Donnerstag, 1. September 2022

Es steht ein Baum im Odenwald

 

Es steht ein Baum im Odenwald

der hat viel grüne Äst´

da bin ich schon viel tausend mal

bei meinem Schatz ge’west.

 

Da sitzt ein schöner Vogel drauf

Der pfeift ganz wunderschön

Ich und mein Schätzlein lauern nach

Wenn wir mit ´nander gehn.

 

Der Vogel sitzt in seiner Ruh

Wohlauf dem höchsten Zweig

Und schauen wir dem Vogel zu

So pfeift er also gleich.

 

Der Vogel sitzt in seinem Nest

Wohl auf dem grünen Baum

Ach Schätzel bin ich bei dir gwest

Oder ist es nur ein Traum.

 

Und als ich wieder kam zu ihr

Verdorret war der Baum

Ein andrer Liebster stand bei ihr

Jawohl es war ein Traum.

 

Der Baum der steht im Odenwald

und ich bin in der Schweiz

da liegt der Schnee und ist so kalt

mein Herz es mir zerreißt.


(Text von Auguste Pattberg 1808
Melodie von Johann Friedrich Reichardt 1810)

Samstag, 18. Juni 2022

Harmonie der Sterne

 

1. Wie die hohen Sterne
kreisen ewig voller Harmonie,
sollen unsres Lebens Weisen
unverwirret sein wie sie.
In dem Großen, in dem Kleinen,
will der Welten Gott erscheinen.

2. Alle Schöpfung schwingt im Reigen,
Freude heißt ihr hohes Lied.
Nur der Mensch will sich nicht neigen,
läuft nach anderm Glück sich müd.
Freunde, sucht den Sinn der Dinge,
daß auch Freude euch durchdringe.

(Werner Gneist)

Chorgesang (Salzbachchor)

Einzelgesang (Waldorf Lied)

 

Donnerstag, 7. April 2022

Das Lied vom Dackelhund

 Carl Ferdinands

Morgens früh um sechse
steht der Dackel auf,
macht durch Haus und Garten
einen flinken Lauf,
kratzt auf allen Beeten,
riecht an jedem Stein,
wühlt sich in der Asche
bis an die Ohren ein.
Dickel, Duckel, Dackel,
Dackelhund,
frißt den Tag zwei Zentner
und wiegt nur sechs Pfund.
Morgens früh um sieben
bringt der Bäcker Brot,
der Dackel frisst zwei Semmeln,
als wäre Hungersnot,
Milch dazu `nen Teller
warm noch von der Kuh,
wir alle stehen drum herum
und gießen nochmal zu.
Dickel, Duckel, Dackel,
Dackelhund,
frißt den Tag zwei Zentner
und wiegt nur sechs Pfund.
Dann geht er in die Küche
Und hält bis Mittag Wacht,
und gibt auf jeden Brocken
allerbeste Acht:
Schabbelfleisch und Schinken,
Kartoffeln und Gemüs`,
Graupen, Reis und Laberdan,
alles schmeckt ihm süß.
Dickel, Duckel, Dackel,
Dackelhund,
frißt den Tag zwei Zentner
und wiegt nur sechs Pfund.

 

Mittags, wenn wir essen,
sitzt er auch dabei
und kommt zu einem jeden
richtig nach der Reih`:
Der Vater gibt `nen Klaps ihm,
die Mutter lässt ihn stehn,
doch wir Kinder füttern ihn,
das solltet ihr mal sehn.
Dickel, Duckel, Dackel,
Dackelhund,
frißt den Tag zwei Zentner
und wiegt nur sechs Pfund.


Nachmittags gibt’s Knochen und Suppe für den Durst

Abends zu dem Vesperbrot die Schalen von der Wurst.
Kriegt er nachts noch Hunger, frisst er was er find't,
die Troddeln von den Sesseln, die Wichse aus dem Spind.

Dickel, Duckel, Dackel,
Dackelhund,
frißt den Tag zwei Zentner
und wiegt nur sechs Pfund.

(Ergänzt aufgrund des Kommentars)

Freitag, 11. März 2022

Das Lied der Weißen Rose

 Friedrich Gundolf


Schließ Aug und Ohr

Schließ Aug und Ohr für eine Weil
vor dem Getös der Zeit.
Du heilst es nicht und hast kein Heil
als wo dein Herz sich weiht.

Dein Amt ist hüten, harren, sehen
im Tag die Ewigkeit.
So bist du schon im Weltgeschehen
befangen und befreit.

Die Stunde kommt da man dich braucht,
dann sei du ganz bereit.
Und in das Feuer das verraucht,
wirf dich als letztes Scheit.

[Fassung des Erstdrucks in: Jugendland. 
Jungenblätter des Bundes deutscher 
Ringpfadfinder 1931.]


Dies Lied von Friedrich Gundolf aus dem George-Kreis
ist mir erst heute bekannt geworden. Wegen seines Pathos
spricht es mich nicht recht an. Doch der Vers "Und in das
Feuer das verraucht, wirf dich als letztes Scheit."
wirkt aufgrund des Eindrucks der Fragwürdigkeit oder
Sinnlosigkeit. Aufmerksam wird man, wenn man hört, dass
es als "Lied der Weißen Rose" bekannt geworden ist .
Das ist der Grund, weshalb ich es hier aufgenommen habe.
Mehr noch allerdings wegen des höchst lesenswerten
Ich selbst bin sehr dagegen, Aug und Ohr zu verschließen.
Die gute Sache zu verteidigen sollte man immer bereit sein,
freilich kommt es immer auf die Verhältnismäßigkeit der
Mittel an. Doch nicht ohne guten Grund steht in Artikel 20
Absatz 4 des Grundgesetzes der BRD:
"Gegen jeden, der es unternimmt, diese [demokratische]
Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht
zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist."
Das heißt, man sollte rechtzeitig handeln, bevor "andere
Abhilfe nicht möglich ist".
Haltet Augen und Ohren offen, bevor es zum "letzten
Scheit" kommt, ist daher die demokratische Devise.

Montag, 13. September 2021

Zwischen Berg und tiefem, tiefem Tal

 Zwischen Berg und tiefem, tiefem Tal

saßen einst zwei Hasen,
fraßen ab das grüne, grüne Gras
fraßen ab das grüne, grüne Gras
bis auf den Rasen.

Als sie sattgefressen warn,
setzten sie sich nieder,
bis das der Jäger kam
und schoß sie nieder.

Als sie sich nun aufgesammelt hatten
und sich besannen,
daß sie noch Leben hatten,
liefen sie von dannen.

Zwischen Berg und tiefem, tiefem Tal (sieh auch: Volksliederarchiv)

Aus diesem Lied entwickelter Songtext von Ronny

Was Adorno dazu brachte, dieses Lied sehr zu schätzen, spricht er hier aus:

"Seit ich denken kann, bin ich glücklich gewesen mit dem Lied: 'Zwischen Berg und tiefem tiefem Tal' von den zwei Hasen, die sich am Gras gütlich taten, vom Jäger niedergeschossen wurden, und als sie sich besonnen hatten, daß sie noch am Leben waren, von dannen liefen. Aber erst spät habe ich die Lehre darin verstanden: Vernunft kann es nur in Verzweiflung und Überschwang aushalten; es bedarf des Absurden, um dem objektiven Wahnsinn nicht zu erliegen. Man sollte es den beiden Hasen gleichtun; wenn der Schuss fällt, närrisch für tot hinfallen, sich sammeln und besinnen, und wenn man noch Atem hat, von dannen laufen. Die Kraft zur Angst und die zum Glück sind das gleiche…".

(zitiert nach Klaus Theweleits Dankesrede für den Adorno-Preis, FR 13.9.21, S.20)

Später zitiert Theweleit dann den Satz Adornos: "Glück hat man nicht; im Glück ist man." 

Freitag, 10. September 2021

Singspiel für Kinder aus den 1950er Jahren

 In den 1950er Jahren wurde in Hessen mehrmals ein Singspiel für Kinder aufgeführt, das auf Texte aus einer fantastischen Oper von Kotzebue zurückgriff. 

Mehrere Personen können sich an Melodien zu Teilen der folgenden Texte erinnern. Aber keiner von denen, die ich kenne, weiß, wann und von wem das Singspiel aufgeführt worden ist. Ich würde mich freuen, wenn zufällig jemand diesen Blogeintrag liest, der sich noch daran erinnern kann. 

Hier die Textausschnitte, von denen ich die Melodien dazu kenne:

August Kotzebue: Die Brillen-Insel Eine fantastische Oper in 2 Aufzügen 1841

1. Aufzug 8. Szene

Ihr Vögel, zwitschert Gesang der Wonne!
Ihr Felsen in freudiger Rührung kracht!
Verneige dich, o Morgensonne!
Der Sultan kommt in seiner Pracht!

Sultan (gähnend). Haltet die Mäuler! Wir haben das schon oft gehört – die Sonne verneigt sich täglich vor uns, allein auch darin finden wir kein hohes Belieben mehr. Wer ist diese fremde Figur? [...]


[...] Sult. Nun, so gehn wir. (Er gähnt)

Gähnendes [!] Chor

Pflichtschuldigst gähnet, ihr Getreuen!

Der große Sultan hat gegähnt!
Doch wird ein Lächeln ihn erfreuen,
So lacht, bis euch das Auge thränt.

Ehrmann (zugleich).
Sie wechseln die gefärbten Brillen,

Sie jauchzen blind im Beifall zu,
Orakel sind des Herrschers Grillen,
Oh Welt! c'est tout comme cher nous..
(Der Vorhang fällt.)


2. Aufzug, 7. Szene

Er ist da! er ist da!

In seiner Gloria!

Die Freude will uns ersticken!

Wir wissen vor Entzücken
Uns gar nicht zu lassen,

Uns gar nicht zu fassen,

Freitag, 9. Juli 2021

 

Fredric Vahle: SCHLAFLIED FÜR ANNE

Schlaf Anne, schlaf nur ein, bald kommt die Nacht
Hat sich aus Wolken Pantoffeln gemacht
Kommt von den Bergen, kommt von ganz weit
Schlaf Anne, schlaf nur ein, es ist Schlafenszeit [...]

vollständiger Text und (zahlungspflichtig bei Amazon) Melodie