Mittwoch, 2. Juni 2021

Wenn ich den Wandrer frage

 Wenn ich den Wandrer frage

Wo kommst du her?
Von Hause, von Hause
spricht er und seufzet schwer.

Wenn ich den Landmann frage:
Wo gehst du hin?
Nach Hause, nach Hause,
Spricht er mit leichtem Sinn

Wenn ich den Freund nun frage:
Wo blüht dein Glück?
Im Hause, im Hause,
Spricht er mit frohem Blick.

Und wenn er mich nun fraget:
Was drückt dich schwer?
Ich kann nicht nach Hause
Hab keine Heimat mehr

Text: F. Hermann von Hermannsthal – 1837 (einige Quellen auch A. Lenz )
Musik: nach Friedrich Brückner – 1837 (auch anonyme Volksweise , nach R. Tschirsch)
andere Schreibweisen: „Wenn ich den Wand’rer frage“ oder „Wenn ich den Wanderer frage“ [Volksliederarchv]

Gesang

Freitag, 21. Mai 2021

Er kann die Welt nicht wärmen (??)

In der dritten Strophe des Liedes "Noch hinter Berges Rande" von Rudolf Alexander Schröder heißt es:

Wir hören froh den Braus
in Herd und Esse lärmen:
Er kann die Welt nicht wärmen,
doch wärmt er Haus bei Haus.

Es wirkt einerseits behaglich, andererseits klingt an, dass es schöner wäre, wenn die gesamte Welt erwärmt werden könnte.
Die unschuldige Vermutung, das ginge nicht,  ist uns durch die menschenverursachte weltweite globale Erwärmung genommen: Anthropozän.

Sonntag, 2. Mai 2021

Vom Berg hinabgestiegen

 

Vom Berg hinabgestiegen
ist nun des Tages Rest;
Mein Kind liegt in der Wiegen,
Die Vöglein all‘ im Nest;
Nur ein ganz klein Singvögelein
Ruft weit daher im Dämmerschein:
„Gut‘ Nacht! gut‘ Nacht!
Lieb‘ Kindlein, gute Nacht!“

Das Spielzeug ruht im Schreine,
Die Kleider auf der Bank,
Ein Mäuschen ganz alleine
Es raschelt noch im Schrank,
Und draußen steht der Abendstern
Und winkt dem Kind aus weiter Fern‘:
„Gut‘ Nacht! gut‘ Nacht!
Lieb‘ Kindlein, gute Nacht!“

Die Wiege geht im Gleise,
Die Uhr pickt hin und her,
Die Fliegen nur ganz leise
Sie summen noch daher.
Ihr Fliegen, lasst mein Kind in Ruh‘!
Was summt ihr ihm so heimlich zu?
„Gut‘ Nacht! gut‘ Nacht!
Lieb‘ Kindlein, gute Nacht!“

Der Vogel und die Sterne,
Die Fliegen rings umher,
Sie haben mein Kind schon gerne,
Die Engel noch viel mehr.
Sie decken’s mit den Flügeln zu
Und singen leise: „Schlaf in Ruh!
Gut‘ Nacht! gut‘ Nacht!
Lieb‘ Kindlein, gute Nacht!“

 Liedtext: Robert Reinick (1805-1852)

Gesang (Youtube)

Donnerstag, 1. April 2021

Nun bricht aus allen Zweigen ... im Maien

 Text: Julius Rodenberg (1831-1914)

Nun bricht aus allen Zweigen

Das maienfrische Grün,
Die ersten Lerchen steigen,
Die ersten Veilchen blühn.
Und golden liegen Thal und Höhn —
O Welt, Du bist so wunderschön
Im Maien!

Und wie die Knospen springen,
Da regt sich's allzumal;
Die munt‘ren Vogel singen,
Die Quelle rauscht zu Thal;
Und freudig schallt das Lustgetön:
O Welt, Du bist so wunderschön
Im Maien!

Wie sich die Bäume wiegen
Im lieben Sonnenschein:
Wie hoch die Vögel fliegen,
Ich möchte hinterdrein;
Möcht' jubeln über Thal und Höhn:
O Welt, Du bist so wunderschön
Im Maien!

Melodie: Agathon Billeter (1834–1881)

Diese Melodie habe ich als erste kennengelernt, und sie gefällt mir am besten.

Andere Versionen: 
https://www.youtube.com/watch?v=hB4rOFwjcMQ (Melodie, aber nicht der Satz von Beethoven, Text verändert)

https://www.youtube.com/watch?v=P3ELSSxGoZE (zweistimmig, die Oberstimme ist eine Variation der Melodie von Billeter)

Montag, 15. März 2021

Ich trag in meinem Ranzen der alten Stiefel zwei

 Ich trag in meinem Ranzen der alten Stiefel zwei

´nen schlechten und ´nen ganzen, heißa, juchhei!
Den ganzen trag ich auf dem Dreck,
Den schlechten auf dem trocknen Fleck,
So zieh ich durch die Welt, hei, wie der Würfel fällt.

Ich trag in meinem Schädel der guten Freunde zwei,
´nen Burschen und mein Mädel, heißa, juchhei!
Zur schlechten Zeit den guten Freund,
Das Mädel, wenn die Sonne scheint, –
So geht es durch die Welt, hei, wie der Würfel fällt.

Sind sie einmal zerrissen, die Stiefel alle beid´,
Zum Teufel sie gerissen, heißa, juchhei!
Dann lauf ich auf der nackten Pfot,
Da schreckt mich weder Dreck noch Kot, –
So geht es durch die Welt, hei, wieder Würfel fällt.

Und bin ich einst verraten, von Freunden alle beid´,
Vom Schatz und Kameraden, heißa, juchhei!
Schlag ich den Freund mir aus dem Sinn
Und denk vom Mädel: hin ist hin! –
So geht es durch die Welt, hei, wie der Würfel fällt.

Ich will nichts, wenn ich wandre, als Kopf und Füße frei!
Dann pfeif ich auf das andre, heißa, juchhei!
Hat alles seinen alten Lauf,
Ein frischer Bursch bleibt obenauf, –
So geht es durch die Welt, hei, wie es mir gefällt!

Text : de Nora () – Musik ? – in Volker (ca. 1927) —

Volksliederarchiv.de

Ich kannte bisher nur eine Version, in der es heißt:

[...] der alten Stiefel zwei

´nen halben und ´nen ganzen, heißa, juchhei!

Den ganzen trag ich, wenn es schneit und kracht
und den halben, wenn die Sonn mir lacht.
Und so fahr ich durch die Welt, hei, wie der Würfel fällt.

Ein typisches Beispiel für ein "zersungenes" Lied.


Donnerstag, 28. Januar 2021

Da oben auf'm Berge

Da oben auf'm Berge 

Refrain: ||:Holla tri hi ja, holla trio, holla tri hi ja, holla trio:|| 

 Da oben, auf'm Berge, da steht ein Gerüst, da werden die Mädchen elektrisch geküsst. 

 Als Frankfurt zu groß ward, da teilt man es ein, in Frankfurt an der Oder und Frankfurt am Main. 

 Jeder Mensch hat 'nen Vogel, und die Jungs haben zwei, aber ärgert euch nicht drüber, denn die Mädchen haben drei. 

Ich steh' auf 'ner Brücke und spucke in'n Kahn, da freut sich die Spucke, dass sie Kahn fahren kann. 

 Da oben, auf'm Berge, wo die Bäume sich biegen, da hau'n sich zwei Kahlköpfe, dass die Haare so fliegen. 

https://www.grasalarm.de/songs/da-oben.htm

Montag, 10. August 2020

Wir wollen zu Land ausfahren

Wir wollen zu Land ausfahren
wohl über die Fluren weit,
aufwärts zu den klaren
Gipfeln der Einsamkeit.
Woll´n lauschen woher der Sturmwind braust,
lauschen was hinter den Bergen haust
und wie die Welt so weit, und wie die Welt so weit.
Fremde Wasser dort springen,
sie soll´n uns´re Weiser sein,
froh wir wandern und singen
Lieder ins Land hinein.
Und glüht unser Feuer an gastlicher Statt,
so sind wir geborgen und schmausen uns satt
und die Flamme leuchtet darein, und die Flamme leuchtet darein.
Und steigt aus tiefem Tale heimlich und still die Nacht,
und sind vom Mondenstrahle Gnomen und Elfen erwacht.
Dämpfet die Stimme, die Schritte im Wald
so hör’n, so schau’n wir manch Zaubergestalt,
die wallt mit uns durch die Nacht, die wallt mit uns durch die Nacht.
Es blüht im Walde tief drinnen die blaue Blume fein,
die Blume zu gewinnen ziehn wir ins Land hinein.
Es rauschen die Bäume, es murmelt der Fluß,
und wer die blaue Blume finden will, der muß
ein Wandervogel sein, ein Wandervogel sein.
Text: Hjalmar Kutzleb (Horant) (1911)
Musik: Kurt von Burkersroda (1912)
Gesang (Es gibt noch problematischere Interpretationen.)