Dienstag, 7. Januar 2020

Jung Siegfried war ein stolzer Knab'

Jung Siegfried war ein stolzer Knab',
ging von des Vaters Burg herab,
ging von des Vaters Burg herab.
Wollt' rasten nicht in Vaters Haus,
wollt' wandern in alle Welt hinaus.
Begegnet' ihm manch Ritter wert
mit festem Schild und breitem Schwert.
Siegfried nur ein Stecken trug,
das war ihm bitter und leid genug.
Und als er ging im finstern Wald,
kam er zu einer Schmiede bald.
Da sah er Eisen und Stahl genug,
ein lustig Feuer Flammen schlug.
O Meister, liebster Meister mein,
laß du mich deinen Gesellen sein.
Und lehr' du mich mit Fleiß und Acht,
wie man die guten Schwerter macht.
Siegfried den Hammer wohl schwingen kunnt',
er schlug den Amboß in den Grund.
Er schlug, daß weit der Wald erklang
und alles Eisen in Stücke sprang.
Und von der letzten Eisenstang'
macht er ein Schwert, so breit und lang.
Nun hab' ich geschmiedet ein gutes Schwert,
nun bin ich wie andere Ritter wert.
Nun schlag' ich wie ein andrer Held
die Riesen und Drachen in Wald und Feld.

(Ludwig Uhland, 1812,  *1787 +1862 )

Sonntag, 29. Dezember 2019

Die goldene Brücke (Spiellied)

Die goldene Brücke, die goldene Brücke, sie ist so sehr zerbrochen.
Wer hat sie zerbrochen, wer hat sie zerbrochen? Ein Mann mit seinem Knochen.
Den Ersten nicht, den Zweiten nicht, den Dritten wolln wir fangen,
mit Spießen und mit Stangen.

Bei "Stangen" senken sich, wie schon beschrieben, die Arme der beiden Kinder, die die Brücke bilden, ab und versuchen, eines der Kinder, die unter der Brücke durchgelaufen sind, zu fangen. Die gefangenen Kinder warten hinter den Brückenkindern, bis alle gefangen sind.

Der Clou war nun folgender: Die beiden "Brückenkinder" mussten sich vorher einigen, wer Gott und wer Teufel war. Die gefangenen Kinder konnten sich nur entscheiden, hinter welchem der beiden Brückenkinder sie stehen wollten. Erst wenn alle gefangen waren, stellte sich heraus, ob man sich für Himmel oder Hölle entschieden hatte.

Was man mit den Teufelchen machte, fällt mir momentan nicht mehr ein. Natürlich war es schöner, ein Engel zu sein. Die Engel wurden auf einer Schaukel, gebildet aus den Armen der Brückenkinder (oder helfender Erwachsener; zwei Personen stehen sich gegenüber und fassen sich an den Händen, das eine Armpaar wird so zur Sitzbank, das andere zur Rückenlehne) geschaukelt, dazu der Spruch:
Wir wiegen die Engel in Abrahams Schoß,
bimbam, bimbam, die Kette reißt los!
Und bei "reißt los" schaukelte man die Kinder nach vorn und ließ sie von der Schaukel fliegen.


Eine andere Version:

Die Meiersche Brücke die ist zerbrochen
wer hat sie zerbrochen
Der Goldschmied
der Goldschmied
mit seiner jüngsten Tochter
Wir wollen sie wieder bauen lassen
mit Edelstein, mit Bedelstein
den hintersten wollen wir fangen

Die beiden größten Kinder, die sich ohne Mitwissen der andern Namen gegeben haben, bilden durch Hochhalten der Arme ein Tor. Die übrigen fassen sich hintereinander an den Kleidern und gehen während des Gesangs durchs Tor. Ist das hinterste Kind unter das Tor gekommen, so lassen die beiden größten die Arme fallen und fangen dasselbe. Sie fragen es dann: “Willst du hinter das silberne Löffelchen (Name eines der größten Kinder) oder hinter das goldene Gäbelchen (Name des anderen) ? Je nach der Antwort wird das gefragte hinter das den obigen Namen führende Kind gestellt. Dann wird weiter gespielt, bis alle Kinder gefangen sind. [kleine Rechtschreib- und Sprachkorrekturen durch Fontanefan]

Melodie und Text und Kassel , bei Zimmer nr. 50e , mit mangelhaftem Texte (“Meier zur Brücken”) bei Lewalter I, Nr. 18 — nach Deutsches Kinderlied und Kinderspiel (1897)

Samstag, 16. November 2019

Solidaritätslied

Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt? Fassung 1931 Kommt heraus aus Euren Trümmern Kriecht hervor aus Eurer Not Erst wenn wir uns selbst drum kümmern schmeckt uns wieder unser Brot. Vorwärts, und nie vergessen Worin unsre Stärke besteht! Beim Hungern und beim Essen Vorwärts, nie vergessen Die Solidarität! Das die lange Nacht vergehe Die uns so mit Blindheit schlägt Auch für alle Menschen stehe Jetzt was Menschenantlitz trägt. Vorwärts, und nie vergessen Worin unsre Stärke besteht! Beim Hungern und beim Essen Vorwärts, nie vergessen Die Solidarität! Unsre Herrn wer sie auch seien sehen unsre Zweitracht gern Denn so lang sie uns entzweien Bleiben sie ja unsre Herrn. Vorwärts, und nie vergessen Worin unsre Stärke besteht! Beim Hungern und beim Essen Vorwärts, nie vergessen Die Solidarität! Auf ihr Völker dieser Erde Einigt Euch nur eins hat Sinn: Daß sie jetzt die Eure werde Und die Große Nähererin. Vorwärts und nie vergessen Und die Frage konkret gestellt. Vorwärts nie vergessen. Wessen Straße ist die Straße Wessen Welt ist die Welt? Spätere Fassung 1947 Vorwärts, und nie vergessen Worin unsre Stärke besteht! Beim Hungern und beim Essen Vorwärts, nicht vergessen Die Solidarität! Auf, Ihr Völker dieser Erde! Einigt Euch in diesem Sinn: Daß sie jetzt die Eure werde Und die große Nährerin. Vorwärts, Schwarzer, Weißer, Brauner, Gelber! Endet ihre Schlächterein! Reden erst die Völker selber Werden sie schnell einig sein. Vorwärts, Wollen wir es schnell erreichen Brauchen wir noch Dich und Dich. Wer im Stich läßt seinesgleichen Läßt ja nur sich selbst im Stich. Vorwärts, Unsre Herrn, wer sie auch seien Säen unsre Zwietracht gern Denn solang sie uns entzweien Bleiben sie doch unsre Herrn. Vorwärts, Proletarier aller Länder Einigt Euch, und Ihr seid frei. Eure großen Regimenter Brechen jede Tyrannei! Vorwärts, und nie vergessen Die Frage an jeden gestellt Willst Du hungern oder essen: Wessen Morgen ist der Morgen? Wessen Welt ist die Welt? Text: Bertolt Brecht / Ernst Busch Musik: Hanns Eisler
Gesang:
https://www.youtube.com/watch?v=h-s6D8PZQYg
Music: Baritone Vocals - Hermann Hähnel Choir - Rundfunkchor Leipzig Conductor - Adolf Fritz Guhl Orchestra - Rundfunkorchester Leipzig

https://hanns-eisler.de/index.php/de/

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Dämmerstille Nebelfelder,

Dämmerstille Nebelfelder,
Schneedurchglänzte Einsamkeit,
Und ein wunderbarer weicher
Weihnachtsfriede weit und breit.
Nur mitunter, windverloren,
Zieht ein Rauschen durch die Welt.
Und ein leises Glockenklingen
Wandert übers stille Feld.
Und dich grüßen alle Wunder,
Die am lauten Tag geruht,
Und dein Herz singt Kinderlieder,
Und dein Sinn wird fromm und gut.
Und dein Blick ist voller Leuchten,
Längst Entschlaf´nes ist erwacht ...
Und so gehst du durch die stille
Wunderweiche Winternacht.

Wilhelm Lobsien (1872 - 1947)

Dienstag, 8. Oktober 2019

Es schaukeln die Winde

  • 1. Es schaukeln die Winde
    das Nest in der Linde,
    da schließen sich schnell
    die Äugelein hell.
    Da schlafen vom Flügel
    der Mutter gedeckt
    die Vögelchen süß
    bis der Morgen sie weckt.
  • 2. Bei Mütterlein liegen
    die Lämmer und schmiegen
    aus Fell sich so dicht
    und regen sich nicht.
    Sie atmen so leise
    und werden erst wach
    beim Zwitschern der Schwalben
    hoch oben am Dach
  • 3. Nur einzig die Sterne
    am Himmel so ferne,
    ob groß oder klein,
    sie schlafen nicht ein,
    sie schließen die strahlenden
    Augen nicht zu,sie legen sich nicht
    mit den andern zu Ruh.
  • 4. Wenn aber mit Lachen
    die Kinder erwachen,
    das Lämmchen sich reckt,
    der Vogel sich streckt,
    dann müssen die Sterne,
    ob groß oder klein,sie müssen
    ins himmlische Bettchen hinein.
  • 5. Dann der darf nicht singen
    am Morgen und springen,
    wer während der Nacht
    herum tollt und wacht.
    Drum schlaf nur, mein Liebling,
    schlaf selig und fest,
    wie's Lämmchen im Stall,
    wie der Vogel im Nest!
  • Melodie: Engelbert Humperdinck  (1854-1921)

    Text: Elisabeth Ebeling (1828 -1905)

  • Noten: https://www.liederprojekt.org/lied27819-Es-schaukeln-die-Winde.html

Dienstag, 20. August 2019

Zersungene Lieder oder Die Juliska aus Budapest

Die bekannteste Sammlung von von Kindern zersungenen Liedern ist "Der weiße Neger Wumbaba".
Bekannt sein dürften auch "Hallo Julia" für "Halleluja" "kehrt mit seinem Besen rein ein jedes Haus" für "kehrt mit seinem Segen ..." aus "Alle Jahre wieder".
Mein großer Bruder sang "kehrt mit seinem Säbel". Meine Mutter wunderte sich, dass selbst ihre Lehrerin in einem seriösen Lied etwas von einer "Wonnegans" sang, die sich in der Kaiserhymne "Heil dir im Siegerkranz" in späteren Jahren als lautlich identisch mit "Fühl in der Thrones Glanz/ die hohe Wonne ganz" erwies.
Ich versuchte im Netz die Zeilen "Die Julika, die Julika ... die hat ein Herz aus Paprika"  zu finden und fand von den Comedian Harmonists:

Die Juliska, die Juliska aus Buda-Budapest,
die hat ein Herz voll Paprika, das kein' in Ruhe lässt!
Und wenn die kleine Juliska am Abend schlafen geht,
dann hat sie mit Allotria uns glatt den Kopf verdreht!
Joi-joi, Mama, was die alles kann!
Die zieht genau wie ein Magnet die Männerherzen an!
Joi-joi, Mama, was die alles macht!
Erst macht sie uns total verrückt, dann sagt sie "Gute Nacht"!
Die Juliska, die Juliska aus Buda-Budapest,
das ist ein Mädel! Die halt' ich mir fest,
und trink' mit ihr Tokajer, bis sie sich mal küssen lässt!
(https://www.golyr.de/comedian-harmonists/songtext-die-juliska-aus-budapest-365888.html)

Der Vollständigkeit halber noch die Fortsetzung meines Textes

Ja, ja, ja, was sie alles macht. 
Erst hat sie dir den Kopf verdreht,
dann sagt sie gute Nacht. 

Das Lied mit den meisten vollwertig nebeneinander stehenden Versionen, das ich kenne, ist "Es regnet".

Etwas anderes sind Liedparodien wie die zu "Leise rieselt der Schnee":
Leise rieselt die vier
auf das Zeugnispapier.
Hört nur, wie lieblich es schallt,
wenn die Backpfeife knallt.

[Bei der Gelegenheit entdeckt: Herr der Augenringe]

Mittwoch, 24. Juli 2019

Weberlieder

Ei wie so töricht ist,
Wenn mans betrachtet,
Wer einem Leineweber
Seine Arbeit verachtet.
Kein Mensch auf dieser Welt,
Der seine Arbeit nicht bestellt,
Jeder muß sagen:
Leineweber muß man haben.
Wenn ein kleins Kindlein
Zur Welt wird geboren,
Wird einem Leineweber
Seine Arbeit auserkoren:
In ein feins Windelein,
Wird es gewickelt ein,
Bänder gewebet
Man darum leget.
Wenn sich eine Jungfrau
Aufs schönste will zieren,
Muß sie dem Leineweber
Seine Arbeit anziehen:
Ein feines Hemdelein,
Um und um Spitzelein,
Ein Neues Kleide
Zur Lust und Freude.
Kaiser und König
Und mächtige Herren
Können dem Leineweber
Seine Arbeit nicht entbehren:
Ziehen sie in das Feld,
Sind vor den Feind gestellt,
Zum Zeltaufschlagen:
Leineweber müssen’s haben.
Als unser Heiland
Zum Leiden ist kommen,
Hat er dem Leineweber
Seine Arbeit genommen:
In ein feins Tüchlein
Drückt er sein Antlitz ein,
Tät sich verneigen
Der Welt zum Zeichen.
Volkslied 19. Jh. 

Die Leineweber haben eine saubere Zunft,
harum di, dscharum di, schrum, schrum, schrum
Mit fasten halten sie Zusammenkunft,
harum di, dscharum di, schrum, schrum, schrum
Aschegraue, dunkelblaue, schrum, schrum, schrum
mir ein Viertel, dir ein Viertel, schrum, schrum, schrum
Fein oder Grob, gegessen wern se doch
mit der Jule, mit der Spule, mit der schrum, schrum, schrum

Die Leinweber schlachten alle Jahr zwei Schwein
das eine ist gestohlen, das andere nicht sein
Aschegraue, dunkelblaue….

Die Leineweber haben sich ein Haus gebaut
Von Buttermilch und Sauerkraut.
Aschegraue, dunkelblaue….

Die Leineweber nehmen keinen Lehrjungen an
der nicht sechs Wochen hungern kann
Aschegraue, dunkelblaue….

Die Leineweber haben ein Schifflein klein
da setzten sie die Wanzen und Flöhe rein
Aschegraue, dunkelblaue….

Die Leinweber machen eine saubere Musik
als führen zwölf Müllerwagen über die Brück.
Aschegraue, dunkelblaue….

Das Volksliederarchiv bemerkt dazu: "Aus Schlesien und Hessen vor 1833
Das Lied schildert mit Galgenhumor die armseligen Zustände unter denen die Weber Angang des 19. Jahrhunderts leben mußten."
Ich bin mir nicht so sicher, ob es wirklich Galgenhumor ist.

Frühmorgens, wenn der Tag bricht an
Hört man uns schon mit Freuden
Ein schönes Liedlein stimmen an
Und wacker drauf arbeiten
Die Spule, die ist unser Pflug
Das Schifflein ist das Pferde
Und damit machen mir gar klug
Das schönste Werk auf Erden.
Gar manche Jungfrau freundlich spricht:
Mach mir gut Tuch zu Betten
Das Garn ist auch schon Zugericht
Zu Tischtuch und Servietten
Webt mir die schönsten Bilder drein
Macht mir darin kein Reste
Das Trinkgeld sollt ihr haben fein
Webt mirs aufs allerbeste
Und wenn ein Kriegsheld zieht ins Feld
Mit seinen Wehr und Waffen,
So schlägt er auf ein Leinwandszelt,
Darunter tut er schlafen.
Die schönste Arbeit weben wir
Von Seiden, Flachs und Wolle,
Dem Fähndrich weben wir’s Panier,
Daß ers erhalten solle.
Und ist die Leinwand nichts mehr wert
Und ist die Fahn verloren
So kömmt sie erst in rechten Wert
Papier rauscht vor den Ohren
Man druckt darauf das Gotteswort
Und schreibt darauf mit Tinten
Des Webers Werk währt immer fort
Kein Mensch kann es ergründen.

Das Volksliederarchiv bemerkt dazu: 
"Text und Musik: Weberlied. Verfasser unbekannt –
siehe auch_ Lob der Weber — siehe auch: Lob der Arbeit
Anfang 19. Jahrhundert
u a. in: Des Knaben Wunderhorn (1808) — Allgemeines Deutsches Liederlexikon (1844)"