

Dies ist dem Ännchen die süßeste Ruh',
Ein Leb' und Seele wird aus Ich und Du.

Dies macht das Leben zum himmlischen Reich,
Durch Zanken wird es der Hölle gleich

Der samländische Text findet sich hier.

Mittwoch, 11. Juni 2008

Lieder, die ein Zeitgefühl widerspiegeln

Solche Lieder hat apanat in einem Eintrag zu Jugend und Musik zusammengestellt.
Eine schöne Sammlung solcher und anderer Volkslieder findet sich bei Ingeborg.

Donnerstag, 20. März 2008

Kindervers

Wie das Fähnchen auf dem Turm
wendet sich bei Wind und Sturm,
so soll sich das Händchen drehn,
ist gar lieblich anzusehn.

Donnerstag, 6. September 2007

Fischlein

Fischlein im Wasser
eil nicht so sehr!
Könnt ich doch schwimmen
Könnt ich doch schwimmen
mit dir zum Meer.

Vöglein am Himmel,
so hoch, so fern!
Flöge zum Himmel,
Flöge zum Himmel
mit dir so gern.

Wenn ich ein Mann bin,
so wandr' ich fort
von Wald zu Walde,
von Wald zu Walde,
von Ort zu Ort.

Geh' bis ans Ende
der weiten Welt
zu Mond und Sonnen,
zu Mond und Sonnen,
zum Sternenzelt.

Samstag, 1. September 2007

Abendlied


Die Sonne geht unter, der Abend beginnt.
Kommet alle heim!
Es ruhen Berge und Täler.
Schlafet alle ein!





Es schlafen die Tiere, die Pflanzen auch.
Kommet alle heim!
Seht ihr den Mond dort stehen?
Schlafet alle ein!

Nun schlafen wir alle und träumen schon.
Kommet alle heim!
Die ihr in der Ferne weilet,
schlafet alle ein!

Text und Melodie Gerhard Böhme (Erstveröffentlichung 1950)

Kinderspiellied

Die schönen Tage sind vergangen
und der Wolfgang*, der muss zum Militär.
Er muss sich vor den Hauptmann stellen,
und seine Anna*, die weint so sehr.

Un da ging er in die Stadt,
wo er seine Anna hat,
und er küsst sie auf den rosaroten Mund.

"Ach Mädel weine nicht,
dein Schatz vergisst dich nicht.
Er muss zum Militär
und kommt nicht mehr."

*Hier sind die Namen des mitspielenden Mädchens und ihres Freundes einzufügen.

Nachtrag vom 22.7.2011:
Da ich gefragt worden bin, wie alt das Lied ist, hier das, was ich bisher dazu herausfinden konnte:
Bei Youtube findet sich ein Video, dem als Unterschrift beigegeben ist: "Ignaz Bruder 1872 Die schönen Tage sind vergangen". Ignaz Bruder war ein Drehorgelbauer, der 1845 starb. Die Wikipedia schreibt über ihn: "Nur fünf der Söhne erreichen das Erwachsenenalter, aber alle erlernen das Handwerk des Musikwerkmachers. Damit begründet Ignaz Blasius Bruder eine Musikwerkmacher-Dynastie, die bis in das 20. Jahrhundert Bestand hat."
Das spricht dafür, dass die Drehorgel 1872 von einem Nachfolger Bruders gebaut worden ist und dass 1872 ein Lied "Die schönen Tage sind vergangen" bekannt war. Bewiesen ist damit nichts, aber es spricht einiges dafür, dass unser Lied aus dem 19. Jahrhundert stammt.

Hier noch eine Beschreibung dazu, wie das Lied gespielt wurde, vom Blog Mama erzähl mal:
Die schönen Tage sind vergangen”
Dazu bildeten wir zwei Reihen Mädchen, die sich unterhakten und gegenüber aufstellten. Dann lief die eine Reihe immer einige Schritte vor und wieder zurück und dazu wurde dann das Lied gesungen
Die schönen Tage sind vergangen, und der ?? der muss zum Militär. Er muss sich vor den Hauptmann stellen, und die ??, die weint so sehr. Ach ?? weine nicht, den ?? kriegst du nicht, er muss zum Mili-Militär und kommt nie mehr ”
Vorher wurde sich abgesprochen, welches Mädchen und welcher Junge in dem Lied vorkommen soll.

Ein anderes Lied, dessen erste Zeile "Die schönen Tage sind vergangen" lautet, ist:

Am Abend auf der Heide

Text: Klaus F. Richter  Musik: Eldo di Lazzaro

Die schönen Tage sind vergangen,
dein Herz ist längst schon nicht mehr mein;
doch immer denk ich voll Verlangen,
das Glück, es konnt' nicht größer sein.

Am Abend auf der Heide,
da küßten wir uns beide,
und deine Lippen sprachen von Liebe heiß,
und keiner weiß, was einer weiß, nur ich.

Am Abend auf der Heide,
da küßten wir uns beide,
seit dieser Stunde dort zu zwei'n
im Mondenschein,
bin ich nur dein und denk allein an dich!

Vielleicht werd' ich es doch erleben:
du kehrst einmal zu mir zurück,
wirst mir dein Herz für ewig geben,
wie du mir einst versprachst im Glück.

Am Abend auf der Heide ...

Überliefert auf einer alten Postkarte

1939 veröffentlichte Eldo di Lazzaro "den Schlager Reginella campagnola, der so erfolgreich wurde, dass er Grundlage des in 1941 Deutschland produzierten Heimatfilmes "Am Abend auf der Heide" des Regisseurs Jürgen von Alten wurde. In den USA wurde das Lied gleichzeitig unter dem Namen "The Woodpecker Song" (Text) bekannt und u.a. während des Krieges 1940 von Kate Smith in Begleitung der The Andrews Sisters und des Glenn Miller Orchestras gesungen und aufgenommen." (Wikipediaartikel)


In einem Brief  vom 22.Juli1942 schreibt ein Ekki auf dem Weg nach Stalingrad:
Die schönen Tage sind vergangen..... könnte ich jetzt singen, wenn ich singen könnte. Wir fahren nämlich im Morgengrauen weiter, u. zwar erstmal 400 km nach Süden.“
Der Kontext legt es nahe, dass er damit darauf anspielen will, dass jetzt der militärische Ernst beginnt. Er spielt vermutlich auf den Titelsong des damals ganz neuen Filmes Am Abend auf der Heide an. (Als ich von diesem Film noch nichts wusste, hatte ich es noch anders gesehen.)

Donnerstag, 30. August 2007

Nordisches Heimatland


/:Hurra, nun zieht unsre Schar nach der Heimat, Finnlands nordischen Gestaden wieder zu.:/
/:Nordisches Heimatland, Finnland unser Vaterland, ist doch kein Land, das mir so lieb wie du.:/

/: Die Musik spielt, wenn die Burschen marschieren bis vor die Wälder von Gordi Dubninak* :/
/:Nordisches Heimatland, Finnland unser Vaterland, ist doch kein Land, das mir so lieb wie du.:/

/: Als wir lagen im Lande des Balkan, Hunger und Kälte so mancher von uns litt. ./
/:Nordisches Heimatland, Finnland unser Vaterland, ist doch kein Land, das mir so lieb wie du.:/

Finnische Version  https://www.youtube.com/watch?v=3aW9ONJgKT8
Eine leicht abweichende Übersetzung ist hier zu finden.

Viel Burschen liegen im Sande des Balkan
drüben am fernen Donaustrand
Nordisches Heimatland….

Die Musik spielt als die Burschen marschierten
bis vor die Wälle von Gorny Dubniak
Nordisches Heimatland….

Als auf den Bergen des Balkans wir kämpften
Hunger und Kälte so mancher litt
Nordisches Heimatland….

Stirbt unser Leib unser Geist bleibt bestehen
erben soll ihn unser teures Vaterland
Nordisches Heimatland….


*In der Überlieferung unserer Familie: Godibusinak. Der Ortsname von Gorny Dubniak der Version des Volksliederarchivs ist der korrektere vgl Battle of Gorni Dubnik in der englischen Wikipedia.

sieh auch:
Ståhlberg, Sabira. (2007). ”The music played as the boys marched to the ramparts of Gorni Dubnik”. Finnish view on the Russian-Turkish war of 1877-78. 
"The campaign of the Finnish Guard is surrounded by several national myths in Finland and Bulgaria, most of them about the hardships the Finnish soldiers had to endure during the war 1877-1878 between the Russian and Ottoman Empires. This article discusses the narratives of the Finnish Guard soldiers, their sources for inspiration and the reality they tried (not) to reflect."