Samstag, 30. Januar 2016

Die Geschichte von Goliath und David

Die Geschichte von Goliath und David in Reime bracht. 
von Matthias Claudius

 1. War einst ein Riese Goliath  
Gar ein gefährlich Mann!
Er hatte Tressen auf dem Hut  
Mit einem Klunker dran,  
Und einen Rock von Drap d'argent  
Und alles so nach advenant.

2. An seinen Schnurrbart sah man nur  
Mit Gräsen und mit Graus,
Und dabei sah er von Natur  
Pur wie der – aus.  
Sein Sarras war, man glaubt es kaum.  
So groß schier als ein Weberbaum.

3. Er hatte Knochen wie ein Gaul,  
Und eine freche Stirn.
Und ein entsetzlich großes Maul,  
Und nur ein kleines Hirn;  
Gab jedem einen Rippenstoß,  
Und flunkerte und prahlte groß.

4. So kam er alle Tage her,  
Und sprach Israel Hohn.
»Wer ist der Mann?
Wer wagt's mit mir?  
Sei Vater oder Sohn,  
Er komme her der Lumpenhund,  
Ich bax 'n nieder auf den Grund.«

5. Da kam in seinem Schäferrock  
Ein Jüngling zart und fein;
Er hatte nichts als seinen Stock,  
Als Schleuder und den Stein,  
Und sprach: »Du hast viel Stolz und Wehr,  
Ich komm im Namen Gottes her.«

6. Und damit schleudert' er auf ihn,  
Und traf die Stirne gar;
Da fiel der große Esel hin  
So lang und dick er war.  
Und David haut' in guter Ruh  
Ihm nun den Kopf noch ab dazu.

7. Trau nicht auf deinen Tressenhut,  
Noch auf den Klunker dran!
Ein großes Maul es auch nicht tut:  
Das lern vom langen Mann;  
Und von dem kleinen lerne wohl:  
Wie man mit Ehren fechten soll.

Montag, 28. Dezember 2015

Schlaf wohl, du Himmelsknabe du

Schlaf wohl, du Himmelsknabe du, 
schlaf wohl, du süßes Kind, 
dich fächeln Engelein in Ruh
mit sanftem Himmelswind.
Wir armen Hirten singen dir
ein herzig’s Wiegenliedlein für:
Schlafe, schlafe, Himmelssöhnchen, schlafe!
Maria hat mit Mutterlieb
dich leise zugedeckt,
und Josef hält den Hauch zurück,
dass er dich nicht erweckt.
Die Schäflein, die im Stalle sind,
verstummen vor dir, Himmelskind.
Schlafe, schlafe, Himmelssöhnchen, schlafe!
Melodie: Heinrich Reimann (1850 –1906) nach einer Melodie aus dem Glatzer Land (Schlesien)
Text: Christian Friedrich Daniel Schubart (1739 –1791); im Original dreistrophig

Sonntag, 27. Dezember 2015

Ihr Christen auserkoren

1.  Ihr Christen auserkoren,
freut euch von Herzen sehr:
der Heiland ist geboren!
Recht gute neue Mär!
 Des freuen sich dort oben
der heilgen Engel Schar
und Gott den Vater loben
jetzt und fort immerdar.

 2. So singen sie mit Schalle:
Ihr Christen insgemein,
freut euch von Herzen alle
ob diesem Kindelein!
Euch, euch ist es gegeben
und hat das Heil bereit,
daß ihr bei Gott sollt leben
in steter Freud.

 3. Kein Mensch sich ja betrübe,
denn dieses Kindelein
euch bringet süße Liebe;
was wollt ihr traurig sein?
Den Himmel wills dem schenken,
der an ihn gläubet fest:
daran sollt ihr gedenken,
euch freuen auf das Best.

 4. Nun seid ihr wohl gerochen
an eurer Feinde Schar,
denn Christus hat zerbrochen,
was euch zuwider war.
Tod, Teufel, Sünd und Hölle
sind ganz und gar geschwächt,
bei Gott hat seine Stelle
das menschliche Geschlecht.

 5. Drum wir auch nun dich loben,
Jesu, zweistammger Held,
daß du herab von oben
bist kommen in die Welt.
Komm auch in unsre Herzen
und bleibe für und für,
daß weder Glück noch Schmerzen
uns trennen ab von dir.

Text: Georg Werner (1589–1643)
Zur 4. Strophe sieh: Nun seid ihr wohl gerochen
Die 5. Strophe stammt nicht von Werner, sie findet sich erstmals im Hannoverschen Gesangbuch 1657 (herausgegeben von Gesenius und Denicke)

Nun seid ihr wohl gerochen

Nun seid ihr wohl gerochen
An eurer Feinde Schar,
Denn Christus hat zerbrochen,
Was euch zuwider war.
Tod, Teufel, Sünd und Hölle
Sind ganz und gar geschwächt;
Bei Gott hat seine Stelle
Das menschliche Geschlecht.


Text: Georg Werner (1589–1643)
Musik: Bach: Weihnachtsoratorium, Kantate 6, Nr.64

Text, Musik, Einzelstimmen, Partitur aus Bachs Weihnachtsoratorium

Aufführungsbeispiel 1

Aufführungsbeispiel 2

zu: gerochen: Das Verb rächen flektierte im Mittelhochdeutschen und Frühneuhochdeutschen noch stark. Gelegentlich wurde es auch noch nach 1700 so gebraucht. Heute nur noch in scherzhaften Wendungen.

Dienstag, 3. November 2015

All´ mein´ Gedanken, die ich hab

All´ mein´ Gedanken, die ich hab
Die sind bei dir.
Du auserwählter einz´ger Trost,
Bleib stets bei mir!
Du, du, du sollst an mich gedenken!
Hätt´ ich aller Wünsch Gewalt,
Von dir wollt´ ich nicht wenken

Du auserwählter einz´ger Trost,
Gedenk daran!
Mein Leib und Seel, die sollst du gar
zu eigen han
Dein, dein, dein will ich immer bleiben
Du gibst Freud und hohen Mut
Und kannst mir Leid vertreiben

Dein allein und Niemands mehr
das wiß fürwahr
tätst du desgleichen Treu an mir
so wär ich froh
Du, du, du sollst von mir nit setzen
Du gibst Freud und hohen Mut
und kannst mich Leids ergetzen

Die Allerliebst und minniglich
die ist so zart
ihresgleich in allem Reich
findt man hart
Bei, bei, bei ihr ist mein Verlangen
da ich nun von ihr scheiden sollt
da hält sie mich umfangen

Die werte Rein, die ward sehr wein´n
do das geschah
Du bist mein und ich bin dein
sie traurig sprach
Wann, wann, wann ich soll von dir weichen
Ich nie erkannt, noch nimmer mehr
erkenn ich deines Gleichen

Gesang (King's Singers)

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Ach wie ist's möglich dann

Ach wie ist's möglich dann,                       
daß ich dich lassen kann!                        
Hab dich von Herzen lieb,
das glaube mir.
Du hast die Seele mein
so ganz genommen ein,
daß ich kein Andre lieb,
als dich allein.
                                                                    
Blau ist ein Blümelein,                              
das heißt Vergißnichtmein;
dies Blümlein leg ans Herz
und denk an mich!
Stirbt Blüt und Hoffnung gleich,
wir sind an Liebe reich,
denn die stirbt nie bei mir,
das glaube mir!

Wär ich ein Vögelein,
wollt ich bald bei dir sein,                        
scheut Falk und Habicht nicht,
flög schnell zu dir;
schöß mich ein Jäger tot,
fiel ich in deinen Schoß;
sähst du mich traurig an,
gern stürb ich dann.

:
Obschon das Glück nicht wollt´
daß ich dein werden sollt
so lieb ich dennoch dich
glaubs sicherlich
Es soll kein Andrer sein
der mich soll nehmen ein
als du o schönstes Kind
dir ich treu bin

Stoß mir das Herz entzwei
wann eine falsche Treu 
oder nur falsche Lieb
spürest an mir
Dir will ich jederzeit
zu Diensten sein bereit
bis das ich kommen werd
unter die Erd´
Nach meinem Tod alsdann
damit man sagen kann
nimmst auf meiner Totenbahr
die Grabschrift wahr
 Hier liegt begraben ein´
die dich geliebt so fein
die dich geliebet hat
bis an das Grab


Noten
Chorgesang

Wenn jemand weitere Strophen kennt, wäre ich dankbar, wenn er sie im Kommentar vorstellt, möglichst mit Link.

Samstag, 22. August 2015

Kinderlieder zum Herbst

Diese Lieder verdanke ich xSchokoxMuffinx von gutefrage.net:

Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da
Das Kinderlied "Der Herbst ist da" ist ein bekanntes Herbstlied, welches für Kinder ab ca. 2,5 Jahren geeignet ist.
Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da,
er bringt uns Wind, hei hussassa!
Schüttelt ab die Blätter,
bringt uns Regenwetter.
Heia hussassa, der Herbst ist da!
Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da,
er bringt uns Obst, hei hussassa!
Macht die Blätter bunter,
wirft die Äpfel runter.
Heia hussassa, der Herbst ist da!
Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da,
er bringt uns Wein, hei hussassa!
Nüsse auf den Teller,
Birnen in den Keller.
Heia hussassa, der Herbst ist da!
Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da,
er bringt uns Spaß, hei hussassa!
Rüttelt an den Zweigen,
Lässt die Drachen steigen
Heia hussassa, der Herbst ist da!

Dieses alte Kinderlied ist aufgrund der einfachen Melodie schnell erlernbar. Kinder ab etwa dem 3. Lebensjahr können dieses Lied mitsingen.
Der Herbst der ist ein Malersmann
Der Herbst, der ist ein Malersmann,
er malt die grünen Blätter an.
In vielen Farben leuchtet bald
der buntgeschmückte Wald.
Der Herbst geht durch das ganze Land,
und hält er Rast am Wegesrand,
sind Fluss und Tal in Dampf getaucht,
weil er sein Pfeifchen schmaucht.
Blätterfall, Blätterfall
Dieses Herbstlied ist auch für kleine Kinder (ab 2 Jahren) geeignet, da der Text sehr kurz und die Melodie einfach ist. Der Verfasser des Liedes ist unbekannt, Melodie ist Volksweise.
Blätterfall, Blätterfall,
gelbe Blätter überall,
raschel, raschel, es wird kalt,
und der Schnee bedeckt sie bald.
Blätterfall, Blätterfall,
gelbe Blätter überall
Viele bunte Blätter siehst du hier im Kreis
Für dieses Herbstlied wird die sehr einfache Melodie von "Alle meine Entchen" verwendet. Dieses Herbstlied wird daher oft schon in Kinderkrippen gesungen
Viele bunte Blätter
siehst du hier im Kreis,
siehst du hier im Kreis,
liegen da und träumen
sind dabei ganz leis.
Doch der Wind er pustet,
weckt die Blätter auf,
weckt die Blätter auf,
sie wirbeln durcheinander,
stehen alle auf.
Viele bunte Blätter
tanzen hin und her,
tanzen hin und her,
der wilde Wind er pustet,
die Blätter freun sich sehr.
Der Wind, er ist nun müde,
zieht sich zurück nach Haus,
zieht sich zurück nach Haus,
die bunten Blätter schlafen,
ruhen sich nun aus.

Es ist klar, dass dies Lied auch als Pantomime gespielt werden kann.

Ein Herbstgedicht für kleine Kinder:

Der Herbst
Kind: 
Mein lieber Herbst, ich soll dir sagen, 
Der Sommer hab’ auch Frucht getragen, 
Und gute Frucht; was bringst du denn, 
Das ich so süß wie Kirschen nenn’?
Herbst:
Ich bring’ dir Aepfel, Birnen, Trauben, 
Das wirst du mir gewiß erlauben. 
Der Sommer ist mein Bruder wohl, 
Doch nicht so saft- und früchtevoll.
Kind:
Ich bin mit Beiden gut zufrieden; 
Ein Jeder hat mir das beschieden, 
Was er besaß; was will ich mehr?
O, Keiner ist an Freuden leer!