Freitag, 21. Februar 2020

Der kleine Trompeter


Von allen Kameraden
War keiner so frohgemut
Als unser kleiner Trompeter –
Ein jung’ Husarenblut. –


Wenn uns der Mut wollt’sinken
Manchmal in stürmischer Nacht –
Mit trauten Heimatliedern
Hat er uns stark gemacht.


Hat oft um unsertwillen
Vergessen die eigene Not –
Ein trutzig Stücklein geblasen,
Umlauert vom frühen Tod.


Und als ihn die Kugel getroffen
Mitten beim frohen Lied –
Mit einem seligen Lächeln
Unser kleiner Trompeter schied.


So nahmen wir den Spaten
Und gruben ein tiefes Grab,
Und die ihn am liebsten hatten,
Sie senkten ihn still hinab.


Von allen Kameraden
War keiner so frohgemut!
Fahr wohl, du kleiner Trompeter –
Fahr wohl, Husarenblut. –

Gedichtet 1915, mehrfach umgedichtet. Dazu mehr in der Wikipedia: Der kleine Trompeter

Victor von Scheffel: Frankenlied

Wohlauf die Luft geht frisch und rein, wer lange sitzt muss rosten;
den allerschönsten Sonnenschein lässt uns der Himmel kosten.
Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid der fahrenden Scholaren,
ich will zur schönen Sommerszeit ins Land der Franken fahren.
Vallerie, vallera, vallerie, vallera ins Land der Franken fahren.
Der Wald steht grün, die Jagd geht gut, schwer ist das Korn geraten;
Sie können auf des Maines Flut die Schiffe kaum verladen.
Bald hebt sich auch das Herbsten an, die Kelter harrt des Weines;
der Winzer Schutzherr Kilian beschert uns etwas Feines.
Vallerie ...
Wallfahrer ziehen durch das Tal mit fliegenden Standarten;
hell grüßt ihr doppelter Choral den weiten Gottesgarten.
Wie gerne wär´ ich mitgewallt, ihr Pfarr` wollt mich nicht haben.
So musst ich seitwärts durch den Wald als räudig Schäflein traben.
Vallerie ...
Zum heil´gen Veit von Staffelstein komm` ich emporgestiegen;
und seh´ die Lande um den Main zu meinen Füßen liegen.
Vom Bamberg bis zum Grabfeldgau umrahmen Berg und Hügel
die breite, stromdurchglänzte Au – ich wollt´, mir wüchsen Flügel.
Vallerie ...
Einsiedelmann ist nicht zu Haus, dieweil es Zeit zu mähen;
ich seh´ ihn an der Halde drauss bei einer Schnittrin stehen.
Verfahrner Schüler Stoßgebet heißt: Herr, gib uns zu trinken!
Doch wer bei schöner Schnittrin steht; dem mag man lange winken.
Vallerie ....
Einsiedel, das war missgetan, dass du dich hubst von hinnen!
Es liegt, ich seh´s dem Keller an, ein guter Jahrgang drinnen.
Hoiho! Die Pforten brech´ ich ein und trinke, was ich finde.
Du heil´ger Veit von Staffelstein, verzeih mir Durst und Sünde.
Vallerie ...


"Scheffel war zur Zeit des Wilhelminismus ein viel gelesener Autor. Er vereinigte in seinen Werken die beiden Grundströmungen des damaligen Zeitgeistes, bürgerliche Bildungsbeflissenheit und nationale Begeisterung. Seine historischen Epen und Erzählungen haben wahrscheinlich nicht unwesentlich zu dem seit der Bismarckzeit aufkommenden Selbstbild der Deutschen als einer altfränkisch biederen, ungekünstelt zuverlässigen und ernsthaft strebsamen Nation beigetragen." (Wikipedia)

sieh auch:
https://www.bad-staffelstein.de/de/tourismus/bad-staffelstein/geschichte/victor-von-scheffel-frankenlied.php

 "Zwischen Entweder und Oder führt noch so manches Sträßlein." (V. v. Scheffel)

Dienstag, 7. Januar 2020

Jung Siegfried war ein stolzer Knab'

Jung Siegfried war ein stolzer Knab',
ging von des Vaters Burg herab,
ging von des Vaters Burg herab.
Wollt' rasten nicht in Vaters Haus,
wollt' wandern in alle Welt hinaus.
Begegnet' ihm manch Ritter wert
mit festem Schild und breitem Schwert.
Siegfried nur ein Stecken trug,
das war ihm bitter und leid genug.
Und als er ging im finstern Wald,
kam er zu einer Schmiede bald.
Da sah er Eisen und Stahl genug,
ein lustig Feuer Flammen schlug.
O Meister, liebster Meister mein,
laß du mich deinen Gesellen sein.
Und lehr' du mich mit Fleiß und Acht,
wie man die guten Schwerter macht.
Siegfried den Hammer wohl schwingen kunnt',
er schlug den Amboß in den Grund.
Er schlug, daß weit der Wald erklang
und alles Eisen in Stücke sprang.
Und von der letzten Eisenstang'
macht er ein Schwert, so breit und lang.
Nun hab' ich geschmiedet ein gutes Schwert,
nun bin ich wie andere Ritter wert.
Nun schlag' ich wie ein andrer Held
die Riesen und Drachen in Wald und Feld.

(Ludwig Uhland, 1812,  *1787 +1862 )

Sonntag, 29. Dezember 2019

Die goldene Brücke (Spiellied)

Die goldene Brücke, die goldene Brücke, sie ist so sehr zerbrochen.
Wer hat sie zerbrochen, wer hat sie zerbrochen? Ein Mann mit seinem Knochen.
Den Ersten nicht, den Zweiten nicht, den Dritten wolln wir fangen,
mit Spießen und mit Stangen.

Bei "Stangen" senken sich, wie schon beschrieben, die Arme der beiden Kinder, die die Brücke bilden, ab und versuchen, eines der Kinder, die unter der Brücke durchgelaufen sind, zu fangen. Die gefangenen Kinder warten hinter den Brückenkindern, bis alle gefangen sind.

Der Clou war nun folgender: Die beiden "Brückenkinder" mussten sich vorher einigen, wer Gott und wer Teufel war. Die gefangenen Kinder konnten sich nur entscheiden, hinter welchem der beiden Brückenkinder sie stehen wollten. Erst wenn alle gefangen waren, stellte sich heraus, ob man sich für Himmel oder Hölle entschieden hatte.

Was man mit den Teufelchen machte, fällt mir momentan nicht mehr ein. Natürlich war es schöner, ein Engel zu sein. Die Engel wurden auf einer Schaukel, gebildet aus den Armen der Brückenkinder (oder helfender Erwachsener; zwei Personen stehen sich gegenüber und fassen sich an den Händen, das eine Armpaar wird so zur Sitzbank, das andere zur Rückenlehne) geschaukelt, dazu der Spruch:
Wir wiegen die Engel in Abrahams Schoß,
bimbam, bimbam, die Kette reißt los!
Und bei "reißt los" schaukelte man die Kinder nach vorn und ließ sie von der Schaukel fliegen.


Eine andere Version:

Die Meiersche Brücke die ist zerbrochen
wer hat sie zerbrochen
Der Goldschmied
der Goldschmied
mit seiner jüngsten Tochter
Wir wollen sie wieder bauen lassen
mit Edelstein, mit Bedelstein
den hintersten wollen wir fangen

Die beiden größten Kinder, die sich ohne Mitwissen der andern Namen gegeben haben, bilden durch Hochhalten der Arme ein Tor. Die übrigen fassen sich hintereinander an den Kleidern und gehen während des Gesangs durchs Tor. Ist das hinterste Kind unter das Tor gekommen, so lassen die beiden größten die Arme fallen und fangen dasselbe. Sie fragen es dann: “Willst du hinter das silberne Löffelchen (Name eines der größten Kinder) oder hinter das goldene Gäbelchen (Name des anderen) ? Je nach der Antwort wird das gefragte hinter das den obigen Namen führende Kind gestellt. Dann wird weiter gespielt, bis alle Kinder gefangen sind. [kleine Rechtschreib- und Sprachkorrekturen durch Fontanefan]

Melodie und Text und Kassel , bei Zimmer nr. 50e , mit mangelhaftem Texte (“Meier zur Brücken”) bei Lewalter I, Nr. 18 — nach Deutsches Kinderlied und Kinderspiel (1897)

Samstag, 16. November 2019

Solidaritätslied

Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt? Fassung 1931 Kommt heraus aus Euren Trümmern Kriecht hervor aus Eurer Not Erst wenn wir uns selbst drum kümmern schmeckt uns wieder unser Brot. Vorwärts, und nie vergessen Worin unsre Stärke besteht! Beim Hungern und beim Essen Vorwärts, nie vergessen Die Solidarität! Das die lange Nacht vergehe Die uns so mit Blindheit schlägt Auch für alle Menschen stehe Jetzt was Menschenantlitz trägt. Vorwärts, und nie vergessen Worin unsre Stärke besteht! Beim Hungern und beim Essen Vorwärts, nie vergessen Die Solidarität! Unsre Herrn wer sie auch seien sehen unsre Zweitracht gern Denn so lang sie uns entzweien Bleiben sie ja unsre Herrn. Vorwärts, und nie vergessen Worin unsre Stärke besteht! Beim Hungern und beim Essen Vorwärts, nie vergessen Die Solidarität! Auf ihr Völker dieser Erde Einigt Euch nur eins hat Sinn: Daß sie jetzt die Eure werde Und die Große Nähererin. Vorwärts und nie vergessen Und die Frage konkret gestellt. Vorwärts nie vergessen. Wessen Straße ist die Straße Wessen Welt ist die Welt? Spätere Fassung 1947 Vorwärts, und nie vergessen Worin unsre Stärke besteht! Beim Hungern und beim Essen Vorwärts, nicht vergessen Die Solidarität! Auf, Ihr Völker dieser Erde! Einigt Euch in diesem Sinn: Daß sie jetzt die Eure werde Und die große Nährerin. Vorwärts, Schwarzer, Weißer, Brauner, Gelber! Endet ihre Schlächterein! Reden erst die Völker selber Werden sie schnell einig sein. Vorwärts, Wollen wir es schnell erreichen Brauchen wir noch Dich und Dich. Wer im Stich läßt seinesgleichen Läßt ja nur sich selbst im Stich. Vorwärts, Unsre Herrn, wer sie auch seien Säen unsre Zwietracht gern Denn solang sie uns entzweien Bleiben sie doch unsre Herrn. Vorwärts, Proletarier aller Länder Einigt Euch, und Ihr seid frei. Eure großen Regimenter Brechen jede Tyrannei! Vorwärts, und nie vergessen Die Frage an jeden gestellt Willst Du hungern oder essen: Wessen Morgen ist der Morgen? Wessen Welt ist die Welt? Text: Bertolt Brecht / Ernst Busch Musik: Hanns Eisler
Gesang:
https://www.youtube.com/watch?v=h-s6D8PZQYg
Music: Baritone Vocals - Hermann Hähnel Choir - Rundfunkchor Leipzig Conductor - Adolf Fritz Guhl Orchestra - Rundfunkorchester Leipzig

https://hanns-eisler.de/index.php/de/

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Dämmerstille Nebelfelder,

Dämmerstille Nebelfelder,
Schneedurchglänzte Einsamkeit,
Und ein wunderbarer weicher
Weihnachtsfriede weit und breit.
Nur mitunter, windverloren,
Zieht ein Rauschen durch die Welt.
Und ein leises Glockenklingen
Wandert übers stille Feld.
Und dich grüßen alle Wunder,
Die am lauten Tag geruht,
Und dein Herz singt Kinderlieder,
Und dein Sinn wird fromm und gut.
Und dein Blick ist voller Leuchten,
Längst Entschlaf´nes ist erwacht ...
Und so gehst du durch die stille
Wunderweiche Winternacht.

Wilhelm Lobsien (1872 - 1947)

Dienstag, 8. Oktober 2019

Es schaukeln die Winde

  • 1. Es schaukeln die Winde
    das Nest in der Linde,
    da schließen sich schnell
    die Äugelein hell.
    Da schlafen vom Flügel
    der Mutter gedeckt
    die Vögelchen süß
    bis der Morgen sie weckt.
  • 2. Bei Mütterlein liegen
    die Lämmer und schmiegen
    aus Fell sich so dicht
    und regen sich nicht.
    Sie atmen so leise
    und werden erst wach
    beim Zwitschern der Schwalben
    hoch oben am Dach
  • 3. Nur einzig die Sterne
    am Himmel so ferne,
    ob groß oder klein,
    sie schlafen nicht ein,
    sie schließen die strahlenden
    Augen nicht zu,sie legen sich nicht
    mit den andern zu Ruh.
  • 4. Wenn aber mit Lachen
    die Kinder erwachen,
    das Lämmchen sich reckt,
    der Vogel sich streckt,
    dann müssen die Sterne,
    ob groß oder klein,sie müssen
    ins himmlische Bettchen hinein.
  • 5. Dann der darf nicht singen
    am Morgen und springen,
    wer während der Nacht
    herum tollt und wacht.
    Drum schlaf nur, mein Liebling,
    schlaf selig und fest,
    wie's Lämmchen im Stall,
    wie der Vogel im Nest!
  • Melodie: Engelbert Humperdinck  (1854-1921)

    Text: Elisabeth Ebeling (1828 -1905)

  • Noten: https://www.liederprojekt.org/lied27819-Es-schaukeln-die-Winde.html