Mittwoch, 2. Mai 2018

Wir radeln durch das Land

1. Wir radeln durch das Land
auf grauer Straßen Rand
und pfeifen wie ein Fink dabei.
|: Wir fahren in den Morgen
   ohne uns zu sorgen,
   wo am Abend Herberg für uns sei. :|

2. Die Bäume an der Seit,
die geben uns Geleit
und fassen manchmal uns beim Schopf.
|: Da fassen wir sie wieder,
   sie sind ja unsre Brüder,
   fällt auch mal ein Apfel in den Topf. :|
3. Bergauf, da geht es schwer,
doch wart nur hinterher,
zu Tal wir fliegen pfeil geschwind.
|: Die Sonne soll uns scheinen
   und die Haut uns Bräunen,
   treiben soll wie Segel uns der Wind. :|

4. Wir lieben den Asphalt
den ebnen Weg am Wald,
die Straße an dem kühlen Fluß.
|: Wir sehn so manches Städtchen,
   und so manche Mädchen
   rufen im Vorbeifahrn einen Gruß. :|
 
5. Wir haben wenig Brot
und kennen auch die Not,
im Beutel ist kein Pfennig Geld.
|: Doch trau'n wir auf den droben,
   den wir fröhlich loben,
   der uns schenkt die wunderweite Welt. :|

Donnerstag, 12. April 2018

Nun sich der Tag geendet hat

Nun sich der Tag geendet hat, und keine Sonne mehr scheint,
schläft alles, was sich abgematt' und was zuvor geweint.

Nur ich, ich gehe hin und her und suche, was mich quält,
ich finde nichts als ungefähr, das was mich ganz entseelt.

Ihr Sterne hört zwar meine Not, ihr helft mir aber nicht,
denn euer Einfluß macht mich tot und blendet mein Gesicht.

Du Schöne bist in Schlaf gebracht und liegst in stiller Ruh;
ich aber geh' die ganze Nacht und tu' kein Auge zu.

Erhöre doch den Seufzerwind, der durch die Fenster geht,
der sagt dir, wie du mich entzünd't, und wie es mit mir steht.

Bist du der Ursprung meiner Pein, so such' ich bei dir Rat,
durch dich kann mir geholfen sein! Ach, tu es in der Tat.

Indessen habe gute Nacht, du meine Lust und Pein,
und wenn du morgen aufgewacht, so laß mich bei dir sein.

Geistliche Version:
1. Nun sich der Tag geendet hat
und keine Sonn mehr scheint,
schläft alles, was sich abgematt
und was zuvor geweint.

2. Nur du, mein Gott, hast keine Rast,
du schläfst noch schlummerst nicht;
die Finsternis ist dir verhaßt,
weil du bist selbst das Licht.

3. Gedenke, Herr, doch auch an mich
in dieser schwarzen Nacht
und schenke du mir gnädiglich
den Schirm von deiner Macht!

4. Zwar fühl ich wohl der Sünden Schuld,
die mich bei dir klagt an;
ach aber deines Sohnes Huld
hat gnug für mich getan.

5. Den setz ich dir zum Bürgen ein,
wenn ich muß vor´s Gericht;
ich kann ja nicht verloren sein
in solcher Zuversicht.

6. Drauf tu ich meine Augen zu
und schlafe fröhlich ein,
mein Gott wacht jetzt in meiner Ruh,
wer wollte traurig sein?

7. Weicht, nichtige Gedanken hin,
wo ihr habt euren Lauf,
ich baue jetzt in meinem Sinn
Gott einen Tempel auf.

8. Soll diese Nacht die letzte sein
in diesem Jammertal,
so führ mich, Herr, in Himmel ein
zur auserwählten Zahl.

9. Und also leb und sterb ich dir,
mein Gott, Herr Zebaoth,
im Tod und Leben hilfst du mir
aus aller Angst und Not.



(Kindergebetelied, Autor: Joh. Friedr. Herzog (1647 - 1699)  EG 478

Freitag, 20. Oktober 2017

Lueget vo Bärg u Tal u.a.

https://www.youtube.com/watch?v=htSc-8lj_ds  Lueget vo Bärg u Tal

https://www.youtube.com/watch?v=GJcz8iNN8W4 If ye love me

Wacht auf, wacht auf - Wachet auf, wachet auf

Wacht auf, wacht auf ihr Schläfer!
Der Morgen ist schon da.
Die Sonne ist aufgegangen
und kündet an den Tag.

Morgenlied von Gerhard Böhme, 1953


Wachet auf, wachet auf, es krähet der Hahn,
die Sonne betritt die goldene Bahn.

Kanon, Notenblatt und Melodie

Mittwoch, 30. August 2017

Jauchzende Jungen

Jauchzende Jungen
Auf dem Rücken ihrer Pferde
Ohne Sättel an die Mähne festgekrallt
Staub wirbelt auf
Es dröhnt vom Hufschlag die Erde
Hei so jagen wir vorwärts
Daß die Seidenfahne knallt
Prall stehn die Segel
Peitscht der Salzwind die Wogen
Und die Möwen folgen kreischend uns im Heck
Uns hat das Meer
In seinen Bann gezogen
Wenn die schäumenden Brecher
Über Bug und Deck

Jagen die Schier
Von den glitzernden Hängen
Und mit federleichten Schwüngen steil ins Tal
Dröhnt unsre Hütte
Nachts von wilden Gesängen.
Ist dein Leben entschieden
Denn es bleibt dir keine Wahl

Glühende Funken
Sprühn aus lodernden Flammen
Schwingen sich mit unsern Liedern sternenwärts
Schaffender Geist
Kann nur dem Feuer entstammen,
Hei, so seid wie das Feuer
Das noch stärker ist als Erz!
Text und Musik: Siegfried Schmid , 1949 (Volksliederarchiv)

Mit den weiteren Strophen des Liedes "Wilde Gesellen" hat sich offenbar in meinem Gedächtnis das Tor zu Fahrtenliedern geöffnet und die treibende Melodie dieses jungen Liedes geht mir durch den Kopf. 
Über die erste Strophe hinaus gibt mein Gedächtnis nichts frei. Die Mundorgel liefert mir zwei weitere Strophen, an die ich mich gut besinnen kann, die vierte, die hier steht, war mir unbekannt. 
dazu: Peter Reuter: Pfeifen auf die Mundorgel ZEIT 2003

Sonntag, 27. August 2017

Wilde Gesellen, vom Sturmwind durchweht

Dies Lied ist in der Zeit der Weimarer Republik bekannt geworden. Offenbar war es eines der beliebtesten Marschlieder in der Bundeswehr (mehr zu dem Lied).
Erst in diesen Tagen wurde mir merkwürdig, dass die Formulierung "ehrlos bis unter den Boden" den Sängern offenbar ohne Probleme von den Lippen ging. Die Stimmung des Trotzes scheint den Textinhalt völlig zu überdecken.
Welcher Bundeswehrsoldat klopfte bei "Veit oder Velten" und zählte das Wort "huldig" zu seinem Sprachschatz?
Im Text gibt es noch manches, was zum Bundeswehrsoldaten oder gar zum Angehörigen der Wehrmacht des NS-Regimes nicht passte. Das Lied aber wurde gesungen.

1.
Wilde Gesellen vom Sturmwind durchweht,
Fürsten in Lumpen und Loden,
ziehn wir dahin bis das Herze uns steht,
ehrlos bis unter den Boden.
Fiedel, Gewand* in farbiger Pracht
trefft keinen Zeisig ihr bunter,
ob uns auch Speier und Spötter verlacht,
Uns geht die Sonne nicht unter.

*auch: "Fiedelgewandt" und "Fiedel gewandt"

2.
Ziehn wir dahin durch Braus und durch Brand,
klopfen bei Veit und Velten.
Huldiges Herze und helfende Hand
sind ja so selten, so selten.
Weiter uns wirbelnd auf staubiger Straß’
immer nur hurtig und munter;
Ob uns der eigene Bruder vergaß,
uns geht die Sonne nicht unter.

3.
Aber da draußen am Wegesrand,
dort bei dem König der Dornen.
Klingen die Fiedeln ins weite Land,
klagen dem Herrn unser Carmen.
Und der Gekrönte sendet im Tau
tröstende Tränen herunter.
Fort geht die Fahrt durch den wilden Verhau,
Uns geht die Sonne nicht unter.

4.
Bleibt auch dereinst das Herz uns stehn
Niemand wird Tränen uns weinen.
Leis wird der Sturmwind sein Klagelied wehn
trüber die Sonne wird scheinen.
Aus ist ein Leben voll farbiger Pracht,
zügellos drüber und drunter.
Speier und Spötter, ihr habt uns verlacht,
Uns geht die Sonne nicht unter.


 Ernst Busch hat das Lied 1937 umgedichtet: Die letzte Strophe der neuen Version lautete:
Verfolgt und verraten, vom Kerker bedroht:
Freiwild für die Gestapo-Schergen.
Zerfetzt und zerschossen, die Fahne blutrot,
Sie ging mit durch Tod und Verderben.
Wir war ’n Verräter an Hitlers Staat.
Und wir sind stolz auf unser Verbrechen.
Wir war ’n die Jugend des Hochverrats:
Uns konnt’  kein Gegner zerbrechen.
Es gab offenbar sogar eine Version, die im KZ gesungen wurde.
Eine neuere Version von Die Streuner

Bei Youtube die Melodie

Nochmals empfehle ich die Seite zum Lied von Georg Nagel.

Bemerkenswert finde ich - was bei Nagel nicht angesprochen wird -, dass bei "König der Dornen" "am Wegesrand" zunächst die Assoziation Zaunkönig geweckt wird, bis mit 'tröstenden Tränen vom Gekrönten' eindeutig auf Jesus Christus als Dornenkönig Bezug genommen wird. (Verbindende Assoziation ist das Wegkreuz.)
Dies Lied, das aus der Rolle eines Vaganten gesunden wird, atmet für mich eindeutig den Geist der Jugendbewegung im Übergang zur Bündischen Jugend. Es enthält viele poetische Elemente.
Als Marschlied scheint mir dies trotzig-melancholische Lied einerseits nicht recht passend. Für "gemeine" Soldaten freilich, die geschliffen werden, damit sie ohne Zögern in den Tod gehen, weil ihnen die Selbstachtung genommen worden ist, passt diese Melancholie.

Montag, 19. Juni 2017

Es wollt ein steinalt Jümpferlein ...

Es wollt ein steinalt Jümpferlein
Wohl in den Himmel ein.
Da stand der Petrus vor der Tür
Und ließ es nicht hinein.
"Warum läßt du mich nicht nicht hinein,
Mich steinalt Jümpferlein?" -
"Weil du auf dieser ganzen Welt
Noch keinen Mann geküsst."
Da fiel das steinalt Jümpferlein
Dem Petrus um den Hals.
Da lachten alle Engelein:
Hahahahahahahaha
Da lachten alle Teufelein:
Hihihihihihihihi
Da lacht' der Petrus selber noch:
hohohohohohohoho
Da lacht das ganze Himmelreich
Hahahihihoho
Da lacht das steinalt Jümpferlein:
Hähähähähähä.

Es wollt ein steinalt Jümpferlein
ins Himmelreich hinein,
Da sprach der alte Peterus
ich laß dich nicht hinein,
Du hast noch keinen Mann geküßt,
drum laß ich dich nicht hinein,
Da packt sie ihn am Zwieselbart
und gibt ihm einen Kuß,

(Ingeb-org)

"Es wollt ein steinalt Jümpferlein"

Es wollt ein steinalt Mütterlein wohl in den Himmel ein, 
da stand der Petrus vor der Tür und liess es nicht hinein
Warum lässt du mich nicht hinein mich steinalt Mütterlein ?

Weil du auf dieser ganzen Welt noch keinen Mann geküsst
da fiel das steinalt Mütterlein dem Petrus um den Hals
da lachten alle Engelein ha ha ha hi hi hi
da lachten alle Teufelein hi hi ha ha hi
Mein eigener Erinnerungsversuch  liefert folgenden Text:
Es wollt ein steinalt Mütterlein zum Himmeltor hinein,
doch Petrus stand dort vor der Tür und ließ sie nicht hinein:
"Weil du noch keinen Mann geküsst, so darfst du nicht hinein."
Da gab das steinalt Mütterlein dem Petrus einen Kuss.
Da lachten alle Engelein: "Hi hi hi hi hi hi-i."
Und Petrus lachte noch viel mehr: "Ho ho ho ho ho ho-o."
Da lachten alle Teufelein: "He he he he he he-e."
Und Satan lachte noch viel mehr: "Hu hu hu hu hu hu-u."
Und wir, wir lachen alle mit dabei: "Ha ha ha ha ha ha."

Die logischste Version wäre natürlich eine mit "Jüngferlein". "Jümpferlein" ließe sich als Dialektvariation erklären. "Mütterlein" hätte da nur als lectio difficilior eine Chance. 
"Jümpferlein" erscheint mir von den vorliegenden Versionen als logisch und lectio difficilior die überzeugendste Version.