Freitag, 30. November 2018

Nacht bricht an


Nacht bricht an, 
unser Tagwerk ist getan; 
bis der Morgen wieder lacht, 
gute Nacht, gute Nacht!

(4-stimmiger Kanon von Karl Marx)


Dienstag, 20. November 2018

Im Wald da sind die Räuber

Der Refrain ist mir - zurecht gesungen - im Kopf: 
"In dem Wald, da sind die Räuber, 
halli, hallo die Räuber, 
wohl in dem grünen Wald, juchhei!"

Dabei ist "juchhei!" offenbar nur ein Pausenfüller, um danach 
gleich wieder mit dem Refrain einzusetzen.

Im Internet gibt es mehrere verschiedene Liedanfänge dazu,
die aber offenbar sehr jungen Datums sind
Ich bin überzeugt, dass es dies Lied noch in weit mehr Versionen gibt als in der unten 
zitierten, die in der MosaPedia verlinkt ist. Wer kennt eine, die ihm älter zu sein scheint
als die bisher im Internet zu findenden.
Ein Mädchen ging mal in den Wald,
ja in den grünen Wald.
Und als sie kam ins tiefe Tal
rief plötzlich eine Stimme: Halt!
Denn im Wald da sind die Räuber,
halli hallo die Räuber,
die war'n in sie verknallt.

Da rief ein wilder Räubersmann,
oh Mädchen werde mein.
Das Mädchen rief: Ich laß mich nicht
auf solche Sachen ein!
Laß uns lieber Brombeer'n pflücken,
ja lieber Brombeer'n pflücken,
ja das muß herrlich sein

Und als sie aus dem Wald raus kam,
da schlug ihr Herz vor Glück.
Drum sehnt sie sich zum Brombeerstrauch
und in den Wald zurück.
Denn im Wald da sind die Räuber,
halli hallo die Räuber,
die machen gern Musik.

Und wenn du eine Schwiegermutter hast,
dann schick sie in den Wald
und setz sie auf den allerhöchsten Ast,
dann werden ihr die Füße kalt.
Denn im Wald da sind die Räuber,
halli hallo die Räuber,
die holen deine Schwiegermutter bald.



Mittwoch, 14. November 2018

Flamme empor!

|:Flamme empor!:|

Steige mit loderndem Scheine 
von den Gebirgen am Rheine
|:leuchtend empor.:|

Aus Kindheit und Jugend erinnere ich mich an dies Lied, das bei feierlichen Gelegenheiten am Feuer gesungen wurde. 
Wie üblich hat es sich in meiner Erinnerung etwas vom Text im Liederbuch entfernt, wo es "auf die Gebirge" und "glühend empor" heißt und vier Strophen hat, von denen ich mich allenfalls an die zweite vage erinnerte.

Was entdecke ich jetzt? Das Gedicht hat 10 Strophen, in denen Jehova und Germanien in derselben Strophe vorkommen, und es wurde 1814 zum Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig gedichtet. 

Und der Text in der 3. Zeile der 1. Strophe lautet auf den Gebirgen.
Man sieht, der Verfasser des Gedichts hat erreicht, was er wollte: Das Gedicht wurde zum Volkslied und vom Volk zersungen. Freilich nicht sehr.

Volkslied

bei dem Siegesfeuer am 18. Oktober zu singen.

Nach der Weise: Feinde ringsum...

Flamme! empor -
Steige mit loderndem Scheine
Auf den Gebirgen am Rheine
Glühend empor!

Siehe! Wir stehn
Treu im geweiheten Kreise,
Dich zu des Vaterland’s Preise
Brennen zu sehn.

Heilige Glut!
Rufe die Jugend zusammen,
Dass bei den zischenden Flammen
Wachse der Mut.

Hier auf den Höhn
Leuchte du brennendes Zeichen,
Dass alle Feinde erbleichen,
Wenn sie dich sehn.

Finstere Nacht
Lag auf Germaniens Auen,
Da ließ Jehova sich schauen,
Der uns bewacht.

„Licht brich herein“
Sprach er, da sprühten die Flammen,
Schlugen in Gluten zusammen
Über dem Rhein.

Und er ist frei,
Flammen umbrausen die Höhen,
Die um den Herrlichen stehen,
Jauchzt! Er ist frei.

Stehet vereint
Brüder! Und lasst uns mit Blitzen
Unsre Gebirge beschützen
Gegen den Feind.

Leuchtender Schein!
Siehe! wir singenden Paare
Schwören am Flammenaltare:
„Deutsche zu sein.“

Höre das Wort,
Vater, auf leben und Sterben,
Hilf uns die Freiheit erwerben,
Sei unser Hort!


Melodie von Carl Ludwig Traugott Gläser sieh hier und zum ursprünglichen Text "Feinde ringsum" hier, dieser ursprüngliche Text stammt von Carl Gottlob Cramer.

Die im Internet angegebenes Melodie ist vermutlich die originale von Glaeser. Gesungen habe ich stets die, die in der letzten Halbzeile nicht in absteigender Linie zum Ausgangston zurückführt, sondern die zur Oktave hinaufführt, wie es zum Text "Flamme empor" und zur Siegesfeier besser passt. Diese Melodie findet sich z.B. in "Lebendiges Lied" von Hans Rempel Mittelhessische Druck- und Verlagsgesellschaft mbH Gießen 1977, S.182


Freitag, 2. November 2018

Hans Spielmann, der hat eine einzige Kuh

1.
|: Hans Spielmann, der hat eine einzige Kuh, :|
|: verkauft seine Kuh, kriegt 'ne Fiedel dazu, :|
Du gute, alte Violin, ja Violin, du Fiedel mein!

2.
|: Hans Spielmann, der spielt und die Fiedel, die sang, :|
|: das Mädel tat weinen, der Bursche, der sprang. :|
Du gute, alte Violin, ja Violin, du Fiedel mein!

3.
|: Und werd ich so alt wie der älteste Baum, :|
|: ich tauscht' für 'ne Kuh meine Fiedel wohl kaum! :|
Du gute, alte Violin, ja Violin, du Fiedel mein!

4.

|: Und werd ich so alt wie das Moos auf dem Stein, :|
: ich tauscht für 'ne  Kuh, meine Fiedel nicht ein :|
Du gute, alte Violin, ja Violin, du Fiedel mein!

(labbe.de/liederbaum)


Meine Varianten:


verkauft er die Kuh,


Du gute, alte Violin, du Violin, du Fiedel mein!


Und werd ich so alt wie das Moos auf dem Haus

ich geb meine gut alte Violin nicht raus

Ich bin der Mönch Waltramus

Ich bin der Mönch Waltramus
Dem sel´ges Leid geschah
Ich läute die Abendglocken
Vale carissima
Es steht ein´ Burg am Berge
Wo ich die Traute sah
Mein Herz klingt in die Glocken
Vale carissima

Fern soll mir stehen Minne
Und stand mir doch so nah
Es steht ein Klost´r im Tale
Vale carissima
Text: Karl Stieler (1842-1885)
Musik: Emil Haase 
Die Version, die ich in Erinnerung habe, hat folgende Varianten: 
Dem schweres Leid geschah
Mein Herz schlägt in die Glocken
Fern sollte mir stehen Minne
Und steht mir doch so nah
Meine Version scheint mir psychologisch wahrscheinlicher. Freilich, überzeugendere Psychologie bedeutet noch nicht größere Kunst. Bei diesem rührseligen Lied sehe ich es anders. 

Sonntag, 28. Oktober 2018

Ich will dir was erzählen ...

Der Kinderreim, den ich in Erinnerung habe, klang bei mir so:

Ich will dir was erzählen
von der Mummerelen.
Mummerelen hat 'nen Garten,
hier nen Garten, da nen Garten.
In dem Garten steht ein Haus,
hier ein Haus, da ein Haus.
In dem Hause steht ein Tisch,
hier ein Tisch, da ein Tisch.
Auf dem Tisch, da liegt ein Buch,
hier ein Buch, da ein Buch.
In dem Buch, da steht geschrieben,
hier geschrieben, da geschrieben:
Du sollst Vater und Mutter lieben.

Als ich älter wurde, dachte ich mir schon, dass es wohl um eine Muhme (Tante) ging.

Heute habe ich nun eine weit ausführlichere Version  mit Muhme im Internet gefunden.


Ich will dir was erzählen
von der Muhme Rählen
Diese Muhme hatte einen Garten
und das war ein Wundergarten
In dem Garten stand ein Baum
und das war ein Wunderbaum
Auf dem Baum da waren Äste
und das waren Wunderäste
an den Ästen waren Zweige
und das waren Wunderzweige
an den Zweigen waren Blätter
und das waren Wunderblätter
An den Blättern war ein Nest
und das war ein Wundernest
In dem Neste lagen Eier
und das waren Wundereier
aus den Eiern kamen Vögel
und das waren Wundervögel
Diese Vögel hatten Federn
und das waren Wunderfedern
aus den Federn ward ein Bettchen
und das war ein Wunderbettchen
vor dem Bettchen stand ein Tischchen
und das war ein Wundertischchen
auf dem Tischchen lag ein Buch
und das war ein Wunderbuch
In dem Buche stand geschrieben
Du sollst deine Eltern lieben!“



In der Wikipedia findet sich im Artikel Muhme folgender Reim aus dem 19. Jahrhundert:

Ich will dir was erzählen
von der Muhme Rälen,
von der Muhme Zitzewitz
mit der spitzen Zipfelmütz,
von der langen Leberwost,
wo der Zippel ’n Dreier kost.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Muhme)

Weitere ähnliche Verse finden sich hier:
https://www.volksliederarchiv.de/alte-kinderreime/ich-will-dir-was-erzaehlen/

Ganz ähnlich wie ich hat offenbar schon Walter Benjamin den Vers gehört. Darüber schrieb er 1933 unter dem Pseudonym Detlef Holz in der Vossischen Zeitung den Text "Die Mummerehlen". 
"In einem alten Kinderverse kommt die Muhme Rehlen vor. Weil mir nun „Muhme“ nichts sagte, wurde dies Geschöpf für mich zu einem Geist: der Mummerehlen. Das Mißverstehen verstellte mir die Welt. Jedoch auf gute Art; es wies die Wege, die in ihr Inneres führten. [...]"
(https://de.wikisource.org/wiki/Die_Mummerehlen)


Sonntag, 21. Oktober 2018

Es kamen grüne Vögelein

Es kamen grüne Vögelein
Text: Friedrich Rückert , 1823 (1788-1866)
Melodie   : Joseph Gernsbach (1787-1830)
Es kamen grüne Vögelein
geflogen her vom Himmel
und setzten sich im Sonnenschein
im fröhlichen Gewimmel
all an des Baumes Äste
und saßen da so feste
als ob sie angewachsen sei´n
Sie schaukelten in Lüften lau
auf ihren schwanken Zweigen
Sie aßen Licht und tranken Tau
und wollten auch nicht schweigen
Sie sangen leise, leise
auf ihre stille Weise
von Sonnenschein und Himmelsblau
Wenn Wetternacht auf Wolken saß
so schwirrten sie erschrocken
sie wurden von dem Regen naß
und wurden wieder trocken,
Die Tropfen rannen nieder
vom grünenden Gefieder
und desto grüner wurde das
Da kam am Tag der scharfe Strahl
ihr grünes Kleid zu sengen
und nächtlich kam der Frost einmal
mit Reif es zu besprengen.
Die armen Vöglein froren
ihr Frohsinn war verloren
ihr grünes Kleid ward bunt und fahl
Da trat ein starker Mann zum Baum
und hub ihn an zu schütteln
vom oberen bis zum unteren Raum
mit Schauer zu durchrütteln
Die bunten Vöglein girrten
und auseinander schwirrten
wohin sie flogen, weiß man kaum