Samstag, 29. April 2023

Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht...

 1. Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht.

Er fiel auf die zarten Blaublümelein,
sie sind verwelket, verdorret.

2. Ein Knabe hatte ein Mägdlein lieb,
sie flohen gar heimlich von Hause fort,
es wusst’s nicht Vater noch Mutter.

3. Sie sind gewandert hin und her,
sie haben gehabt weder Glück noch Stern,
sie sind verdorben, gestorben.

4. Auf ihrem Grab Blaublümlein blühn,
umschlingen sich zart wie sie im Grab,
der Reif sie nicht welket, nicht dorret.



Mittwoch, 26. April 2023

Ich hab mir mein Weizen am Berg gesät,

 Ich hab mir mein Weizen am Berg gesät,

hat mir'n der böhmische Wind verweht,
hat mir'n der böhmische Wind verweht.

Böhmischer Wind, ich bitt dich schön,
laß mir mein Weizen am Berge stehn,
laß mir mein Weizen am Berge stehn.

Der Apfel ist sauer, ich mag ihn nicht,
's Mädel ist falsch, ich trau ihr nicht,
's Mädel ist falsch, ich trau ihr nicht.

Wenn ich kein Geld im Beutel hab,
geh ich ins Holz, schneid Reiser ab,
geh ich ins Holz, schneid Reiser ab.

Geh ich nach Haus, mach Besen draus,
krieg ich bald wieder Geld ins Haus,
krieg ich bald wieder Geld ins Haus.

Wenn ich die Besen gebunden hab,
geh ich die Straßen wohl auf und ab:
Leute, wer kauft mir Besen ab?

Donnerstag, 6. April 2023

Auf, auf zum fröhlichen Jagen

 Auf, auf zum fröhlichen Jagen,

Auf in die grüne Heid,
Es fängt schon an zu tagen,
Es ist die schöne Zeit.
Die Vögel in den Wäldern
Sind schon vom Schlaf erwacht
Und haben auf den Feldern
Das Morgenlied vollbracht.
Tridihejo, dihejo, dihedihedio
Tridio, hejo, dihejo, tridio, tridio.

Frühmorgens, als der Jäger
In grünen Wald ’neinkam,
Da sah er mit Vergnügen
Das schöne Wildbret an.
Die Gamslein Paar um Paare,
Sie kommen von weit her,
Die Rehe und das Hirschlein,
Das schöne Wildbret schwer.
Tridihejo, dihejo, dihedihedio
Tridio, hejo, dihejo, tridio, tridio.

Wir rüsten uns zum Streite
und jagen Paar an Paar
Die Hoffnung reicher Beute
versüßet die Gefahr.
Wir weichen nicht zurücke
ob gleich ein wilder Bär
und noch ein großes Stücke
nicht ferner von uns wär

Will gleich ein wilder Hauer
mit seinen Waffen dräun
Fängt man an ohne Schauer
Hussa! Hussa! zu schrein
Damit das Ungeheuer
eenn es die Kugel brennt
schon nach empfangnem Feuer
in sein Verderben rennt.

Das edle Jägerleben
Vergnüget meine Brust,
Dem Wilde nachzustreifen
Ist meine höchste Lust.
Wo Reh und Hirsche springen
Wo Rohr und Büchse knallt,
Wo Jägerhörner klingen,
Da ist mein Aufenthalt.
Tridihejo, dihejo, dihedihedio
Tridio, hejo, dihejo, tridio, tridio.

Frischauf, zum fröhlichen Hetzen
fort in das grüne Feld!
Wo man mit Garn und Netzen
das Wild gefangen hält.
Auf, ladet eure Röhren
mit Pulver und mit Blei
und macht der Jagd zu Ehren
ein fröhlich Jagdgeschrei!

Sind unsre matten Glieder
vom Sonnenglanz erhitzt
So legen wir uns nieder
wo frisches Wasser spritzt
wo Zephyrs sanftes Blasen
der Sonne Glanz besiegt
da schläft man auf dem Rasen
mit Anmut eingewiegt.

Das Gras ist unser Bette
der Wald ist unser Haus
Wir trinken um die Wette
das klare Wasser aus.
Laßt drum die Faulen liegen
gönnt ihnen ihre Ruh:
Wir jagen mit Vergnügen
dem schönen Walde zu.

Ein weibliches Gemüte
hüllt sich in Federn ein
Ein tapferes Jagdgeblüte
muß nicht so träge sein.
Drum laßt die Faulen liegen,
gönnt ihnen ihre Ruh:
Wir jagen mit Vergnügen
dem dicken Walde zu.

Frisch auf, ihr lieben Brüder
ergreifet das Geschoß!
Auf, legt die Winde nieder
und geht aufs Wildpret los!
Erfrischt die matten Hunde
durch frohen Zuruf an
und ruft aus vollem Munde
so viel ein jeder kann!

Will gleich zu manchen Zeiten
Blitz, Wetter, Sturm und Wind
einander widerstreiten
die uns zuwider sind
So sind wir ohne Schrecken
bei allem Ungemach,
und jagen durch die Hecken
den schnellen Hirschen nach.

Text: von Gottfried Benjamin Hancke  1724
Musik: aus dem 18. Jahrhundert.

Die gleiche Melodie wird von Johann Sebastian Bach in seiner Bauernkantate 

zu dem Lied “ Es nehme 10.000 Dukaten der Kammerherr alle Tag ein „. 

Laut „Die weiße Trommel“ (1934) stammt das Lied aus Kärnten und wurde von 

Karl Liebleitner aufgezeichnet.
Geschichte dieses Liedes: 


Liederthema: 
Liederzeit:  (1724)
Schlagwort:  |
Region: 

Sonntag, 12. März 2023

Du kannst mir mal for´n Sechser

 Du kannst mir mal for´n Sechser

weil wir uns beide kenn´n
bei Kranzler unter´n Linden
nach Kuchenkrümmel renn´n

„Ich jeh dir nich bei Kranzler
det duste janz jut wissen
bei Kranzler um die Ecke
da wirste rausjeschmissen“

„Denn kannst mir for´n Sechser
weil wir uns jrade kenn´n
mit blankgewichste Stiebel
den Puckel runter renn´n“

Text: Verfasser unbekannt
Musik: Parodie auf die Melodie „Wir sind die lustigen Gardeschützen“
in Mutter der Mann mit dem Koks ist da (1977)


(Volksliederarchiv)


Ich hatte aus meiner Kindheit nur die 3. Strophe in Erinnerung 

und zwar in der Fassung:


„Du kannst mir mal für'n Sechser
weil wir uns beide kenn´n
mit blankgewichsten Stibbeln
den Buckel runter renn´n.“


Ich war der Meinung, es gäbe nur diese eine Strophe.






Freitag, 3. März 2023

„Jetzt kommt die Zeit, daß ich wandern muß

 „Jetzt kommt die Zeit, daß ich wandern muß

mein Schatz, mein Augentrost!“
„Wann kommst du aber wieder,
daß du mich heiraten tust?“

„Und wenn ich auch mal wieder komm,
mein Schatz, was nützt es dich!
Lieb hab ich dich von Herzen,
aber heiraten tu ich dich nicht.“

Sind auch die Äpflein rosenrot,
schwarze Kernlein sind darin,
und so oft ein Knab geboren wird,
hat er schon einen falschen Sinn.

Einen falschen Sinn, einen kecken Mund,
den haben sie allzugleich,
und wenn sie ein Mädel betrügen können,
so ist’s ihr größte Freud.

Ihr Mägdelein, seid ihr sternenblind,
oder seht ihr gar nicht mehr?
Seht ihr nicht die Hirschlein laufen,
die man jetzt abschießen soll?

Die Hirschlein, die man schießen soll,
die laufen in dem Wald.
Junggesellen soll man lieben,
eh daß sie werden alt.

Denn wenn sie alt und schrumpflich sind,
habens Grübchen im Gesicht,
dann die eine zu der andern spricht:
„Nimm ihn du, ich mag ihn nicht!“

„Und wenn du ihn nicht willst und ich ihn nicht mag,
sag an, was tut man dann?“
„Ei, dann ladt ihn in eine Kanone
und schieß ihn nach Amsterdam!“

Text und Melodie: Verfasser unbekannt
aus der Gegend von Limburg und Wetzlar – Hessen – um 1913

Volksliederarchiv (auch Noten)

Dienstag, 21. Februar 2023

Sind so kleine Hände

 Kinder


1. Sind so kleine Hände, winz’ge Finger dran.
    Darf man nie drauf schlagen, die zerbrechen dann.
      Sind so kleine Füße, mit so kleinen Zeh’n.
    Darf man nie drauf treten, könn’ sie sonst nicht gehn.


2.
   Sind so kleine Ohren; scharf, und ihr erlaubt.
     Darf man nie nie zerbrüllen, werden davon taub.
   Sind so schöne Münder, sprechen alles aus.
   Darf man nie verbieten, kommt sonst nichts mehr raus.


3.    Sind so klare Augen, die noch alles sehn.
      Darf man nie verbinden, könn’ sie nichts verstehn.
      Sind so kleine Seelen, offen und ganz frei.
   Darf man niemals quälen, geh’n kaputt dabei.


4. Ist so’n kleines Rückgrad, sieht man fast noch nicht.
      Darf man niemals beugen, weil es sonst zerbricht.
   Grade, klare Menschen wär’n ein schönes Ziel.
   Leute ohne Rückgrad hab’n wir schon zuviel.


(Bettina Wegner, 1978)

Montag, 30. Januar 2023

Es steht ein goldnes Garbenfeld,

Es steht ein goldnes Garbenfeld,
das geht bis an den Rand der Welt.
Mahle, Mühle, mahle!

Es stockt der Wind im weiten Land,
viel Mühlen stehn am Himmelsrand.
Mahle, Mühle, mahle!

Es kommt ein dunkles Abendrot,
viel arme Leute schrein nach Brot.
Mahle, Mühle, mahle!

Es hält die Nacht den Sturm im Schoß,
und morgen geht die Arbeit los.
Mahle, Mühle, mahle!

Es fegt der Sturm die Felder rein,
es wird kein Mensch mehr Hunger schrein.
Mahle, Mühle, mahle!

Richard Dehmel