Samstag, 4. Mai 2019

Zogen einst fünf wilde Schwäne

Zogen einst fünf wilde Schwäne,
Schwäne leuchtend weiß und schön.
„Sing, sing, was geschah?“
Keiner ward mehr gesehn.

Wuchsen einst fünf junge Birken
grün und frisch an Bachesrand
„Sing, sing, was geschah?“
Keine in Blüten stand.

Zogen einst fünf junge Burschen
stolz und kühn zum Kampf hinaus.
„Sing, sing, was geschah?“
Keiner kehrt nach Haus.

Wuchsen einst fünf junge Mädchen
schlank und schön am Memelstrand.
„Sing, sing, was geschah?“
Keins den Brautkranz wand.

mehr dazu:
Wikipedia

In Haltung und Struktur ähnlich:

Sag mir wo die Blumen sind,
wo sind sie geblieben
Sag mir wo die Blumen sind,
was ist geschehen?
Sag mir wo die Blumen sind,
Mädchen pflückten sie geschwind
Wann wird man je verstehen,
wann wird man je verstehen?

Sag mir wo die Mädchen sind,
wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Mädchen sind,
was ist geschehen?
Sag mir wo die Mädchen sind,
Männer nahmen sie geschwind
Wann wird man je verstehen?
Wann wird man je verstehen?

Sag mir wo die Männer sind
wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Männer sind,
was ist geschehen?
Sag mir wo die Männer sind,
zogen fort, der Krieg beginnt,
Wann wird man je verstehen?
Wann wird man je verstehen?

Sag wo die Soldaten sind,
wo sind sie geblieben?
Sag wo die Soldaten sind,
was ist geschehen?
Sag wo die Soldaten sind,
über Gräben weht der Wind
Wann wird man je verstehen?
Wann wird man je verstehen?

Sag mir wo die Gräber sind,
wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Gräber sind,
was ist geschehen?
Sag mir wo die Gräber sind,
Blumen wehen im Sommerwind
Wann wird man je verstehen?
Wann wird man je verstehen?

Sag mir wo die Blumen sind,
wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Blumen sind,
was ist geschehen?
Sag mir wo die Blumen sind,
Mädchen pflückten sie geschwind
Wann wird man je verstehen?
Wann wird man je verstehen?

Wikipedia

Sonntag, 28. April 2019

Maikäfer flieg

Im heutigen Niedersachsen lautete der Text laut der Volks-Sagen von Otmar (1800):[5]
Maykäfer, flieg!
Der Vater ist im Krieg.
Die Mutter ist im Pommerland.
Und Pommerland ist abgebrandt.
Im heutigen Hessen lautete der Text laut Des Knaben Wunderhorn (1806):[3]
Maykäfer flieg,
Der Vater ist im Krieg,
Die Mutter ist im Pulverland,
Und Pulverland ist abgebrannt.
In Thüringen existierte eine Variante, die allerdings eine andere Melodie hatte:[6]
Marienkäfer fliege
dein Vater ist im Kriege
deine Mutter ist in Engelland
Engelland ist abgebrannt
Aus der Zeit nach der Revolution von 1848/49 sind mehrere Varianten des Liedes überliefert, die eine Verbindung mit dem Revolutionsführer Friedrich Hecker herstellen.[7]
Der Maiakäfer fliegt,
Der Häcker ist em Kriag,
Der Häcker ist em Oberland,
Der Häcker ist em Unterland.
     Warmbronn, OA Leonberg, Württemberg[7]
Kåəferlə, Kåəferlə fliag!
Dər Heckər išt im Kriag,
Dər Struve išt im Obərland.
Und macht d’Republik bəkannt.
     Ulm[7]
Maikäfer flieg!
Der Hecker ist im Krieg,
Der Struve ist im Oberland,
Macht die Republik bekannt.
     Forst, Bayr. Pfalz[7]
Kiéwerlénk fléi,
Deng Mamm déi ass am Klé,
Déi Papp as an der Frûcht,
Kiéwerlénk fléi an d'Lûcht.
     (18. Jahrhundert aus Luxemburger Volksliedsammlung)

zitiert nach Wikipedia: Maikäfer flieg, dort finden sich auch Erklärungen zu den verschiedenen Versionen.

Donnerstag, 11. April 2019

Wahre Freundschaft

Wahre Freundschaft soll nicht wanken,
wenn man gleich entfernet ist,
lebet fort noch in Gedanken
und der Treue nicht vergißt.

Keine Ader soll mir schlagen
wo ich nicht an dich gedacht;
für dich werd ich Liebe tragen
bis in tiefe Todesnacht.

Wenn der Mühlstein traget Reben,
und daraus fließt süßer Wein,
wenn der Tod mir nimmt das Leben,
hör ich auf dein Freund zu sein.

Jetzo schlägt die Trennungsstunde,
reißt gewaltsam mich von dir;
es schlägt zu früh die Scheidestunde,
ach, ich fand mein Glück in dir!

So nimm denn hin vom blassen Munde
den Abschiedskuß, der weinend spricht,
und denk an diese Trennungsstunde,
oh einz'ger Freund, vergiß mein nicht!

Im Stillen werd ich Tränen weinen
und träumend dir zur Seite stehn,
und seh ich Gottes Sonne scheinen
werd ich für dich um Segen flehn.

Wahre Freundschaft soll nicht wanken ist seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bekannt.

Donnerstag, 28. März 2019

Rote Wolken am Himmel

1. Version (Huxlipux):

Rote Wolken am Himmel,
von den Bergen der Föhn,
und ich freu mich, und ich freu mich,
dass die Erde so schön.
Schwarze Beeren im Walde,
rote Rosen im Hag,
und ich freu mich, und ich freu mich,
auf den kommenden Tag.
Doch sie sagen, dass der Herbst kommt
und die Blätter falln vom Baum,
und die Freude, ja die Freude,
sie vergeht wie ein Traum
Kommt der Herbst auch und der Winter
gibt es dennoch ein Glück,
denn ein jeder neue Frühling
bringt die Freude zurück.
2. Version (mdl. Überlieferung):
Rote Wolken am Himmel,
von den Bergen der Föhn,
und ich freu mich, ja ich freu mich,
ist der Morgen so schön.
Rote Rosen am Hügel
rote Beeren am Hag,
und ich freu mich, ja ich freu mich,
am sonnigen Tag.
Und sie sagen, der Herbst kommt
und das Blatt fällt vom Baum,
und die Freude, ja die Freude,
vergehe wie ein Traum.
Kommt der Herbst dann und Winter
hab ich dennoch mein Glück,
denn ein jeder neue Frühling
bringt die Rosen zurück.

Diese unterschiedlichen Versionen zeugen davon, dass das Lied weitgehend mündlich überliefert worden ist. Dabei sind die Zeilen, die durch das Reimschema festgelegt sind, offenkundig sicherer überliefert worden als die anderen. 


Dienstag, 26. Februar 2019

Abends treten Elche aus den Dünen

Abends treten Elche aus den Dünen
ziehen von der Palve an den Strand
Wenn die Nacht, wie eine gute Mutter
leise deckt ihr Tuch auf Haff und Land

Ruhig trinken sie vom großen Wasser,
darin Sterne wie am Himmel stehn
Und sie heben ihre starken Köpfe
lautlos in des Sommerwindes Wehn

Langsam schreiten wieder sie von dannen,
Tiere einer längst vergangnen Zeit.
Und sie schwinden in der Ferne Nebel
wie im hohen Tor der Ewigkeit

Text: Heinrich Eichen (vor 1933)
Musik: Gerd Lascheit 

mehr dazu: 

Montag, 4. Februar 2019

Dos Kelbl - Das Kälbchen (Donna Donna)

Dos Kelbl 
Ojfn Forel ligt a Kelbl
ligt gebundn mit a schtrik
- hojch in Himl fligt a Fojgl,
fligt un drejt sich hin un ts'rik.

Lacht der Wind in Korn,
lacht un lacht un lacht
- lacht er op a Tog a gantsn
un a halbe Nacht.
Donaj, donaj, donaj, donaj,
donaj, donaj, donaj, daj.
Donaj, donaj, donaj, donaj,
donaj, donaj, donaj, daj.

Schrejt dos Kelbl, sogt der Pojer:
"Wer - sshe hejst dich sajn a Kalb?
Wolst gekent, doch sajn a Fojgl,
wolst gekent doch sajn a Schwalb!"

Bidne Kelblech tut men bindn,
un men schlept sej un men schecht.
Wer's hot Fligl, flit arojf tsu,
is bei kejnem nischt kejn Knech

Aaron Zeitlin (Text) und Sholom Secunda (Melodie)

Gesang (Joan Baez)

Das Kälbchen
Auf dem Wagen liegt ein Kälbchen,
liegt da, gefesselt mit einem Strick.
Hoch im Himmel fliegt ein Vogel,
fliegt und flitzt hin und zurück.

Da lacht der Wind im Kornfeld,
lacht und lacht und lacht,
lacht den ganzen Tag über
und noch die halbe Nacht.

Donaj, donaj, donaj, donaj,
donaj, donaj, donaj, daj.
Donaj, donaj, donaj, donaj,
donaj, donaj, donaj, daj.

Das Kälbchen schreit, der Bauer sagt:
"Wer hat dich geheissen, ein Kalb zu sein??
Du hättest doch auch ein Vogel werden können!
Du hättest doch auch eine Schwalbe werden können!"

Die armen Kälblein - sie werden gefesselt
und geschleift und geschlachtet. -
Wer Flügel hat, fliegt aufwärts,
macht sich bei keinem zum Knecht!
 


Donna Donna (Wikipedia)

Mittwoch, 30. Januar 2019

Ich freue mich auf die Blumen rot

Ich freue mich auf die Blumen rot,
die uns der Frühling bringen will.
Sie litten eh'stens große Not
vor Schnee und Frost geborgen still.
Der Frühling uns ergötzen soll
mit manchem jubeltrunknen Tage.
Des ist die Welt nur Glückes voll.

Was aber soll mir Lenz und Licht
und die besonnten langen Tage,
erhört mich meine Herrin nicht,
von der eine wundes Herz ich trage.
Will sie entflammen mein Gemüt,
das wäre gut und hold getan,
dass Lebenslust mir neu entblüht.

Wenn ich mich von der Liebsten scheide,
ich nimmer glücklich werden kann.
Dann sterbe ich vielleicht vor Leide,
Weh, dass zu hoffen ich begann!
Der Minne Rätsel fremd mir sind,
mich lässt die Liebe sehr entgelten,
dass ich an Jahren bin ein Kind.

Ernst Lothar von Knorr 
(nach König Konradin, 13. Jahrhundert)

Gesang