Freitag, 13. November 2009

Im Lande der Knechtschaft

Miriam schlägt die Pauke

Ein Lied, das deutlich macht, dass schon in früher jüdischer Zeit beim Exodus aus Ägypten die Rolle der Frau nicht so unwichtig war, wie es manchmal scheint. Ein Lied, das zum Aufbruch, zur Auferstehung aus den Fesseln das Alltags aufruft.

Und doch, bei den Worten
die Freiheit ist drohend und neu.
Es lockt die Versuchung, zurück zu fliehn
in die Sicherheit der Sklaverei

höre ich Westerwelle und die Boni-Manager den Hartz-IV-Bedrohten die Freiheit anpreisen, die darin bestünde, den Arbeitgebern die Kostensteigerungen im Gesundheitssystem abzunehmen, und die Knechtschaft geißeln, die jeder sich wünsche, der sich soziale Sicherheit wünscht.
Wer den Sozialstaat bewahren will, kämpft, wenn man der Argumentation solcher Maulhelden folgt, für den Streichelzoo.
Daran hat Claudia Mitscha-Eibl, als sie dies Lied schrieb, mit Sicherheit nicht gedacht; aber die schwarz-gelbe Koalition lässt mich solche Worte nicht mehr unvoreingenommen hören.

Freitag, 25. September 2009

Es regnet, es regnet ...

Es regnet, es regnet, die Erde wird nass,
bunt werden die Blumen und grün wird das Gras.
Mairegen bringt Segen, und werden wir nass,
so wachsen wir lustig wie Blumen und Gras.

Dies Kinderlied hat in der hier zitierten (mir mündlich überlieferten) Form bis auf die hier schräg gedruckte Passage dieselbe Melodie wie "Ihr Kinderlein kommet". Es ist ein wahres Volkslied, insofern es in sehr vielen verschiedenen Fassungen existiert, der einzelne Sänger aber als Kind nur "seine" Version gekannt hat, mag sie auch aus verschiedenen zusammengesetzt gewesen sein.

Eine andere Version meiner mündlichen Überlieferung - mit anderer Melodie - lautet:
Es regnet, es regnet, es regnet seinen Lauf.
Lass regnen, was es regnen will,
lass allem seinen Lauf.
Und wenn's genug geregnet hat,
dann hört' auch wieder auf.

Eine Variation der ersten Version wurde im katholischen Kindergarten gesungen:

Es regnet, Gott segnet, die Erde wird nass.
Wir sitzen im Trocknen, was schadet uns das?

Weitere Versionen jeweils mit Fundstelle:

Es regnet, es regnet, die Erde wird nass!
Und wenn's genug geregnet hat,
dann wächst auch wieder Gras!

Es regent, es regnet, es regnet seinen Lauf!
Und wenn's genug geregnet hat,
dann hört's auch wieder auf!

Es regnet, es regnet, was kümmert uns das!
Wir sitzen im Trockenen,
und werden nicht nass!
(http://www.kiwelt.de/detailcontent.php?id=92)

Es regnet, es regnet
der Kuckuck wird naß
Wir sitzen im Trockenen
was schadet uns das?
(http://www.volksliederarchiv.de/text1363.html)

a) Es regnet, es regnet,
es regnet seinen Lauf,
und wenn es genug geregnet hat,
dann hört es wieder auf.

Es regnet, es regnet,
es regnet Tag und Nacht,
und wenn's genug geregnet hat,
die Sonne wieder lacht.


b) Es regnet, es regnet, die Erde wird nass.
Mach mich nicht nass, mach mich nicht nass,
mach nur die bösen Buben nass, mach mich nicht nass!

c) Es regnet, es regnet die Erde wird nass,
mach mich nicht nass, mach mich nicht nass,
mach nur den ..........nass

(Versionen a - c: http://www.netmoms.de/fragendetail/3523795)

Es regnet, es regnet
die Erde wird nass.
Mach mich nicht nass, mach mich nicht nass,
mach nur die bösen Kinder nass!
(http://www.golyr.de/kinderlieder/songtext-es-regnet-es-regnet-575960.html)

Es regnet, es regnet, es regnet seinen Lauf.
Und wenns genug geregnet hat, dann hört es wieder auf.
(http://buen-camino.blog.de/2009/09/04/regnet-regnet-6888308/)

d) Es regnet, es regnet, die Erde wird nass.
Das freu'n sich die Kinder, da wächst auch das Gras.

Es regnet, es regnet, es regnet seinen Lauf.
Und wenn's genug geregnet hat, dann hört es wieder auf.

Es regnet, es regnet, der Kuckuck wird nass.
Wir sitzen im Trocknen, was schadet uns das?


e) es regnet, es regnet,
die erde wird nass,
dann kommen die soldaten
und schießen mit Tomaten
Tomaten sind zu teuer,
dann schießen sie mit Feuer
Feuer ist zu heiß,
dann schießen sie mit eis,
eis ist zu kalt,
dann gehn sie in den Wald,
der Wald ist zu eng,
dann macht die Hose pääääng!!!

(Version d und e: http://www.netmoms.de/fragendetail/3513429)

Es regnet, wenn es regnen will und regnet seinen Lauf,
und wenn's genug geregnet hat, so hört es wieder auf.

(Das große Liederbuch von Anne Diekmann mit Bildern von Tomi Ungerer, Diogenes Verlag 1975, S.147 - Der Kanon von Carl Friedrich Zelter (1758-1832), der für diesen Text geschrieben ist, weist diese Version als eine aus der Goethezeit aus.)

Dass eine so alte Form ohne den Hinweis auf nasse Erde existiert, lässt mich vermuten, dass es zwei getrennte Überlieferungsstränge gibt, deren einer durch "die Erde wird nass" und dessen anderer durch "regnet seinen Lauf" gekennzeichnet ist. Die dritte hier angeführte Textvariation wäre dann eine spätere Verknüpfung zweier bis dahin getrennt existierender Lieder.
Dass Version e) die neuste ist, steht außer Frage. Der Reim kalt und Wald dürfte freilich in der Volksdichtung schon ziemlich alt sein.


Ich bin dankbar für alle Kommentare mit weiteren Versionen, besonders natürlich für Versionen deren Überlieferung schon im 19. Jahrhundert nachgewiesen werden kann.

Andere Fälle von mündlicher Überlieferung

Montag, 22. September 2008

Alle meine Fingerlein wollen heute Tiere sein

Alle meine Fingerlein wollen heute Tiere sein

Und der Daumen ist das Schwein. Dick und rund so soll es sein

Zeigefinger ist die braune Kuh, die macht immer Muh, muh, muh

Mittelfinger ist das stolze Pferd, wird vom Reiter hochverehrt

Ringfinger ist der Ziegenbock mit dem langen Zottelrock

Und das kleine Fingerlein soll ein braves Lämmlein sein

Alle Tiere laufen im Galopp, laufen immer hopp, hopp, hopp

Laufen in den Stall hinein, denn es wird bald dunkel sein

Donnerstag, 4. September 2008

Oxforder Gemeindelied

Ob wir Oxford schon seit Jahren
kennen und im Rollstuhl fahren
müssen unsrer Kirche zu
oder ob uns in der Schule
nichts kann halten auf dem Stuhle,
das und das tut nichts dazu.

Ob wir hier nur kurz studieren
oder ob wir emigrierten
in der Zeit des Dritten Reichs,
ob wir als Soldat gekommen
oder hier ein'n Mann genommen,
das und das, das ist hier gleich.

Aber ob an andre denken,
ihnen uns're Liebe schenken
wir nun wollen immerzu,
oder ob wir sie versetzen
und zur nächsten Party hetzen,
das und das tut was dazu.

Drum ihr Glieder der Gemeinde
uns der eine Geist vereine,
was auch jeder von uns tu.
Für den Nächsten woll'n wir schaffen
und nicht im Genuß erschlaffen,
tun wir, tun wir was dazu!

(Fassung für die deutsche Kirchengemeinde Oxford um 1985)

Bürgerlied 1848

Weise: Prinz Eugenius, edler Ritter.

1.
Ob wir rote, gelbe Kragen,
Helme oder Hüte tragen,
Stiefeln tragen oder Schuh:
Oder ob wir Röcke nähen
Und zu Schuhen Drähte drehen:
Das thut, das thut nichts dazu.

2.
Ob wir können präsidiren,
Oder müssen Akten schmieren
Ohne Rast und ohne Ruh;
Ob wir just Collegia lesen,
Oder aber binden Besen:
Das thut, das thut nichts dazu.

3.
Ob wir stolz zu Rosse reiten,
Oder ob zu Fuß wir schreiten
Fürbaß unserm Ziele zu;
Ob uns vorne Kreuze schmücken
Oder Kreuze hinten drücken:
Das thut, das thut nichts dazu.

4.
Aber ob wir Neues bauen,
Oder Altes nur verdauen,
Wie das Gras verdaut die Kuh;
Ob wir für die Welt was schaffen,
Oder nur die Welt begaffen:
Das thut, das thut was dazu.

5.
Ob im Kopfe etwas Grütze
Und im Herzen Licht und Hitze,
Daß es brennt in einem Nu;
Oder ob wir hinter Mauern
Stets im Dunkel träge kauern:
Das thut, das thut was dazu.

6.
Ob wir rüstig und geschäftig,
Wo es gilt zu wirken kräftig,
Immer tapfer greifen zu;
Oder ob wir schläfrig denken:
"Gott wird's schon im Schlafe schenken!"
Das thut, das thut was dazu.

7.
Drum ihr Bürger, drum ihr Brüder,
Alle eines Bundes Glieder,
Was auch jeder von uns thu' –
Alle die dies Lied gesungen,
So die Alten wie die Jungen,
Thun wir, thun wir denn dazu!


Republikanisches Liederbuch. Hrsg. von Hermann Rollett. Leipzig: C. W. B. Naumburg 1848, S. 120–122.

Bürgerlied 1845

Bürgerlied Text: Adalbert Harnisch (1815–1889)

(Für den Elbinger Bürgerverein geschrieben.)

1.
Ob wir rothe, gelbe Kragen,
Hüte oder Helme tragen,
Stiefeln oder Schuh';
Oder, ob wir Röcke nähen,
Und zu Schuh'n die Fäden drehen –
Das thut nichts dazu.

2.
Ob wir können decretiren,
Oder müssen Bogen schmieren
Ohne Rast und Ruh;
Ob wir just Collegia lesen,
Oder ob wir binden Besen –
Das thut nichts dazu.

3.
Ob wir stolz zu Rosse reiten,
Ob zu Fuß wir fürbaß schreiten
Unsrem Ziele zu;
Ob uns vorne Kreuze schmücken,
Oder Kreuze hinten drücken –
Das thut nichts dazu.

4.
Aber, ob wir Neues bauen,
Oder's Alte nur verdauen
Wie das Gras die Kuh –
Ob wir für die Welt was schaffen,
Oder nur die Welt begaffen –
Das thut was dazu.

5.
Ob im Kopf ist etwas Grütze
Und im Herzen Licht und Hitze,
Daß es brennt im Nu;
Oder, ob wir friedlich kauern,
Und versauern und verbauern –
Das thut was dazu.

6.
Ob wir, wo es gilt, geschäftig
Großes, Edles wirken, kräftig
Immer greifen zu; |
Oder ob wir schläfrig denken:
Gott wird's schon im Schlafe schenken –
Das thut was dazu.

7.
Drum ihr Bürger, drum ihr Brüder,
Alle eines Bundes Glieder,
Was auch jeder thu' –
Alle, die dies Lied gesungen
So die Alten wie die Jungen –
Thun wir denn dazu.

Darum lob ich die Jugend

Darum lob ich die Jugend
dazu das Studium gut.
Sie hat zwar keine Tugend,
doch hat sie frischen Mut.
Der Zeit will ich genießen,
dieweil ich Honnef hab,
und wen es tut verdrießen,
der leg's Examen ab.

Umdichtung der folgenden Strophe:

Darum lob ich den Sommer
dazu den Maien gut.
Er wend't uns allen Kummer
und bringt viel Freud und Mut.
Der Zeit will ich genießen,
dieweil ich Pfennig hab,
und wen es tut verdrießen,
der fall die Stieg'n hinab.